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6. Juni 2009 20:34:18

… ein winziger Teil der Welt: HOME

Landwirtschaft in der Wüste von Saudiarabien.

Auf YouTube wird derzeit ein Film promotet, mit dem inhaltlichen Fokus auf den Kreislauf des Wassers und der Umformung von Energie auf unserem Heimatplaneten. In „HOME“ von Yann Arthus-Bertrand werden einige physikalische Grundgesetze emotional aufgeladen und als Basisbewusstsein des Umweltschutzes vermittelt. So zum Beispiel, dass jeder Tropfen Wasser eine endlose Geschichte hinter sich hat. Die selben Wassermoleküle, die wir heute trinken oder durchs Klo spülen wurden schon von den Dinosauriern getrunken und ausgeschieden und künftige Lebensformen werden wieder die gleichen Moleküle durch ihre Körper fließen lassen. Ganz einfach deshalb, weil die physikalische Menge der Wassermoleküle immer die selbe bleibt – immer in den drei Aggregatzuständen Wasser, Dampf oder Eis. Alles auf der Erde ist miteinander verbunden und alle Energie kommt ursprünglich von der Sonne.
Der Film zeigt beeindruckende Bilder, begleitet von einem gesprochenen Vortrag, der mit statistischen Zahlen durchsetzt ist und uns nahelegt, unsere Lebensgestatung überall auf der Erde grundlegend zu ändern. Dabei kann „HOME“  leider auch keine Perspektive eröffnen, die der Menschheit ein neues, weniger verbrauchendes Lebensmodel bereitstellen könnte. Die Gegensatzbilder des natürlichen Reichtums der Biodiversität und der Verschwendung von Resourssen gefolgt von den drastischen Veränderungen der Natur bewirken sicher nicht einen grundsätzlichen Lebenswandel der Menschheit. Deshalb wird kein asiatischer Bauer seinen Plan aufgeben, in die nächste große Stadt zu ziehen, und kein Dubai-Tourist wird statt zu fliegen, selber an den Golf rudern oder besser noch einfach fortbleiben um dem Wahsinn des Projektes Dubai nicht weiter zu unterstützen.
Es ist traurig aber leider kaum anders vorstellbar. Unsere ölbefeuerte Ideologie des ständigen und sich beschleunigenden Wachstums als Normalzustand der Menschheit wird sich erst bremsen, wenn nichts mehr verbrannt werden kann, weil schlicht nichts Brennbares mehr vorhanden ist.
Den Film beendet eine Sequenz unter dem Motto „es ist zu spät, um ein Pessimist zu sein“ und es werden viele gute Beispiele aufgeführt, die – ins Leben gerufen von einzelnen Menschen, Organisationen oder Staaten – zeigen, dass es doch anders geht. Die Verbindung von sich verbesserndem Lebensstandard und ökologisch vertretbarem Handeln scheint vereinzelt zu funktionieren. Kann daraus vielleicht doch ein Erfolgsmodell für die Menschheit als Ganzes erwachsen?
Der pathetische Schlusssatz des Films legt die Verantwortung dafür in die Hände jedes einzelnen: „It’s up tu us to write what happens next – together.“ Es soll sich also am Nächsten entscheiden – zeitlich, räumlich und verwandschaftlich gesehen. Doch wer kann schon abschätzen, welche Folgen das eigene Handeln hat? Wer kann schon eine globale Ökobilanz aufstellen und darin verantwortlich handeln. Der Film hat Recht: „Alles ist mit allem verbunden“ und genau deshalb ist das Gesamtsystem weder steuerbar noch hilft es, bewusster zu leben.
Ich bin mir bewusst, fast alles falsch zu machen: Ich spüle mein Klo mit Trinkwasser, esse Fisch, der mit Trawlern auf offener See gefangen wurde und mit einem gigantischen Energieaufkommen bis auf meinen Teller befördert wird, fahre mit dem Auto in Urlaub und telefoniere von dort über einen Sateliten mit meiner Mutter, nur um zu fragen, ob alles okay ist. Mein Bewusstsein sorgt dafür, dass ich kein Fleisch esse, Ökostrom verbrauche und einen Kleinwagen fahre. Was für ein Witz! So geht die Welt zu Grunde, es ist mir bewusst, und ich handle trotzdem so. Genau wie alle anderen auch.

 

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Alltägliches | Kino

 

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