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10. November 2008 15:52:39

… nachdenklich: Zusammenspiel der kulturindustiellen Interessen vs. Selbstermächtigung

 Jeff Koons: Balloon Dog Red
Jeff Koons: Balloon Dog Red. Zu sehen in der Neuen Nationalgalerie

Apropos Gerwald Rockenschaub: Irgendwie hat dieser Mann kein Gefühl dafür, wann ein Werk gelungen ist und wann nicht. Ich habe wirklich wunderbare, Rauminstallationen von ihm gesehen, aber ebenso kann man bei ihm über so etwas wie diese drei Flash-Animationen stolpern, die er für die Website des Axel-Springer Konzerns gemacht hat. Die erreichen nicht einmal Erstsemester-Qualität und Rockenschaub scheint einfach keine Kriterien zu haben, wie er mit einem zeitbasierten Medium umgehen kann. Als international erfolgreicher Künstler hat man das wohl auch nicht mehr nötig, da dem Kunstmarkt selbst, ebenso wie der Arbeit der Künstler, keine mit einer künstlerischen Qualität verbundene Wertmatrix zugrunde liegt, sondern nur das befeuern des Starsystems.

Das Star-System ist so zum gegenwärtigen Fixpunkt der Welterklärung geworden. Ein Star scheint aus sich selbst heraus Licht (=Wert/Qualität) zu schaffen, doch tatsächlich erarbeitet sich der zum Star gewordene Künstler, die dafür notwendige Energie nicht selbst – es ist eben kein selbstleuchtender Stern –, sondern all die … Kulturindustriellen pumpen ihn mit Energie voll, in der Hoffnung letztlich selbst nah genug am wärmenden Licht zu sein. Doch was bleibt ist die Frage, wo die kulturindustriell kulminierte Energie eigentlich her kommt und woraus sie besteht? Sie besteht aus Glaube und Hoffnung, genau wie die Energie, die den Aktienmarkt antreibt. Menschen hoffen darauf, dass sich ihr Glaube an den Aufstieg eines Künstlers auszahlt. Das ist nicht einmal nur finanziell zu verstehen, sondern durchaus auch immateriell als Hoffnung auf die Bestätigung der Expertenschaft, einen großen Künstler frühzeitig zu erkennen. Schafft man es dann tatsächlich, einen Künstler hochzukuratieren, ihn hochzuschreiben und ihn so zu etablieren, dann erzeugt man Rendite. Eine Rendite, die man ganz oben und ganz unten auf der Preisskala einfahren kann. Oben mit dem Verkauf und Weiterverkauf von Werken, unten beispielsweise mit der Einnahme von Eintritts- und öffentlichen Fördergeldern bei Ausstellungen oder dem Verkauf von Kunst- und Lifestyle-Zeitschriften. Wichtig dabei, dass Kunst Massenkultur wird, ist, bleibt und folgerichtig, dass sich die Kunst immer mehr mit sich selbst und dieser Energiepumpe beschäftigt.

Eigentlich muss man Warhols sinngemäß zitierten Satz „jeder kann ein Star sein“ umdrehen in „jeder kann einen Star machen“. Erklären kann man das mit einem Umkehrgedanken: „Stell dir vor es gibt eine Jeff Koons Ausstellung und keiner geht hin.“ Was würde passieren, wenn das einfache Fußvolk entscheiden würde, dass es an Koons nicht mehr interessiert ist? Die profitorientierte Kulturindustrie muss unbedingt versuchen, das zu vermeiden. Koons und andere (z.B. Anselm Reyle) wissen das, und geben dem Affen Zucker. Das Ergebnis: Sich selbst reflektierende Hochglanzbanalität. Ist das nicht geil?

Wir alle sollten das für uns selbst entscheiden und die Arbeiten verweisen sogar auf ein viel zentraleres und für das persönliche Leben viel wichtigeres Thema: Wie erreicht man Selbstermächtigung? Ich hoffe und glaube, dass die Macht über das Selbst nicht zwingend auf dem Weg der finanziellen Rendite zu finden ist.

 

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