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Archiv der Kategorie ‘Tempelhof-Schöneberg‘

9. November 2013 12:00:34

… Albert Camus 100

Albert Camus wäre vorgestern 100 geworden, hätte seinem Wagen am 4. Januar 1960 nicht ein absurd plazierter Baum im Wege gestanden, der ihn urplötzlich mit „der einzigen unausweichlichen Fatalität des Lebens“, dem Tod konfrontierte. Sein Appell, uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorzustellen, verhallt im Zeitalter allumfassenden Hedonismus und flächendeckender Ironie eher ungehört.

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Camus’ Philosophie des Absurden war ein loderndes Leuchtfeuer in der gottlosen Steppe zwischen Auschwitz und Hiroshima. Als er starb, war sie bereits Auslaufmodell. Seine Romane hingegen sind kanonisiert.
Permanente Revolte? Keine Zeit, muss einkaufen. Obwohl gerade dieser Aspekt seines Denkens angesichts der Einlullstrategien des zeitgenössischen Konsumismus und einer ganz anders gearteten drohenden Zerstörung der Welt aktueller denn je ist.

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Und die Götter wohnen auch nicht mehr da, wo sie mal waren.

 
 

 

26. August 2013 00:36:19

… leselustig: Raquel Palacio beim 13. internationalen literaturfestival berlin

Der zehnjährige August „Auggie“ Pullman ist ein smarter Junge, mutig, humorvoll, umgänglich. Eigentlich gäbe es keinen Grund dafür, dass er nur schwer Freunde findet oder dafür, dass er überhaupt erst mit zehn eingeschult wird. Und doch unterrichtete seine Mutter Isabel ihn zuhause so lange es irgend ging. Denn August ist mit einem genetischen Defekt geboren, und hat, trotz mittlerweile 27 Operationen, ein Gesicht, das so hässlich ist, dass andere Kinder vor ihm Angst haben oder ihn schlicht verspotten. So wundern sich weder seine Eltern, noch seine große Schwester Olivia („Via“) oder Mr. Tushman, der Schulleiter, dass er nur zögerlich einwilligt, doch letztlich zur Schule zu gehen. Und seine ersten Erfahrungen dort scheinen ihm Recht zu geben: Nur ein Mädchen, Summer, setzt sich beim Mittagsessen in der Schulkantine zu ihm, und nur Jack Will scheint sein Freund werden zu wollen. Die anderen, allen voran der arrogante Julian, meiden oder quälen ihn. In einem perversen Spiel, das sie „Pest“ nennen, bemühen sich seine Mitschüler, jede Berührung mit August zu vermeiden. Wem das nicht gelingt, muss sich schleunigst die Hände waschen. Da kann auch die zärtliche Nähe zu Daisy, der alten Hündin der Familie, kaum Trost spenden.

Behutsam, bewegend und trotz des traurigen Sujets mit Witz und pfiffiger Ironie erzählt Raquel Palacio in Wunder eine Geschichte mit einem glücklichen Ende. Dabei wechseln sich ihre Ich-Erzähler ab: August selbst erzählt, dann aber auch Via, Summer, Jack, Justin, Vias Freund, und Miranda, ihre Freundin. Und so entsteht ein perspektivenreiches Panorama, das dieses Kinder-/Jugendbuch, trotz des didaktischen Ansatzes, zu einem echten „page turner“ macht. Wunder ist die Geschichte eines Außenseiters, der mit Mut und Intelligenz seinen Platz im Leben sucht und behauptet. Gegen alle Widrigkeiten. Die Autorin, im wahren Leben Grafikerin und Leiterin der Kinderbuchabteilung bei Workman Publishing in New York (Raquel Jaramillo ist ihr richtiger Name) ist davon überzeugt, dass man viel mehr schaffen kann, als man glaubt, wenn man nicht aufgibt. Ein optimistisches Buch, das sehr viel Hoffnung macht. Und ein großer – leidenschaftlicher – Lesegenuss dazu.

Raquel Palacio liest beim 13. internationalen literaturfestival berlin. Am Montag, 26.8. um 19.30 in der Georg-Büchner-Buchhandlung am Kollwitzplatz, und am Dienstag, 27.8. um 9.30 im Haus der Berliner Festspiele.

Raquel Palacio, Wonder

 
 

 

8. Juli 2011 13:57:42

… danach: »Last Shelter of God« – Tobias Köbsch in der neuen maerzgalerie Berlin

Tal, Tobias Köbsch
Tal, Tobias Köbsch

Es sind archeologische Stücke aus der Zukunft. Wie werden die Wissenschaftler der Zukunft unsere heutige Zeit der modernen Zivilisationen in den Sedimentschichten der Äonen erkennen? Ganz klar: Am Zivilisationsmüll und an der selbstherbeigeführten Katastrophe.

Die Bilder und Plastiken von Tobias Köbsch zeigen die Welt danach – nach dem Zusammenbruch, nach dem Eintreten des Unwahrscheinlichen. Man sieht buchstäblich zerrissene Welten, mit tiefen Spalten ins Bodenlose. Zerstörte und verlassene Häuser, um die niemand mehr trauert, denn die Zeit des Menschen ist bereits vorbei. Diese Welt ist menschenleer und doch vollkommen menschlich geprägt. Die Hinterlassenschaften von ins Inhumane umgeschlagener menschlicher Gestaltungssucht (verschrottete Parkplätze, verschlammte Reihenhaussiedlungen, abgestorbener monokultureller Wald) liegen überflutet und zerrüttet vor uns. Das Merkwürdigste daran ist vielleicht, die beruhigende Ausstrahlung dieser Zeugnisse des bereits hinter uns liegenden Untergangs. Die Werke simulieren dem Betrachter, das Schlimmste überlebt zu haben, denn sonst (im Nicht-Sein) könnte er diese Welt ja nicht mehr sinnlich begreifen.

07.07. – 27.08. 2011 in der mærzgalerie Berlin

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

13. Dezember 2010 17:10:43

… zweimal Benn: einmal gut, einmal nicht

Zwei neue Bücher zu Benn, Biografisches. Man nähert sich skeptisch diesen Sachen, da alles gesagt scheint, Neues kaum zu erwarten und die Kanonisierung Benns endgültig vollzogen ist – obwohl oder gerade weil er so lange Zeit so unkanonisierbar schien. Aber seit Theweleits Kanonade mit Blumen, seit der feurigen Biographie von Fritz J. Raddatz und Helmut Lethen weiß jeder, dass die Trias der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Rilke – Brecht – Benn heißt. Wer von den Jahrgängen 1900 bis 1950 dazukommt, wird sich herausstellen, es sieht außer für Enzensberger für niemanden gut aus. Wir bitten die Anhänger Celans, Nelly Sachs’ oder Bachmanns, die Kärtchen einzureichen. (Bobrowski? Rühmkorf?)

Joachim Dyck verfolgt „Benn in Berlin“, das riecht nach veritabler Biographie, hat Gottfried Benn doch den allergrößten Teil seines Lebens (1886 bis 1956) in Berlin verbracht (1904 bis 1956, sieht man von soldatischen Pflichten in zwei Kriegen sowie von zwei Jahren Hannover ab). Dyck malt tatsächlich das übliche Bild, alles bekannt, vielleicht hat er noch winzige Details dazugetuscht, belanglos, denn das Buch hat eine ganz andere Stoßrichtung – es versucht eine Art später Entnazifierung Benns durch pures Verschweigen. Das ist peinlich weil unnötig, hat Benn doch gerade durch seine Haltung zur Kernfrage des Deutschseins im 20. Jahrhunderts –Totalitarismus / Politisierung der Künstler und Intellektuellen / Habitus des Verschweigens – den Status erreicht, den er unwideruflich hat.

Jeder weiß, dass das deutsche Debakel, die deutsche Katastrophe und das deutsche Verhängnis mitten durch den ewig müden Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten Gottfried Benn ging. Und seither weiß jeder, … Weiterlesen

 
 

 

27. September 2010 15:43:52

… voller Tasten: Piano City lädt zu Pianisten nach Hause

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Die Idee ist einfach und genial: Fast jeder Pianist hat zuhause einen Flügel oder mindestens ein Klavier stehen und es wäre doch super, wenn überall dort in den Wohnzimmern kleine Hauskonzerte stattfänden, mit Programmen, die die Pianisten am liebsten spielen. Gedacht getan – Piano City ins Leben gerufen. Inzwischen ist die Bewerbungsfrist abgelaufen (>Übersicht aller Bewerbungsvideos) und das Programm mit über 70 Hauskonzerten ist online. Am Samstag, 23. und Sonntag, 24. Oktober ist es soweit, aber Achtung: Man muss vorher die Tickets über die Website kaufen.

Es gibt Selbstkomponiertes, Klassik, Jazz und alles andere. Mir scheint darunter sind einige Perlen, aber sicher auch ein paar Spinner – also sehr interessant!

Übrigens: Mein Bruder Roman Hengge ist auch dabei.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

23. August 2010 16:33:35

… kaum besucht: Die Mariendorfer Trabrennbahn

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Die Trabrennbahn Mariendorf, der ideale Ort um mit den Eltern einen typischen Berliner Nachmittag zu verleben. Im Hintergrund läuft aus knackenden Presslautsprechern Marschmusik, man kann für kleines Geld Wetten, für noch kleineres Geld trinken (Schulti für 1.20 €), kann sich vom Begleitwagen für Umme ganz nah ans Geschehen bringen lassen, den ganzen Tag echte West-Berliner angucken, ein unfreiwilliges Tribünenmuseum bestaunen und die nikotinschwangere Abluft der Spielsüchtigen vor ihren Tabellenmonitoren inhalieren. Auch wenn nicht viel los ist rund um die Bahn und man für Pferde kein Faible hat, ist es ein sehenswertes Schauspiel.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

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