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6. Oktober 2010 19:11:16

… in der staatlichen Münze: Die Berliner Liste 2010, die etwas experimentellere Kunstmesse

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Samuel Salcedo „Pals“(2010)

Bieniek Sebastian „Please believe me!
I‘m Cicciolina on facebook“ (2010)

Die Macher der Berliner Liste haben auch in diesem Jahr ein neues altes Gebäude für die Kunst erschlossen. Diesmal ist die Kunstmesse in den ehemaligen Räumen der Staatlichen Münze am Molkenmarkt 2 untergebracht, also nur einen Steinwurf entfernt von Wowis Roten Rathaus.

Das Haus alleine ist schon einen Besuch wert, denn hier ist er in den ramponierten Gängen noch zu spüren, der fiebrige Atem der Umnutzungsapologeten, die in den 1990ern ein Großobjekt nach dem anderen (Kulturbrauerei, Arena Treptow u.v.a.) neuen Verwendungen zugeführt haben.

berllist2010_muenztresor

In den alten Tresorräumen im Keller des Gebäudes, wo noch bis 2006 Euro-Münzen gebunkert lagen, glaubt man schon die DJ-Beats oder Performences als Echo aus der Zukunft zu hören und in den bröckeligen Treppenhäuser neigt man dazu, zwischen all der jetzt versammelten Kunst, abstrakte Wandgemälde zu erkennen (siehe Ausstellung „Tatort“ bei Christian Hosp in der Halle am Wasser).

berllist2010_treppen

Die Münze ist wirklich eine Gebäude, das hier mitten in der Stadt, wo es trotz der zentralen Lage kaum je Laufpublikum geben wird, eine Zukunft als Kunstraum haben könnte.

Durch den Namen „Berliner Liste“ wird die Messe leicht als Veranstaltung von berliner Galerien und Künstlern missverstanden, doch tatsächlich ist die Ausrichtung eher international. Diesmal sind Galerien und Künstler aus 20 Ländern vertreten und typisch für die Liste ist die Qualität sehr durchwachsen. Es gibt einige interessante Dinge zu sehen, aber auch ein paar Galerien, die völlig aus der Zeit in den Kitsch gefallen sind. Hier zeigt sich die eher ungewollte Ausrichtung der Ausstellung als Kaufmesse in der nicht ganz oberen Liga. Der gutsituierte Hausbesitzer kann hier auch mal eine nette Steinsteele für den Vorgarten finden, oder ein gewagt wild dekoratives Ölbild für neben den offenen Kamin.


Torsten Warmuth „In der Arena“, (2009)

Das fällt in der Gesamtheit der Messen nicht weiter unangenehm ins Gewicht, weil die Messeleitung diesmal einen neuen Zug geöffnet hat, über den sie direkt Künstler in die Öffentlichkeit fährt. So sind eine ganze Reihe Künstler ohne Galerie auf der Messe vertreten, die von der Messejury sogar besonders viel Raum bekommen haben. Das Misstrauen gegen die eigenen Aussteller mit ihrer Ausrichtung auf mutmaßlich Verkaufbares, ist dem Geschäftsführer Wolfram Völcker deutlich anzumerken, wenn er von diesem konzeptionellen Coup erzählt. Und es stimmt natürlich: gerade unter diesen Künstler sind interessante Arbeiten zu finden.

In fast allen Buchten sind die Künstler während der Messezeit anwesend. Wenn man sich auf Gespräche mit ihnen einlässt (was natürlich immer ein Wagnis ist ;-), kann noch viel mehr über die Arbeiten und dahinterstehenden Ideen erfahren.

 

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3 Reaktionen

  1. laurie g

    hallo,
    ist das alles was sie von der ganzen ausstellung ausgesucht haben, um es zu verröffentlichen? nur was laut schreit (am besten nach porno aussieht oder perversen sex andeutet)? meinen sie das ist die aktuelle kunst? nein so ist es eben nicht, das ist altmodisch und vorbei … (ich bin nicht die einzige, die dieser meinung ist, einige künstlerinnen die in der b.l ausstellen sind einfach entsetzt über die bilder, die diese ausstellung in den medien repräsentieren… mysogynistisch, ( auf deutsch frauenfeindlich), altmodisch – kapieren sie denn das nicht? das alles hat man schon längst gezeigt.
    laurie g
    absolventin (2003) der universität berlin, ausstellerin der berliner liste

  2. Rainer Maria Stark

    Wären Sie als Autor doch mal das Wagnis eingegangen und hätten einen der KünstlerInnen angesprochen. Ihr Bericht wäre sicher ganz anders ausgefallen. So ist eben nicht nur die Kunst manchmal plakativ, sondern auch im Journalismus die Qualität sehr durchwachsen.

  3. Magnus

    Damit es sich besser bei Wikipedia nachschlagen lässt: Das Wort heißt „misogynistisch“.
    Natürlich lässt sich über plakative Bilder schneller kommunizieren, eine Einsicht, die ganz jenseits der Einschätzung ist, was nun aktuelle Kunst sei und was nicht. Plakativität mit Porno gleichzustellen ist aber zweifellos übertrieben und die unterstellte Frauenfeindlichkeit vermag ich nicht darin zu erkennen.
    Ich glaube die stukturell sicher festzustellende Frauenfeindlichkeit in der Kunst (oder besser in der Kunstszene) ist nicht in der Auswahl und medialen Widerspiegelung der Sujets anzuprangern, sondern vielmehr im Protegieren weiblicher Schönheit. Beim Spaziergang über die verschiedenen Kunstmessen scheint die Konkurrenz der Galerien zu einer Misswahl der Assistentin zu verkommen und bei den Künstlerinnen bietet sich ein ähnliches Bild (nur nicht ganz so „plakativ“ zur Schau gestellt).