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Archiv der Kategorie ‘Mitte-Tiergarten-Wedding‘

6. Oktober 2010 19:11:16

… in der staatlichen Münze: Die Berliner Liste 2010, die etwas experimentellere Kunstmesse

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Samuel Salcedo „Pals“(2010)

Bieniek Sebastian „Please believe me!
I‘m Cicciolina on facebook“ (2010)

Die Macher der Berliner Liste haben auch in diesem Jahr ein neues altes Gebäude für die Kunst erschlossen. Diesmal ist die Kunstmesse in den ehemaligen Räumen der Staatlichen Münze am Molkenmarkt 2 untergebracht, also nur einen Steinwurf entfernt von Wowis Roten Rathaus.

Das Haus alleine ist schon einen Besuch wert, denn hier ist er in den ramponierten Gängen noch zu spüren, der fiebrige Atem der Umnutzungsapologeten, die in den 1990ern ein Großobjekt nach dem anderen (Kulturbrauerei, Arena Treptow u.v.a.) neuen Verwendungen zugeführt haben. … Weiterlesen

 

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2. Oktober 2010 19:30:43

… Realstadt: wirkliche Modelle architekonischer Wünsche

darkschlossplatz

Es war einmal eine große Halle, die war einmal ein Heizkraftwerk, war einmal ein Technoclub, ist gerade eine Ausstellung über architektonische Wünsche. Realstadt im Kraftwerk Mitte. Die gigantische Halle an der Köpenicker Straße, die bis vor kurzem vom Tresor bespielt wurde, ist ein wunderbarer Ort für diese ausufernde Show von allerlei architektonischen Modellen.

Durch die groben Betonträger und offenen Wände hat der Raum selbst die Anmutung eines zu groß geratenen Modells. Er erscheint wie die Mutter aller Modelle und der Innenraum wird zum Bauch der Architekten, in dem nun massenhaft neue Modelle unter beängstigenden Wärmelampen ausgebrütet werden. Besucher haben nun quasi endoskopischen Zugang und können die vielen architektonischen Kopfgeburten modellhaft erleben. Die Bandbreite der Projekte aus ganz Deutschland könnte dabei kaum größer sein: Von Detail-Modellen, die zum Selbstzweck entstanden sind (z.B. ein Modell bzw. Nachbau von Jens Reinert eines existierenden Treppenhauses, das die Frage aufwirft, wozu um Himmelswillen nur ein Modell davon gebaut wurde), über den Normalfall der Entwurfsvisualisierungen, wahlweise von Einfamilienhäuser oder ganzen Städten, bis hin zu düsteren Scienc Fiction Visionen des inszenierten Stadtzerfalls ist hier alles in echten gebauten 3D-Modellen zu betrachten. Die Modelle, Ideen und Projekte stammen aus den letzten Jahrzehnten von ganz aktuell bis zurückgehend in die 80er Jahre. … Weiterlesen

 

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28. September 2010 00:59:21

… putzig: Die Meistersinger von Nürnberg an der Komischen Oper

Die auf diesem Foto zu sehenden Meistersinger sind nicht nur meisterliche Sänger, sondern auch Meister in ihren Handwerksgilden. Allesamt kleine Männer in putzigen Kostümen, die ein bisschen wie typisch deutsche Gartenzwerge aussehen und auch ähnlich stilisiert agieren. Immer mit den Händen ihre dicken Bäuche streichelnd, treten sie als selbstgefälliger Haufen Spießbürger auf, die ihre Traditionen feiern und sich auf ihren Erfolgen ausruhen, nur um letztlich andere daran zu hindern, in ihren erlauchten Kreis aufgenommen zu werden. Es geht um nicht gewährte Teilhabe an der Gesellschaft oder (kapitalistisch gesprochen) um Markteintrittsbarrieren. Wer in diesem Nürnberg etwas werden will, muss sich mit den Meistern arrangieren, sich auf das Reglement des Singer-Clubs einlassen.

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27. September 2010 15:43:52

… voller Tasten: Piano City lädt zu Pianisten nach Hause

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Die Idee ist einfach und genial: Fast jeder Pianist hat zuhause einen Flügel oder mindestens ein Klavier stehen und es wäre doch super, wenn überall dort in den Wohnzimmern kleine Hauskonzerte stattfänden, mit Programmen, die die Pianisten am liebsten spielen. Gedacht getan – Piano City ins Leben gerufen. Inzwischen ist die Bewerbungsfrist abgelaufen (>Übersicht aller Bewerbungsvideos) und das Programm mit über 70 Hauskonzerten ist online. Am Samstag, 23. und Sonntag, 24. Oktober ist es soweit, aber Achtung: Man muss vorher die Tickets über die Website kaufen.

Es gibt Selbstkomponiertes, Klassik, Jazz und alles andere. Mir scheint darunter sind einige Perlen, aber sicher auch ein paar Spinner – also sehr interessant!

Übrigens: Mein Bruder Roman Hengge ist auch dabei.

 

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26. September 2010 15:24:06

… hörbar: Urban Audio von Florian Tuercke auf Deutschland Tour

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Was steht denn da für ein seltsamer Apparat am Straßenrand? Ist die Stasi wieder aktiv, diesmal nur ohne Tarnung? Werden wir wieder abgehöhrt?

Tatsächlich, da richtet einer seine Instrumente auf den Verkehr, der als Abbild der Bewegung Ausdruck unserer Leben ist. Florian Tuercke hört der Großstadt den Puls ab und macht aus dem Rauschen des Lebens halb akkustisch, halb elektronisch so etwas wie Musik. Mit einem kleinen Bus ist er unterwegs und nimmt mit seiner Drone-Unit je eine Stunde Field Recording.

Jetzt ist der Stadtakustiker auf Deutschlandtour und kommt nach Berlin:
Am 1.10. am Potsdamer Platz und am Tag der deutschen Einheit (3.10.) am Alexanderplatz. Auf dass der nationale Verkehr in in D-Dur erklinge …

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15. September 2010 12:17:35

… auferstanden aus Ruinen: Neuer Bildband über den Palast der Republik von Thorsten Klapsch

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Bild: Thorsten Klapsch/Edition Panorama
Präsidentenplatz: Hinter diesem schlichten Schreibtisch saß zu DDR-Zeiten der Präsident der Volkskammer, zuletzt war dies Sabine Bergmann-Pohl.

Nachdem inzwischen auf dem Schlossplatz die Spuren der sozialistische Vergangenheit gründlich beseitig worden sind, und man statt dessen in noch älteren Schichten des Geschichtsbewusstseins zu graben pflegt, um jämmerliche Kelleranlagen des alten Stadtschlosses freizulegen, erhebt sich der einstige Palast der Republik in voller Pracht und architektonischer Kühnheit über die lausigen Planungen zur Neugestaltung dieses zentralen Stadtraumes.

Diesmal erstrahlt der DDR-Prachtbau allerdings nur auf Papier, als Bildband „Palast der Republik“ erschienen bei Edition Panorama, und die merkwürdige architektonische Mischung aus Vergnügungspark und Pseudo-Amtsitz eines Unrechtsstaates tritt in kühlen, menschenleeren Fotografien auf. Grandiose Einblicke, die der Fotograf Thorsten Klapsch vor 17 Jahren festhielt und seitdem unter Verschluss hielt. Um so größer ist die Wucht des Flashbacks nun.

Mehr Bilder und ein langer Artikel bei Spiegel online.

 

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9. September 2010 22:13:02

… recomposed: Matthew Herbert zerquetscht Mahlers Zehnte

matthewherbert_yellowlaunch

Immer wieder das Problem mit den Erwartungen: Geht man mit schlechter Meinung zu einem Konzert, kann das tatsächliche Erleben fast nur besser werden als man vorher dachte und man genießt den Abend, geht man voller Vorfreude zu einem Konzert, …

Matthew Herbert hat manches gemacht, das mir wirklich außerordentlich gefällt. Z.B. seine Platten „Plat de Jour“ von 2006 oder die neue „One One“ sind Scheiben, die richtig glücklich machen können. Auch wenn er als Produzent aufgetreten ist, wie bei Roisín Murphy für „Ruby Blue“, entstand besondere Popkultur. Sein Ansatz Geräusche, die direkt aus der Umgebung der Künstler oder des Produktionsstandortes stammen, direkt als musikalisches Material zu verarbeiten, ist spannend, zumal er sich eine Art Kompositions-ethisches Manifest verordnet hat, das ihn dazu zwingt absolut alles originär neu zu generieren. Es gelingt ihm mit Field Recordings, neuartigen Programmierungen und Arrangements, die auch mal Big Bands und Orchester einschließen, Klangcollagen zu verdichten, die manchmal zu eingängiger Musik werden und vereinzelt beinahe Hit-tauglich scheinen.

Matthew Herbert sollte also ein hervorragender Kandidat für die Recomposed Reihe der  Yellow-Launch bei der Deutschen Grammophon sein, wo … Weiterlesen

 

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9. August 2010 17:21:40

… jung: Everybody learns from disaster in der Villa Elisabeth

everybodylearnsfromdisaster

Zum Abschluss der diesjährigen berlin biennale wollen die Organisatorinnen von „everybody learns from disaster“ gegenüber der biennale noch eins drauf setzen. Sie positionieren sich ganz deutlich in der Gegenposition zum etablierten Kunstevent biennale: Auf die diesjährige Fragestellung der Biennale* antworten die disaster-Leute: „Wir machen Kunst trotz Krise, aber ohne Einschränkung des Blickfeldes. Für uns ist die kritische Auseinandersetzung mit der Welt nicht auf eine kleine Zahl künstlerischer Ansätze beschränkt, denn es gilt für alle Künstler: „Die Funktion von Kunst ist es, die Wirklichkeit unmöglich zu machen“ (Heiner Müller). Die Reflexion der Kunst über unsere Zeit befindet sich, wie die Zeit selbst, in ständigem Wandel. Diesen Wandel gilt es zu zeigen. Die Präsentation von Arbeiten ist dabei immer Teil des künstlerischen Prozesses, weil Kunst den Austausch braucht.

Auffällig ist jedenfalls, dass diese junge Künstlergeneration erstens in ihrer großen Mehrzahl klassische Malerei, Skulpturen und Zeichnungen anfertigen und sich zweitens thematisch um sich selbst und ihre jeweiligen Kunstkonzepte kümmern. Sie erschaffen ihre eigenen Kunsträume oder -phantasien und verabschieden sich möglichst an der nächsten Abzweigung aus der Realität. Insofern ist die Ausstellung durchaus schlüssig kuratiert und das bei einer sehr breit gefächerten Künster/innenauswahl. Von Leuten, die schon bei großen Agenturen vertreten werden z.B. Yehudit Sasportas bei Eigen und Art, Matthäus Thoma bei loop oder Mariele Neudecker bei Barbara Thumm bis zu welchen, von denen noch nie außerhalb der Kunsthochschulen UdK und KhB was zu sehen war. Die Liste aller wäre viel zu lang, aber um eine herauszugreifen, gefallen haben mir z.B. die Fensterinstallationen von Katharina Quecke.

Insgesamt eine deutlich erfrischenderer Ausstellung und mit experimenteller Musik abgerundete Veranstaltung als die diesjährige biennale.

–––

* Unter dem Ausstellungsmotto „was draußen wartet“ präsentierte die Ausstellung der berlin biennale Arbeiten, die sich den in der Kunst zunehmend beobachtbaren Tendenzen zur Abkehr von der Realität verweigern sollten und hin zu kunstimmanenten und formalen Fragestellungen kommen. Sie widersetzen sich diesen Tendenzen durch die Behauptung eines offenen Blicks auf unsere Gegenwart und ihre Wirklichkeit. Im Ergebnis sah man hauptsächlich Werke mit sozio-dokumentarischem Charakter.

 

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22. Juli 2010 11:56:11

… Gymmick: gesungener Humor, der ein bisschen weh tut

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An zwei aufeinanderfolgenden Tagen lief mir das Nürnberger Komik-Würstchen „Gymmick“ über den Weg – oder ich ihm, wie man’s nimmt – und beides Mal fand ich seine Show wirklich lustig. Er machte im Alleingang die Vorband für Freddy Fischer und ebenso für KC McKanzie auf dem Badeschiff an der arena. Auf dem Fender Rhodes und der Gitarre begleitet er sich zu wild verhedderten Texten, grotesk bitter bösen Scherzen aus einer politisierten Kinderwelt. Im einen Lied bringen sich reihenweise Wunschhaustiere um, im nächsten spielt ein quälendes Kindermädchen die Hauptrolle und im übernächsten kommt die Polizei und zerdrischt dem Multitalent die Gitarre, dabei erhob er die Stimme doch nur für ein paar Obdachlose. Besondere Würze bekommt Gymmicks Vortrag durch die sichtbare Handbehinderung, und man spürt, dass da einer in die Rolle des sich-selbst-zum-Clown-machen hineingeboren (vielleicht auch gezwungen) wurde, diese Rolle aber durch sehr viel Talent und vermutlich ebenso viel Üben in Eigenregie zum Lebensmodell erhoben hat.

 

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30. Juni 2010 15:29:56

… zählbar: Fraktionsspiele bei der Bundespräsidentenwahl

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Oben und unten: Ausschnitte aus der Rede Joachim Gaucks am Abend im Radialsystem.

Vor ein paar Tagen war ich bei dem Unterstützerfest für Joachim Gauck im Radialsystem. Es war ein Fest von Demokraten, die gemeinsam ein Zeichen setzen wollten, dass Deutschland ein Bundespräsidenten verdient hat, der jenseits der parteipolitischen Ränkespiele Respekt, Würde und Haltung hat und genießt. Herr Gauck wäre in diesem Sinne natürlich zweifellos ein hervorragend geeigneter Kandidat, der auf diesem Fest von vielen Künstlern mit höchst unterschiedlichen Beiträgen gefeiert wurde.

Sehr gefallen hat mir bei der Veranstaltung, dass nicht am grundsätzlichen Wahlsystem gerüttelt wurde, denn tatsächlich wäre das jetzt wieder Mal diskutierte Direktwahlverfahren für den Bundespräsidenten, eine ganz schiefe Regelung. Wir bekämen ein laut Satzung praktisch machtlosen Bundespräsidenten gestützt durch ein extrem starkes Plebiszit. Das Resultat wäre eine Art lebender Volkskummerkasten auf Präsidentialniveau. Das kann nur zu großer Frustration führen, denn entweder müsste der Präsident als Volkes Stimme permanent gegen die Regierung oppunieren, was er laut unserer Verfassung überhaupt nicht darf, oder seine Aufgabe wäre es, das Volk ruhig zu halten, indem er zwischen Politikern und Wahlvolk als Stimmungspuffer abfedert. Beides wäre für alle Seiten sehr unbefriedigend.

Den einzigen Aussetzer des Abends leistete sich Jochen Sandig (Mitbegründer des Radialsystems), der „zwanzig Jahre danach“ eine Art neue Revolution witterte und sich diebisch freute, selbst das von ihm ausgemachten Epizentrum einer Bürgerbewegung zu bilden. Genau das war es eben nicht!

Nun heute wird tatsächlich wie gehabt indirekt gewählt und im ersten Wahlgang hat Wulf gerade mal 600 Stimmen bekommen. Das heiß 44 Stimmen aus dem Koalitionslager stehen nicht hinter ihrem Kandidaten. Noch ist es eigentlich undenkbar, dass Gauck tatsächlich im dritten Wahlgang gewählt würde, denn die Linke kann und will sich nicht mit dem Kandidaten Joachim Gauck anfreunden. Sie halten den Kandidaten für unwählbar und stehen kadermäßig geschlossen hinter Lukretia Jochimsen.

Als die Kandidaten aufgestellt wurden, habe ich mich gefragt, wie ein unumstritten honoriger Mann wie Joachim Gauck eine solche Kandidatur überhaupt annehmen kann. Ich habe erwartet, dass er als Kandidat, (ebenso wie vorher Gesine Schwan) ohne viel Rauch zu machen, verbrannt würde. Doch diese Einschätzung habe ich in den letzten Wochen deutlich revidiert. Man kann feststellen, dass die Kandidatur und die breite Unterstützung in der Bevölkerung für Herrn Gauck, seine Reputation enorm gesteigert hat und fast noch wichtiger, die Kandidatur hat tatsächlich die Achtung vor dem Amt des Bundespräsidenten gestärkt, wenn nicht überhaupt erst wieder hergestellt (nach dem kläglichen Abtreten des letzten). Dies zeigt wie Amt und Person sich gegenseitig bestärken könnten, wenn die richtige Person ins Amt käme.

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