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2. Februar 2008 13:45:30

… phantastisch: I‘m a Cyborg, but that’s O.K.

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Der Cyborg Young-Gun kann an ihren Zehen die zur Verfügung stehende Energie ablesen.

Auf der Berlinale 2007 bekam der koreanische Regisseur Park Chan-wook für seinen phantasievollen Anstaltsfilm „I‘m a Cyborg, but that’s O.K.“ den Alfred-Bauer Preis für neue Perspektiven in der Filmkunst. Die Filmhandlung spielt wie bei einem Kammerspiel fast komplett in einer psychiatrischen Anstalt, in die die Hauptperson Young-Gun (gespielt von Lim Soo-jung) gerät, weil sie sich für einen Cyborg hält und beim Versuch sich mit elektrischem Strom aufzuladen, fast ums Leben kam, was die kaum weniger verrückte Normgesellschaft für einen Selbstmordversuch hielt. Young-Gun versprach als Kind ihrer Mutter niemandem zu verraten, dass sie ein Cyborg ist und so hält sie es auch in der Psychatrie, wo die Ärzte ihre Psychose nicht erkennen. Nur ein anderer Patient (gespielt vom koreanischen Pop-Star Jung Ji-hoon), der sich für einen Meisterdieb hält, mit der Fähigkeit anderen Wesenszüge zu stehlen, kommt durch intensive Beobachtung …

… langsam dahinter, was Young-Gun umtreibt. Sie nimmt mit dem Gebiss ihrer Oma im Mund Kontakt zu all den anderen Maschinen auf, denen sie sich als Cyborg verbunden fühlt. So führt sie intime Gespräche mit Neonröhren, Kaffeautomaten oder hicksenden Uhren. Drum herum schauen sich die ganzen anderen Verwirrten gegenseitig ihre Ticks und Psychosen ab, die sie zu einem jeweils höchst individuellen und komplexen Weltbild verdichten, in dessen Regeln sie sich einrichten. Sie handeln geradezu mit ihren Haluzinationen, leihen sich verrückte Fähigkeiten oder stehlen Ängste, um sie anderen unterzujubeln. Und das Angebot ist reichlich. Hier kann man fliegen, jodeln, schrumpfen, schießen, mutieren, schuld, stark und schön sein und alles andere erleben, was der menschliche Geist sich auszudenken vermag. Young-Gun hat das Problem, dass sie als Cyborg nichts essen darf, denn davon geht ihr Getriebe kaputt. Die Ärzte verstehen ihr Problem nicht, doch nachdem der Meisterdieb ihr schon helfen konnte, indem er ihr das störende Mitgefühl klauen konnte, baut er ihr im Heizungskeller als hervoragender Techniker auch noch eine mechanische Lösung für das Nahrungsproblem ein: das Reis-Megatron, ein Nahrung-zu-elektischer-Energie-Wandler. Schließlich erhält Young-Gun durch die liebevolle Zuwendung so viel Energie, dass sie ihren eigentlichen Auftrag ausführen kann: Sie fährt ihre integrierte Schussanlage aus und ballert sämtliche Weißkittel der Anstalt in einem riesigen erlösenden Massaker über den Haufen. Das alles aber natürlich nur in ihrer Phantasie, die allerdings auch vom Meisterdieb erlebt wird. Sie sind ein Paar, das sich gegenseitig mit seinen Eigenheiten akzeptiert, versteht und lieb, wobei wir bei der Moral von der Geschicht angekommen wären.

Viele Kritiker vermissen bei dem Film eine stringente Handlung, doch die Ideenvielfalt des Plots und der visuellen Bilder würden eine klare Erzählstruktur überhaupt nicht vertragen. Die großartigen Ausflüge in die Phantasiewelten der Anstaltsbewohner verkämen zu Nebenerzählungen, wobei sie doch gerade das Leben der Menschen ausmachen. Der Regisseur ließ sich auf die Wirrniss seiner Gestalten ein und machte einen innerhalb dieser Regeln strengen und logischen Film, bei dem sich die Entwicklung durch allerlei Einflüsse vollstreckt, die manchmal gänzlich unvorhergesehene Umbrüche mit sich bringen. Dabei ist der Film hoch ästhetisch und schön anzusehen, weil er sich auf die stimmigen Phantasiebilder einlässt und diese möglichst rein umsetzt.

Übersicht über verschiedene Presseartikel.

Gesehen im Eiszeit

 

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Kategorie:

Kino

 

3 Reaktionen

  1. Stefanidad

    Mit seinen eigenen Ticks kommt das Individuum ja in der überwiegenden Mehrzahl ganz gut zurecht. Die Ticks anderer zu ertragen erfordert dagegen häufig harte Arbeit: Da sind Wutausbruch, Zeterattacke und Schreianfall nicht fern, insbesondere im Großstadtverkehr neurotischer Großstadtbewohner. Nach diesem Film sieht man die Welt nicht nur gelassener, sondern ist verliebt in die Vielfalt und Schönheit, die ..Ticks.. mit sich bringen und möchte dem nächsten freundlich Entrückten schnellstmöglich über den Weg laufen.

  2. Stefanidad

    ich bin björn borg und das ist nicht okay.

  3. Stefanidad

    ich bin björk und hiess früher borg. das wäre okay.