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18. Juli 2011 09:39:38

… beobachtet: Männer vom Bürgerpark

Alle zehn Minuten donnerten gestern Nachmittag die Flugzeuge über den Bürgerpark. Meistens waren es die rot-weißen Maschinen der Air Berlin, deren Schriftzug von unten deutlich zu lesen war. Die auf der Wiese lagernden Menschen schienen sich an das dauernde Geräusch hier längst gewöhnt zu haben. Kaum einer hob noch den Kopf, wenn wieder so ein Vogel den Park überflog.

Unweit der dort durchfließenden Panke, die in Berlin an einigen Stellen wieder renaturiert werden soll - wann hat es je so ein schönes, urberlinerisches Projekt gegeben – saß ein alter Mann auf einer Parkbank, die er in sein kleines Wohnzimmer verwandelt hatte. Die mitgebrachten Siebensachen, wie Zeitungen und etwas zu essen, waren fein säuberlich auf der ganzen Bank verteilt. Neben ihm stand ein Kofferradio uralter Bauart und spielte Musik. Wenn man vorbeiging, blickte der Mann nicht auf, so sehr war er mit seinem kleinen Reich beschäftigt. - Auf der großen Wiese, unweit des mit Klinkern ummauerten, kleinen Springbrunnens, lagerten vor allem Familien mit Kleinkindern, die sich dort, wo auch keine Hunde zu sehen waren, frei bewegen konnten. Plötzlich erschienen zwei schlaksige Basecapträger auf der, von den reichlichen Niederschlägen der letzten Tage sattgrünen, Rasenfläche und brachten zwei große Modellautos mit. Sie hatten auch etwas zu trinken dabei – für sich in der Bierflasche und für die Autos im Kraftstoffbehälter. Als sie mit ihren knatternden Startversuchen begannen, reckten sich die Köpfe des halben Parks in ihre Richtung. Nachdem sie ihr Fahrtraining dennoch aufnahmen, redete ein 35-jähriger Mann energisch auf sie ein. Ergebnis: Boxenstopp. Mit hängenden Ohren verließen die Rennfahrer wenig später den Park. - Wie ein kleiner Cowboy sah der Junge mit dem gelben T-Shirt (Mommys Rock Legend) und dem Halstuch aus. Den anderen, älteren Jungen sah er mit seinen hellblauen, aufmerksamen Augen nach. Vor allem ihren Bällen, die größer waren als seiner, lief er auf wackligen Beinen hinterher. Gerade mal ein Jahr ist der kleine Kerl geworden. Wenn die Flugzeuge heranbrummten ging sein Kopf nach oben, obwohl er dieses Geräusch schon kannte. In zwei Jahren, zu seinem dritten Geburtstag, wird es den Lärm über dem Bürgerpark endlich nicht mehr geben.

 

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