Lesezeichen setzen: RSS Feed abonnieren  Zu del.icio.us hinzufügen Zu Technorati Favoriten hinzufügen Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
Seite 1 von 212»

Monatsarchiv für Mai 2011

31. Mai 2011 13:24:54

… selbstreferenziell: Berlin ist, wenn die Berliner Morgenpost eine Kampagne macht

morgenpostkampagne

Es ist unter Gestaltern und Werbern weit verbreitet, zu behaupten, man hätte eine Idee vor einem anderen, meist größeren Player gehabt, und der andere hätte die Idee bei einem geklaut. Es ist dies eine in der Regel schwer erträgliche From des Selbstmitleids, des Haderns mit den eigenen Möglichkeiten des Publizierens und dazu fast immer auch unbelegbar in der Behauptung.

Nun möchte ich in dieses jammernde Horn blasen und zeigen, dass dieses Blog namens „Berlin ist …“ für zwei Werbe- bzw. Marketingkonzepte in dieser Stadt inspirierend zu sein scheint.

Zunächst muss ich darauf hinweisen, dass natürlich die Namensgebung für das Blog von der ultimativ spießigen und unfassbar erfolgreichen Liebe-ist-Comic-Reihe inspiriert ist, die schon seit den 70er in der Bild-Zeitung und in vielen anderen Publikationen erscheint. Damit sollte von Anfang an die naive Herangehensweise an diese Stadt angedeutet werden, mit der ich und andere auf diesem Blog unsere Stadtsicht in Textbeträge umformulieren. Zweifelsfrei ging es im November 2006 los mit Berlin-ist.de (Link zum ersten Artikel „Braucht die Welt noch einen Blog?).

Nach einigen Jahren hat einer von der Online-Redaktion der Berliner Morgenpost mal bei mir angerufen und gefragt, ob sie meinen Blog auf ihrem Blogverzeichnis der besten Berlin-Blogs aufnehmen dürfte? „Klar warum nicht“ war meine Antwort und das Link war dort jahrelang verzeichnet. (Habe diese Seite jetzt leider nicht mehr im Web gefunden). Nun wirbt eben diese Zeitung seit längerem mit dem Slogan „Berlin ist, wenn …“ und bindet mit Claim „Das ist Berlin“ ab (Link zu den Kampagnenmotiven und Imagefilm der Morgenpost) und sie haben damit – sieh an – einen ADC-Award gewonnen. Die Kampagne ist nicht auffällig schlecht gemacht, wenn auch für das Produkt selbst recht unglaubwürdig, da die Leserschaft der Morgenpost (in Berlin eher „Mottenpost“ genannt) kaum so cool und frisch ist, wie die abgebildeten Motive es vermuten lassen sollen. Aber es soll ja verjüngend wirken – tut es vielleicht ja sogar.

Ein anderes Printprodukt, das sich frech an der Grundidee dieses Blogs bedient, ist das Shopping-Heftchen „Berlin ist …“, das seit etwa einem Jahr bei den teilnehmenden Geschäften ausliegt. Ein langweiliges kleinformatiges Heftchen mit bezahlten Einkauftipps aus den Kiezen. Lahmes Konzept, lahmes Design.

„Ja verdammt nochmal: Könnt ihr euch denn nicht’s eigenes ausdenken?!“ sollte ich schreien, aber irgendwie fühle ich mich auch geehrt, andere Menschen mit der Idee dieses Blogs zu beflügeln. Ihr müsst halt damit rechnen, irgendwann auch hier verarbeitet zu werden.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

26. Mai 2011 14:20:40

… klein und fein: Mini-Mahler 04 im Kammermusiksaal der Philharmonie

Vor etwa 7 Monaten war ich schon mal bei Mini-Mahler, damals bei Release#01, und ich war hinterher vollkommen geflasht. Das kleine Kammermusik-Ensemble überzeugt in Klang und Perfektion wie selten ein Orchester. Gestern war nun Release#04 mit einem Programm, aus Debussys berühmtem Stück „Prélude à l’après-midi d’un faune“ und einem sehr persönlichen Stück von Mahler „Das Lied von der Erde“. Und es war wieder großartig! Ich kann die nächsten Auftritte in dieser Reihe wirklich wärmstens empfehlen. Ich glaube kaum, dass man diese Musik all zu oft auf diesem Neveau hören kann.

Mini-Mahler auf Facebook

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

25. Mai 2011 11:42:13

… Wissenschaftspop: Sience Slam Berlin im Lido

sience slam berlin im Lido

Das Lido voll mit Akademikern, mehrheitlich im studentischen Alter, aber auch einige erfahrenere Interessierte, die sich neugierig anschauen, wie sechs ihrer wissenschaftlichen Kollegen versuchen, Einblicke in ihre Tätigkeiten zu vermitteln. On Stage: Biologen, Mediziner und Physiker, 2 Frauen, 4 Männer. Die performative Spannbreite reicht von live bespielten Kartonmodellen eines Zytometers bis zu smooth zoomenden Flashanimationen, von schräg kreischenden Stimmen, bis zu sonorem Berlinern.

Und am Schluss das beste: Boris, ein Teilchenphysiker, der das Haus rockt. Erstmals in der Geschichte des Sience Slam Berlin gibt es von den 10 im Publikum verteilten Jurygruppen unglaubliche 100 Punkte. D.h. Höchstwertung – mehr geht nicht. Und er hat es verdient! Boris erklärt, wie sich das verhält mit den Kräften und Massen in Protonen, wo die 3 Bestandteile weniger wiegen als das Ganze, und warum das bedeutet, dass man aus Energie Masse erschaffen kann, wenn man für ein paar Milliarden Euro in den genfer Alpen einen Kreistunnel baut, darin einen Teilchenbeschleuniger einsetzt und dann nur ganz bestimmten kleinen Phänomenen zuschaut, die passieren, wenn zwei Protonen kollidieren.

Wenn der Mann mal keine Lust mehr zum Forschen hat, kann (bzw. sollte) er mühelos Ranga Yogeshwar ablösen.

> Sience Slam auf Facebook

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

24. Mai 2011 18:24:26

… Augenblicke: Marathongeschichten

Der 26. September 2010 war ein kühler und regnerischer Tag. Von der Abgabe der Laufbeutel bis zum Starterfeld des 37. Berlin-Marathon brauchte man ca. 25 Minuten Wegezeit, was ich für zu lang halte (ähnlich wie die Wartezeit im „Zieltrichter“, bis einem die Medaille umgehängt wurde). Das Starterfeld der ca. 40000 war in sechs große Blocks eingeteilt, die sich auf der Straße des 17. Juni, mit Gittern zum Tiergarten hin abgegrenzt, aufgebaut hatten. Die Läufer standen sehr beengt und nach Abgabe des Startschusses vergingen, wie bei allen Großläufen, einige Minuten, ehe alle Teilnehmer mit ihrem Chip die Startlinie und somit den Beginn der elektronischen Zeitmessung, erreicht hatten. Für mich war 2010, trotz vieler Vorsätze, der erste „heimische“ Marathon. Meine bisherige Abneigung resultierte vor allem aus der Tatsache, dass die Strecke vollständig auf Asphaltbelag zu absolvieren ist. Trotz einer für mich akzeptablen Zeit von 4:06:03 war ich mit dem Verlauf nicht zufrieden, da meine Beinmuskeln bereits ab km 27 „fest“ waren. Da konnte mich auch die begeisterte Anteilnahme der Berliner, wie der Touristen und die dichte Atmosphäre eines Stadt-Marathons nur noch teilweise aufmuntern.

In einem weniger großvolumigen Rahmen startete am 21. Mai 2011 der 39. GutsMuths-Rennsteiglauf in Thüringen – insgesamt waren 14220 Teilnehmer dabei, darunter 2011 auf der Super-Marathon-Strecke (72,7 km), 2812 Läufer beim Marathon (43,5 km) und 5881 auf der Halbmarathon-Distanz. Der Rennsteiglauf – auch größter Cross-Marathon Europas genannt – war bereits vor 30 Jahren ein Kultlauf und er ist es noch heute. Wer ihn einmal mitgelaufen ist - auch viele Berliner sind jedes Jahr mit Begeisterung dabei – wird immer wieder kommen und sich neben der sportlichen Herausforderung, der perfekten Organisation, der stets guten Stimmung auch am Maiengrün des Thüringer Waldes erfreuen. Der diesjährige Marathon, traditionsgemäß mit dem Schunkeln des „Schneewalzers“ zehn Minuten vor dem Start in Neuhaus am Rennweg eingeleitet (und am Abend nach dem Lauf immer mit einer gewaltigen Sause im Zielort Schmiedefeld beendet) war wettermäßig ebenfalls nicht einfach, da es auf den ersten Kilometern sehr schwül war und auf dem letzten Abschnitt wolkenbruchartige Niederschläge auf das Läuferfeld niedergingen. Für mich war es der 23. Marathon auf dem Rennsteig, den ich diesmal auf dem 1350. Platz beenden konnte. Übrigens: Die schnellsten Berliner bei diesem Lauf - Katrin Schütze mit 4:10:30 bei den Frauen und Stephan Splanemann mit 03:28:24 bei den Männern.

Den beeindruckendsten Moment erlebte ich - schon als Zuschauer - im Stadion von Schmiedefeld, als auf der 73 km-Strecke nach 11 Stunden nochwas zwei Läufer aus dem Gehörlosenlaufverein Essen auf die Zielgerade einbogen. Während der eine mit seinen Kräften am Ende war und nur noch mit Mühe seine Beine voreinander setzen konnte, lief sein Sportsfreund ein paar Schritte vorneweg und versuchte ihn mit lebhafter Mimik und Gestik zu animieren, auch die letzten Meter noch zu schaffen, was auch gelang. Im Ziel angekommen konnten sich beide vor Freude kaum lassen und umarmten einander minutenlang.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

17. Mai 2011 21:02:39

… lautstark: Blau Weiss Berolina und andere Verdächtige

Kürzlich las ich an einer Haustür am Koppenplatz: „Sehr geehrte Anwohner, am Sonntag, den 15.05.2011 spielen wir in der Zeit von 14.00-16.00 gegen den FC Nordost. Es ist ein Spitzenspiel und dieses Spiel entscheidet final über den Aufstieg in die Landesliga. Die Mannschaft ihre(s) Kiezes ist Tabellenführer und würde mit einem Sieg in die Landesliga aufsteigen. Das wäre der größte Erfolg in der 62-jährigen Vereinsgeschichte! Wir rechnen mit 400-500 Zuschauern und es kann folglich etwas lauter, als bisher gewohnt, werden. Wir bitten schon heute um Verständnis …“

Sehr rücksichtsvoll, Blau Weiss. Aber Sapperlot und Donnerlittchen, wo leben wir denn?! Wo, wenn nicht bei einem Fußballspiel, kann auch mal gebrüllt und voller Leidenschaft auf die Pauke gehauen werden. Berlin ist eine Großstadt und wer hier die sonntagnachmittägliche Friedhofsruhe eines Dorfes oder einer Kleinstadt sucht, muss sich in der Adresse geirrt haben. Außerdem ist Mitte eben nicht Marienfelde oder eine Villenkolonie am Wannsee. Für Immobilienscouts und andere Ermittler hier eine kleine Liste der üblichen, bekannten Geräuschverdächtigen, die ggfs. zu verhaften oder wenigstens zu verklagen sind: Durch Kurven quietschende Straßenbahnen. Von Ampel zu Ampel jagende, wolfsrudelähnliche Autopulks. Große und kleine Touristengruppen - mit oder ohne Alkoholspiegel – per pedes oder Rad. Eingezäunte Baustellen, die dennoch öffentliche Konzerte im Rammen, Kranen, Baggern oder Gerüstbauen veranstalten. Orangefarbene Müllkutscher, die durch Hauseinfahrten poltern. Dröhnendes oder (je nach Entfernung) schnurrendes S-Bahn-Klackern. Flugzeugbrummen, welches vom Himmel über Tegel nach Mitte tönt. Aufheulende Krankentransporte – auf dem Weg zur Charite - die Häuserschluchten für die Schallverstärkung nutzend. Lautsprecherbewehrte Demonstranten, die vor der FDP oder dem Weltuntergang warnen. Ein Led Zeppelin-Fan, der seine Nebenstraße selbstlos am „Immigrant Song“ teilhaben lässt. Liebende oder streitende Geschlechter. All das ergibt eine veritable Geräuschkulisse, die erst am Sonnabend morgen erlischt. Aber dann beginnt das Wochenende und da ist schließlich Fußball!

Übrigens: SV Blau Weiss Berolina Mitte 49 e.V. gegen FC Nordost – 1:0. Gratulation zum Aufstieg!

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

16. Mai 2011 11:59:03

… gemischtsprachig: Schlecker mit dem neuen Claim an vorderster front der Kulturvernichtung.

schlecker

Natürlich ist die Erfindung eines Claims immer ein Spiel mit extremen Verkürzungen, assozierten Aufladungen und sprachlichen Doppeldeutigkeiten, das manchmal lustige Ergebnisse erzeugt. Nun haben sich die Schlecker-Drogeriemärkte an einem neuen Logo samt neuem Werbespruch versucht und herausgekommen ist: „For you. Vor Ort.“ Was soll man dazu sagen?

Es sind jedenfalls die zwei schlimmsten Textermoden der letzten Jahre vereint:
1) english if you can.
2) So viele Satzzeichen wie möglich.

Die HORIZONT hat den Marketingchef Volker Schurr gefragt was das soll:

Schlecker führt mit „For You. Vor Ort“ erstmals einen Claim ein. Fürchten Sie nicht, dass dieser Mix aus Deutsche und Englisch die Leute verwirrt? Der Claim soll mit einem Augenzwinkern vermitteln, was Schlecker ist: Der sympathische Nahversorger. Nein, mit Verwirrung rechnen wir nicht. Der Claim polarisiert, keine Frage. Das soll er aber ganz bewusst. Wir wollten keinen glattgelutschten, „geföhnten“ Claim. Wir haben verschiedene Claims getestet und dieser hat mit Abstand am besten abgeschnitten.

Dagegen hat die selbe HORIZONT ihre Online-Leser befragt und dabei kam heraus, dass 77 % den Claim „furchtbar“ finden.

Ich gehöre in diesem Fall zur Mehrheit.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

16. Mai 2011 11:20:15

… wo der Müll singt: Das Park Sound Project soll unsere Parks schöner machen

<br />

Sie stehen einfach so am Wegesrand, wie kleine orangene Männchen mit breiten Mäulern, die zeitlebens beharrlich versuchen, den ihnen anvertrauten Müll aufzunehmen, auch wenn ihr Fassungsvermögen fast jedes Wochenende über die Maßen belastet wird. Über Nacht aber bekamen ein paar von ihnen im Schnelledurchlauf neue Kleider und eine Gesangsausbildung, wodurch sich ihr Arbeitsalltag ab heute nun deutlich verändert. Den Einwurf von jeglichen Materials müssen die nun grün gewordenen Männchen mit dem Trällern einer fröhlichen Melodie quittieren. Aus den Müllschluckern wurden Sängerknaben. Das ist das Park Sound Project.

Technisch gesprochen hört sich das so an: Es funktioniert mit Solarstrom. Ähnlich wie bei einem Parkscheinautomaten ist oben auf dem Mülleimer ein Solar-Panel. Die Abspielautomatik wird durch einen Wärmesensor ausgelöst, welcher leichte Veränderung der Temperatur wahrnimmt. Bei den Mülleimern ist das die Hand des Einwerfenden. Im Grunde genommen das gleiche Prinzip wie der Sensor einer Haustürbeleuchtung. Wenn Die Mülleimer voll sind, verändert sich die Temperatur nicht mehr, also erklingt keine Musik bis der Eimer wieder geleert wurde.

Bei meinem morgendlichen Hundespaziergang durch den Görli sah ich zwei grüne und 15 orangene Mülleimer. Die Musiker unter den Abfallbehältnissen stehen in der Nähe der Eingänge, so dass möglichst viele Menschen an ihnen passieren. D.h. die Aktion dürfte tatsächlich vielen Menschen auffallen, doch sind die Eingänge nun gerade die Orte, an denen die wenigsten Menschen etwas wegzuschmeißen haben. Erfahrungsgemäß quellen die Mülleinmer im Inneren des Parks nach den Wochenenden über und versinken in einem stinkenden Berg von Grillabfall, der ab Montag von den Krähen langsam abgetragen wird, bis dann irgendwann die Müllabfuhr kommt, um die Reste einzusammeln.

Das Park Sound Project möchte die Botschaft geben: „Lasst uns abfallfreie Flächen hinterlassen, denn auch morgen sitzt, singt oder spielt hier niemand gern im Müll.“Diese Botschaft ist sicher unterstützenswert, doch habe ich das Gefühl, dass es die Abfallsituation im Görli und im Mauerpark noch viel mehr entlasten würde, wenn man mehr und vor allem andere Abfallcontainer aufstellen würde. Wer die Mengen schon mal gesehen hat, die nach einem heftigem Grill-Wochenende im Park liegen, weiß, dass da nicht nur mehr kleine Eimer her müssen, sondern dass ganz andere Müllkonzepte erdacht werden müssen. Ich glaube mit zusätzlichen größeren Containern (getrennt nach Müllsorten, und einem extra Container für die oft noch heiße Kohle, um die regelmäßigen Müllbrände zu vermeiden) wäre dem Park mehr geholfen. Was nach einer Win-Win-Situation aussieht (für Parkbetreiber und Musiker), ist vielleicht doch leider eine letzlich wirkungslose Imagekampagne, wenn nicht gar eine akustische Lärmbelästigung.

Nachtrag (am 31.5.2011):

muellschutz
Leider glaube ich nicht an einen all zu großen Einfluss, des hier Niedergeschriebenen auf die Welt außerhalb des Blogs, doch oh Wunder, wenige Tage nach dem Post erschien im Park eine neuartige Form von Müllbehältnis. Oben mit Krähenschutzklappe, ansonsten ganz aus verzinktem Gitter. Das entspricht fast genau meiner Empfehlung! Diese Form von Müllbehältnis sollte flächendeckend und in verschiedenen Farben zum Sortieren des Mülls (vorallem in Asche und Restmüll) aufgestellt werden. Weiter so!

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

12. Mai 2011 13:56:33

… anti: Touristen und Kreuzberg

Berlin does not love you

Mit dem Einspieler „Wir müssen draußen bleiben“ wurde in den ARD-Tagesthemen mit leicht ironischem Unterton berichtet, wie wenig begeistert alt eingesessene Kreuzberger, die ja ihrerseits auch alles nur Wahlberliner sind, auf Touristen aus aller Herren Länder reagieren. „Berlin does not love you“ schallt es von kreisrunden Aufklebern, die in übler Absicht arglosen Touristen auflauern, um ihnen hinterrtücks mit ausgrenzender Ablehnung entgegenzuschlagen, so im Beitrag zu hören.

Tatsächlich gibt es eine nicht ganz unbegründete ablehnende Unterströmung, gegen die absolute Tourismusvermarktung der Berliner Kieze, wobei deutlich zu sagen ist, dass sich diese Haltung eher gegen die hiesigen Profiteure, als gegen die Touristen selbst richtet. Denn es ist nicht zu leugnen, dass sich einzelne Stadträume wie z.B. der Wrangelkiez in wenigen Jahren extrem verändert haben, natürlich nicht nur zu deren Ungunsten, wobei aber der unangenehme Nebeneffekt auftritt, dass die Mieten in den Kiezen extrem rasch ansteigen. So entsteht ein Verdrängungsprozess, der das typische Kiezleben, das ja gerade für Touristen so attraktiv sein soll, in wenigen Jahren zum absterben bringt, und gegen Billig-Restaurants global-einheitlicher Ausprägung ersetzt.

Und an dieser Stelle beginnt dann doch die Touristen-Schelte, denn es ist festzustellen, dass vielen Besuchern der lokale Bezug der touristischen Attraktionen vollkommen egal ist. Viele wollen einfach nur Spaß haben, andere Touristen treffen, sich die Birne zusaufen, Burger fressen und dabei schlechte Musik hören – „international style“ zu lokalen Tiefstpreisen. Es scheint das ausgemachte Ziel dieser jungen internationalen Fun Communiy zu sein, die Berliner Innenstadt flächendeckend mit Scherben zu überziehen (scheiß auf die lokale Sitte der Pfandflasche), nachts laut und grundlos herumzugröhlen (Kreuzberger haben für ihre öffentlichen Äußerungen hingegen meist ernste Anliegen), alles abzufotografieren (wo wir doch extra unsere Häuder bei Google-Maps haben verpixeln lassen) und in die Grünflächen zu kotzen (Berliner betreten erfahrungsgemäß die innenstädtischen Grünflächen ohnehin nur widerwillig, von daher ist dieses Detail noch am wenigsten störend).

Also: Was wir wollen sind Flugpreise, die die echten Kosten dieser Technologie widerspiegeln und damit so teuer werden, das nur noch berechtigte Anliegen einen internationalen Flug rechtfertigen, so dass dann die Touristen zu uns kommen, die wir Kreuzberger sehr gerne bei uns empfangen, bewirten und mit denen wir gerne feiern.

scherben

Dazu die kleine Presseschau:
TagesspiegelSpiegelFocus

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

12. Mai 2011 12:50:35

… sizilianisch: Etta Scollo im Tipi und auf neuer CD

(Entweder JavaScript ist nicht aktiviert, oder Sie benutzen eine alte Version von Adobe Flash Player. Installieren Sie bitte den aktuellsten Flash Player. )

Es ist ein bisschen wie auf der Piazza in Sciacca oder Siracusa nach Einbruch der blauen Dunkelheit: Eine kleine Insulanerin mit rauher Stimme singt, röhrt und schreit ihre Gefühle in die Nacht, während sich die Sterne zur Illustration in immer neuen Bildern formieren. Es geht natürlich um Liebe, Liebe, die meistens ziemlich kompliziert, aber immer hoch emotional ist. Etta Scollo tourt mit ihrer neuen CD „cuore senza“ im Gepäck (Erscheinen Ende Mai) durch Deutschland und entführt die Zuhörer nach Arcadien, in ein Land der alten Poeme, die sie neu vertont hat. Mal klingt sie nach weiblichem Tom Waits, mal knistert ein bisschen kitschig der Schmelz in ihrer Stimme, mal hört man die rockige Gianna Nanini – absolut italienisch eben. Und wem das alles nicht genug ist – vaffanculo!

Gesehen im Tipi

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

11. Mai 2011 20:01:11

… Vater mit Sohn: Don Burghart

(Entweder JavaScript ist nicht aktiviert, oder Sie benutzen eine alte Version von Adobe Flash Player. Installieren Sie bitte den aktuellsten Flash Player. )

Junger Mann (Karl) liebt junge Frau (Elisabeth) und so schön auch umgekehrt. Aber es ist Karls Vater (Philipp), seinen Sohn verachtend und ihm nichts zutrauend, der sich Elisabeth zur Ehefrau nimmt. Diese erwartet alsbald ein Kind – nicht von Philipp, der keine Chancen bei der jungen Frau hat und sich deshalb eine Geliebte zuführen lässt. Die wiederum hat – richtig – ein Auge auf den schmucken Karl geworfen, der aber nur seiner Elisabeth gehört. Der junge Mann, mutig, entwicklungsfähig, freiheitsliebend und politisch netzwerkend, wie auch sein Freund (Posa), sehnen sich aber auch nach mehr Gerechtigkeit und einem besseren Land. Das bleibt dem mächtigen Vater, der seine Schnüffler überall hat, nicht lange verborgen. Als Philipp dann noch erfährt bzw. ahnt, dass er nicht der Vater von Elisabeths Kind sein kann, schlägt der Despot zu. Karl entgeht der Verhaftung und sofortigen Erschießung nur, weil sich Freund Posa für ihn opfert. Philipp schwankt noch, wie er mit Karl verfahren soll, wird aber dann durch seinen Charakter und Kräfte, die noch mächtiger erscheinen als er, zum Mörder seines Sohnes.

James Ellroy? Henning Mankell? Jussi Adler-Olsen?

Nein, der Autor heißt Friedrich Schiller – hier und heute mit „Don Carlos“ (nicht Don Karlos) seit vielen Monaten im Spielplan des Staatsschauspiels Dresden vertreten. Das Lob über diese gelungene und moderne Aufführung, die ich mir im September 2010 dort ansah, reichte durch den deutschen Blätterwald. Ich erwähne deshalb nur, was mir besonders gefiel: König Philipp von Spanien – gespielt von Burghart Klaußner! Er zeigt das Machtgebaren, Misstrauen, die Angst und Zerrissenheit eines (in diesem Fall emporgehobenen) Menschen auf großartige Weise. Die Inszenierung wurde – wie erfreulich – zum Berliner Theatertreffen 2011 eingeladen und ist am 12. und 13. Mai im Haus der Berliner Festspiele zu sehen.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 
Seite 1 von 212»

Letzte Beiträge

 

Themen

 

Berliner Bezirke

 

Beitragsarchiv

Suche

 

Text ohne Takt
von Joachim A. Buroh

6. Januar 2014

… Tagesform

<br />

 
 

23. November 2013

… am Zug

U1 – U4

 
 

21. November 2013

… in Topform

<br />

 
 
 
Berliner Ratschlag für Demokratie