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13. Januar 2008 19:54:51

… bunt: Norbert Biskys Farben am See sehen

Grunewaldsee

Grunewaldsee?

Nach einem Spaziergang durch die als Unesco Weltkulturerbe eingestufte „Parklandschaft Neuer Garten“ am Heiligen See in Potsdam, leuchtete der Jungfernsee in der Nähe der Glienicker Brücke in unglaublichen Farben. Mit diesem Lichteindruck ging ich dann schon bei Dunkelheit am heutigen letzten Tag in die Norbert Bisky Ausstellung „Ich war’s nicht“ im Haus am Waldsee und fühlte mich kontinuierlich von Blau, Orange, Gelb und Rosa getragen.

bisky_drahtzieher_72dpi.jpg

Drahtzieher, 2007, Öl auf Leinwand, 280×400cm
Courtesy GALERIE CRONE, Berlin; Leo Koenig Inc., New York,© VG-Bild Kunst Bonn 2007
Foto: Bernd Borchardt

Besonders aufschlussreich ist der Audio-Video-Guide, der im Wesentlichen aus einem langen Gespräch zwischen der Kuratorin Dr. Katja Blomberg und Norbert Bisky besteht. Er spricht darin, teils in der gehängten Ausstellung, teils im Atelier, vorallem über seine formalen Interessen, …

… die ihn bei der Arbeit voran treiben. Es geht ihm um Linienführung, grafisches Gestalten und Flächenkontraste. Die inhaltliche Dimension scheint für ihn selbst unbewusster und unklarer zu sein. Auch bei den vielen Bezügen in der Kunstgeschichte, die seine Arbeiten inspirieren redet er mehrheitlich von formalen Aspekten. Die Referenzen zu Anderen, für ihn wichtige Künstler, sind seinen Werken in der Ausstellung teils sehr interessant gegenübergestellt: Jim Dine, Georg Baselitz, Walter Leistikow, K. R. H. Sonderborg sowie Katharina Grosse, Anthony Goicolea und Nicole Eisenman.

Als Betrachter wird man allerdings abgesehen von den strahlenden Farben besonders von den dargestellten Themen herausgefordert: Entfremdung der Schönheit, Künstlichkeit des Idylls, Komerzialisierung von Gefühlen, emotionslose Gewalt und oberflächlicher Sex als Ventil. In diesen Gesellschaftstendenzen steht der Künstler (Bisky), von dem gefordert wird, sein Innerstes nach Außen zu kehren. Im Abschlussbild der Ausstellung kotzt ein junger schöner Mann uns Betrachtern vor die Füße und wir stürzen uns wie Geier darauf. Ein Selbstbildnis?! Biskys künstlerischer und materieller Erfolg lässt diese Verweigerungshaltung und bewusste Ungefälligkeit zwiespältig erscheinen. Einerseits zeigt er das Abgründige auf, thematisiert die Verlogenheit und das Eklige in der Anbiederung an Wohlstandsweltbilder. Andererseits malt er so schön und durch die thematische Unklarheit dann doch auch dekorativ, dass man die begierigen privaten Sammler schon sabbernd auf dem Teppich stehen sieht. Sein formales Stilmittel des Leinwand-Freilassens bzw. der Unfertigkeit wird als Mittel des Hinhaltens verwendet. Er weigert sich, seine bildgewordenen Kommentare wirklich abschließend zu formulieren. Aber wie sollte das in dieser Welt auch ernsthaft möglich sein?

Man wird sicher zukünftig noch sehr viel Bisky sehen, wenn auch nicht in dieser nun beendeten Ausstellung.

 

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