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8. August 2011 08:50:02

… neu: Schwejk am Helmholtzplatz oder Wahlen in Berlin

Der diesjährige, lausige Sommer hatte vorgestern in der Stadt nochmal einen erfreulichen Auftritt, denn die Sonne schien kräftig und alles strömte ins Grüne. Wenn die Geburtenrate in Deutschland immer weiter sinkt, so geht das zwar auch am Prenzlauer Berg nicht spurlos vorüber, aber aufgrund der Altersstruktur ist die absolute Zahl der Kinder hoch. Auf dem Helmholtzplatz herrschte daher am Sonnabend sehr reges Treiben. Kinder spielten, Erwachsene unterhielten sich über die Fortschritte ihrer Kleinen, die Erziehung im Allgemeinen und vergaßen beim Leeren einer „Rivella“ – die ein bayrischer Comedian nicht werbemüde wird, als das Nonplusultra der Erfrischungsgetränke anzupreisen – auch nicht, besondere Kinder-Fahrradanhänger, die nicht unter 500 € über den Ladentisch gehen, zu bemerken.

Eher unbemerkt, obwohl farbig, sind die mittlerweile überall herumhängenden Wahlplakate der Parteien, denn der Inhalt ist – wie immer – mager. Die Grünen machen es sich ganz einfach, bieten jedem etwas und versprechen die Schaffung einer Menge von Arbeitsplätzen, die Rot-Rot nicht erreichte, nun einfach selbst. Über CDU und FDP braucht man in Berlin nicht zu reden – beide sind so gut wie scheintot. „Berlin verstehen“ steht unter dem SPD-Plakat. Das in den vergangenen Monaten festzustellende Zurückweichen, Herumeiern, Verschleiern, die Konzeptionslosigkeit, vor allem aber die Ergebnisse des Senats bei wesentlichen Problemen für die Stadt Berlin, nämlich Beschäftigung, Wohnen, Flughäfen, S-Bahn, Kosten/Dauer von Bauvorhaben und Wasserverträge lässt an der Losung zweifeln und wird wohl dazu führen, dass SPD/Linke Stimmen und die Mehrheit verlieren. (Hinzu kommt, dass die Bürger des Landes Berlin – wie die Deutschen insgesamt – zunehmend die Lasten von Banken- und Finanzkrisen, aber auch sinnloser militärischer Auslandsmissionen zu tragen haben). Zu welchen Ergebnissen hingegen das Gedankengut der Rechten und einiger strammkonservativer „wahrer Europäer“ führen kann, hat der Massenmord von Oslo, der auf ein gedeihliches und friedliches Zusammenleben von Menschen zielte, gezeigt.

Abseits demokratischer Parteien ist zukünftig der verantwortungsbewusste und aktive Bürger gefragt, wichtige Belange der Gemeinschaft bzw. Gesellschaft mehr und mehr selbst in die Hand nehmen. Da es aber nun vorläufig noch so ist, dass der Amtsgaul zwar gut wiehert, frisst und verdaut, aber nicht so richtig zieht, wäre die sofortige Einführung einer Amtshaftung für Regierung und Verwaltungen durchaus angebracht.

Was nun Schwejk, den Trottel, eigentlich aber unsterblichen Helden, aus dem berühmten Roman des Jaroslav Hasek, betrifft, hat der - neben Karel Gott-Fotos, der Biene Maja, dem Maulwurf aus dem Zeichentrickfilm, dem Becherovka – und anderen tschechoslowakischen Spezialitäten, unweit des Helmholtzplatzes eine neue Heimstatt gefunden. Genehmigt man sich nämlich in der Schliemannstraße 38 ein Bier der äußerst wohlschmeckenden Sorte „Svijany“ vom Fass, so erscheint selbst die bevorstehende Berliner Wahl kurzzeitig in einem ganz anderen, bernsteinfarbenen Licht.

 

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3 Reaktionen

  1. Ra

    Hi, schöne Beobachtung. Aber: als Linker find ich’s nicht korrekt zu sagen, dass das Gedankengut von Rechten und Rechtspopulisten zum Massenmord von Oslo führen kann. Wahnsinnige gibt’s immer, das kann man nicht den Rechten insgesamt anlasten. Wenn morgen ein durchgeknallter Sozialist ein Junge-Union-Feriencamp massakriert, will ich auch nich hören „dahin kann linkes Gedankengut führen“.

  2. Pingback: Berlin ist … neu: Schwejk am Helmholtzplatz oder Wahlen in Berlin

  3. Stadtührung Berlin

    Gibt es ein Paradebeispiel in der Vergangenheit der BRD mit so eine abgewirtschafteten Regierung? Ich glaube nicht und die FDP hat sehr großen Anteil an diesem Bild. Ich hoffe, wir müssen das nicht mehr allzu lange erleiden.