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Archiv der Kategorie ‘Steglitz-Zehlendorf‘

30. Dezember 2014 22:43:17

… West:Berlin. Eine Insel auf der Suche nach Festland

<p>Bierlokal in der Lehrter Straße, Moabit</p>

Eine Insel. So kam sie einem vor. Mauerstadt. Frontstadt. Stadt der Bewegungen, Stadt in Bewegung. “Keine Atempause, Geschichte wird gemacht” sangen die Fehlfarben in den frühen 1980er Jahren. Da hatte West-Berlin schon einige Jahre Geschichte hinter sich. Und dieser widmet das Stadtmuseum aktuell im Ephraim-Palais eine bunte, informative Ausstellung, die trotz zahlreicher Exponate – vom Amphibienfahrzeug bis zur Bahlsen-Keksschachtel – nur kleine Schlaglichter auf 40 Jahre Leben der knapp 2 Millionen Menschen am Ostrand des geteilten Deutschland werfen kann. Das Konzept der von Thomas Beutelschmidt und Julia M. Novak kuratierten Schau ist sympathisch: „Es gibt keine festgelegte Reihenfolge“, lautet die Einweisung am Eingang. „Sie können die Ausstellung von oben nach unten oder von unten nach oben besichtigen.“
Wir beginnen oben, im 3. OG, wo die Nachkriegsjahre mit Ruinen und Wiederaufbau sich mit Bildern von Blockade und Luftbrücke mischen, und wandern bis ins Erdgeschoss, wo aus privaten Fotografien von Berliner_innen eine eigene kleine Diashow den Parcours durch die Geschichte beendet.
Erinnert wird an Unternehmen, die in der 1961 bis 1989 eingemauerten Stadt blieben oder von den Subventionen der Berlinförderung angelockt in die Stadt kamen: Schering, IBM, AEG, Brinkmann … Modestadt war West-Berlin, Film- und Festivalstadt seit der ersten Berlinale, Ort architektonischer Ikonen: Nationalgalerie, Philharmonie, Hansaviertel … Sie war Metropole des Fortschritts, in der die Straßenbahn visionären und glücklicherweise nie ganz realisierten Autobahnplanungen weichen musste. Die Idee, den Kreuzberger Oranienplatz in ein Autobahnkreuz zu verwandeln, verschwand ebenso in den Schubladen, wie die ehrgeizigen Sanierungspläne geldgieriger und nicht selten korrupter Baulöwen. Nicht zuletzt dank des massiven Widerstands der wachsenden Jugend- und Bürgerinitiativen. Die Abschottung half der Alternativbewegung, eigene Biotope zu entwickeln: Auf TUNIX folgte TUWAT, die taz, die erfolgreichen Instandbesetzungen und die legendären 1. Mai-Demos. Gleichzeitig lebte im Vakuum des Kalten Krieges West-Berlins aber auch der Schwarze und Rote Filz der Regierenden. Die „Stadt am Tropf“ sorgte für erfolgreiche Reisemodelle. Wer die Transitstrecke mit den behäbigen und zeitraubenden Kontrollen in Dreilinden, Drewitz, Helmstedt usw. meiden wollte, flog mit BEA, PanAM oder Air France über den realsozialistischen Gürtel – erst die „Zone“, dann die DDR – hinweg. Busreisen waren populär, wie heute wieder.
Das Meer – die Ostsee – war nah und doch so fern, aber eigentlich genügte man sich hier selbst.
All das und mehr lässt West:Berlin in Bild, Ton und Dokumentation wieder lebendig werden. Es ist vergnüglich, zu erinnern, wie es einst hier war. Für diejenigen, die – weil zu jung oder zu weit weg – jene Jahre nicht selbst erlebt haben. Und für nostalgische West-Berliner_innen sowieso. West:Berlin. Eine Insel auf der Suche nach Festland. Noch bis zum 28. Juni 2015 im Ephraim-Palais am Nikolaiviertel. Eintritt: € 7,00.

 
 

 

27. September 2010 15:43:52

… voller Tasten: Piano City lädt zu Pianisten nach Hause

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Die Idee ist einfach und genial: Fast jeder Pianist hat zuhause einen Flügel oder mindestens ein Klavier stehen und es wäre doch super, wenn überall dort in den Wohnzimmern kleine Hauskonzerte stattfänden, mit Programmen, die die Pianisten am liebsten spielen. Gedacht getan – Piano City ins Leben gerufen. Inzwischen ist die Bewerbungsfrist abgelaufen (>Übersicht aller Bewerbungsvideos) und das Programm mit über 70 Hauskonzerten ist online. Am Samstag, 23. und Sonntag, 24. Oktober ist es soweit, aber Achtung: Man muss vorher die Tickets über die Website kaufen.

Es gibt Selbstkomponiertes, Klassik, Jazz und alles andere. Mir scheint darunter sind einige Perlen, aber sicher auch ein paar Spinner – also sehr interessant!

Übrigens: Mein Bruder Roman Hengge ist auch dabei.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

5. April 2008 16:04:52

… zeitweise: Olav Christopher Jenssen im Haus am Waldsee

Olaf Christopher Jenssen im Haus am Waldsee

Olav Christopher Jenssen gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Norwegens, weswegen er auch offiziell von der norwegischen Botschaft gelabelt wird. Er lebt schon ungefähr 20 Jahre in Berlin und hatte trotzdem noch nie in dieser Stadt eine große Einzelausstellung. Genau das ist die Lücke, in der die Leiterin und Kuratorin des Hauses, Frau Dr. Blomberg, das Haus am Waldsee im Berliner Kunst- und Museums-Business positionieren möchte. Ihr gelingt das Kunststück wichtige Kunstschaffende auszustellen, die in Berlin selten gezeigt wurden und deren Werk oder Leben trotzdem einen klaren Bezug zur Stadt bieten. Zusätzlich neigt sie überhaupt nicht dazu, diese Künstler (sofern es noch lebende sind) künstlich zu hypen – was sehr sympathisch ist – und trotzdem werden zu den Ausstellungen immer beträchtliche Mittel und Sponsoren akquiriert, die das Ganze überhaupt ermöglichen.

Olav Christopher Jenssen ist so einer, der sich nicht gut hypen lässt. Dazu ist sein Werk zu spröde, vielgestaltig und unklar. Es gibt vielleicht ein paar wenige formale Konstanten, die sich über die verschiedenen Disziplinen (Malerei, Zeichnung, Plastik, Skulptur) erkennen lassen (z.B. von oben herabhängende hängende bzw. schwebende Formen, gleichartige Formatreihen und die ganz allgemeine Abstraktion der Motive) aber im Prinzip … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

13. Januar 2008 19:54:51

… bunt: Norbert Biskys Farben am See sehen

Grunewaldsee

Grunewaldsee?

Nach einem Spaziergang durch die als Unesco Weltkulturerbe eingestufte „Parklandschaft Neuer Garten“ am Heiligen See in Potsdam, leuchtete der Jungfernsee in der Nähe der Glienicker Brücke in unglaublichen Farben. Mit diesem Lichteindruck ging ich dann schon bei Dunkelheit am heutigen letzten Tag in die Norbert Bisky Ausstellung „Ich war’s nicht“ im Haus am Waldsee und fühlte mich kontinuierlich von Blau, Orange, Gelb und Rosa getragen.

bisky_drahtzieher_72dpi.jpg

Drahtzieher, 2007, Öl auf Leinwand, 280×400cm
Courtesy GALERIE CRONE, Berlin; Leo Koenig Inc., New York,© VG-Bild Kunst Bonn 2007
Foto: Bernd Borchardt

Besonders aufschlussreich ist der Audio-Video-Guide, der im Wesentlichen aus einem langen Gespräch zwischen der Kuratorin Dr. Katja Blomberg und Norbert Bisky besteht. Er spricht darin, teils in der gehängten Ausstellung, teils im Atelier, vorallem über seine formalen Interessen, … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

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