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31. Mai 2011 13:24:54

… selbstreferenziell: Berlin ist, wenn die Berliner Morgenpost eine Kampagne macht

morgenpostkampagne

Es ist unter Gestaltern und Werbern weit verbreitet, zu behaupten, man hätte eine Idee vor einem anderen, meist größeren Player gehabt, und der andere hätte die Idee bei einem geklaut. Es ist dies eine in der Regel schwer erträgliche From des Selbstmitleids, des Haderns mit den eigenen Möglichkeiten des Publizierens und dazu fast immer auch unbelegbar in der Behauptung.

Nun möchte ich in dieses jammernde Horn blasen und zeigen, dass dieses Blog namens „Berlin ist …“ für zwei Werbe- bzw. Marketingkonzepte in dieser Stadt inspirierend zu sein scheint.

Zunächst muss ich darauf hinweisen, dass natürlich die Namensgebung für das Blog von der ultimativ spießigen und unfassbar erfolgreichen Liebe-ist-Comic-Reihe inspiriert ist, die schon seit den 70er in der Bild-Zeitung und in vielen anderen Publikationen erscheint. Damit sollte von Anfang an die naive Herangehensweise an diese Stadt angedeutet werden, mit der ich und andere auf diesem Blog unsere Stadtsicht in Textbeträge umformulieren. Zweifelsfrei ging es im November 2006 los mit Berlin-ist.de (Link zum ersten Artikel „Braucht die Welt noch einen Blog?).

Nach einigen Jahren hat einer von der Online-Redaktion der Berliner Morgenpost mal bei mir angerufen und gefragt, ob sie meinen Blog auf ihrem Blogverzeichnis der besten Berlin-Blogs aufnehmen dürfte? „Klar warum nicht“ war meine Antwort und das Link war dort jahrelang verzeichnet. (Habe diese Seite jetzt leider nicht mehr im Web gefunden). Nun wirbt eben diese Zeitung seit längerem mit dem Slogan „Berlin ist, wenn …“ und bindet mit Claim „Das ist Berlin“ ab (Link zu den Kampagnenmotiven und Imagefilm der Morgenpost) und sie haben damit – sieh an – einen ADC-Award gewonnen. Die Kampagne ist nicht auffällig schlecht gemacht, wenn auch für das Produkt selbst recht unglaubwürdig, da die Leserschaft der Morgenpost (in Berlin eher „Mottenpost“ genannt) kaum so cool und frisch ist, wie die abgebildeten Motive es vermuten lassen sollen. Aber es soll ja verjüngend wirken – tut es vielleicht ja sogar.

Ein anderes Printprodukt, das sich frech an der Grundidee dieses Blogs bedient, ist das Shopping-Heftchen „Berlin ist …“, das seit etwa einem Jahr bei den teilnehmenden Geschäften ausliegt. Ein langweiliges kleinformatiges Heftchen mit bezahlten Einkauftipps aus den Kiezen. Lahmes Konzept, lahmes Design.

„Ja verdammt nochmal: Könnt ihr euch denn nicht’s eigenes ausdenken?!“ sollte ich schreien, aber irgendwie fühle ich mich auch geehrt, andere Menschen mit der Idee dieses Blogs zu beflügeln. Ihr müsst halt damit rechnen, irgendwann auch hier verarbeitet zu werden.

 

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