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Archiv der Kategorie ‘Alltägliches‘

28. Juni 2008 15:05:48

… Fan: Ein Land ein Wort

schlaand.jpg

Nach einem gewonnen Fußballspiel geht der mehr oder weniger Fan auf die Straße, hebt eine Fähnchen in die Höh und ruft den Namen des Gewinnerlandes, das meist seiner eigenen Nationalität entspricht. Derart in letzter Zeit wieder öfter erlebt. Jetzt, da die Deutschen mit ihrem Last-Minute-Lahm die Türken auf deren Fachgebiet geschlagen haben, wechseln viele Fans der Türken das Fähnchen, erinnern sich an ihren Doppelpass und hoffen, dass gegen die Spanier in neuen Farben gewonnen werden kann. Schon nach dem Halbfinale kam es sogar in der türkisch geprägten O-Straße zu spontanen Freudendemonstrationen für und mit vielen Deutschen zu türkischer Musik. Trauer und Freude liegen da ganz nah beisammen.

Mir fiel sowohl bei Menschen mit deutscher wie türkischer Abstammung auf, dass die Schalchtrufe der nun geeinten Deutschland-Fans mit dem zweisilbigen Wort „Deutsch-land“ oft merkwürdig intoniert werden. Man brüllt ein gepresstes, knallartiges „Deutsch“-Geräusch, gefolgt von einem langvokaligen etwas tiefer angestimmten „Land“-Klang. So etwa „Detszh‘laahhhhnt“.

Leute ich sage euch das klingt nicht gut! Mein Vorschlag daher: Ruft lieber gleich kraftvoll einsilbig, wer den Sieg erringen soll. Legt alle ethnisch unabhängige Energie in ein Wort, wie in einen strammen Fernschuss. Ballt die Fäuste, lasst alle Gesichtszüge entgleisen und ruft ein sonor aggressives: „Schlaand“!

So wird man Europameister.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

24. Juni 2008 20:56:43

… neu: Ein Spiel dauert länger als 90 Minuten

Am Wochenende gingen wir im Tiergarten spazieren. Wir legten uns auf eine der schönen Wiesen, unweit einer türkischen Familie, die gerade am Picknicken war. Vater und Sohn steckten auf der Wiese mit Stöckchen zwei Tore ab und kickten ein bisschen. Als der kleine Junge mal beim Torschuss am Vater scheiterte und folglich kein Tor für ihn fiel, rief er ganz laut mit der sicheren Überzeugung, dass er dadurch sofort zum Torerfolg kommen würde: „Komm, jetzt spielen wir ›letzte Minute‹!“

Der Junge hat eine wichtige Lehre aus den Spielen, der türkischen Fußballnationalmannschaft bei der EM 2008 gezogen: Erst ganz zu letzt kommt der Erfolg! Absolut folgerichtig sich fortan von Anfang an mit dem Schluss zu befassen. Sozusagen anders herum wird ein Schuh draus. Man muss nicht nur das Leben und die Politik, sondern …

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Autor:

Magnus Hengge

 

16. Juni 2008 18:39:24

… gar nicht weit fort: Cornelia Schleime lässt uns in die Psyche eines Stasi-Opfers eintauchen

Cornelia Schleime: Weit fort
Das pure Buch: Bucheinschläge werden von Frau Giersdorf ja sofort konfisziert und entsorgt.

Der Roman „Weit fort“ von Cornelia Schleime, bekannt als Malerin, ist das Buch einer in Bilder denkenden Frau, für die eine gefundene Metapher genauso real erlebbar ist, wie das Haptische, das Gefühlte oder das Gesprochene. Ihre überbordend bildhafte und symbolistische Sprache ist hemmungslos kitschig, weil es für sie keinen Grund gibt, warum man nicht zu kitschigen Gefühlen oder Bildern stehen sollte. Es ist dann halt so, wie es ist, wenn es einen mitreißt. Kennt man ja aus dem eigenen Leben.

Anfänglich tut man sich schwer mit diesem gefühlsechten Text, doch die Geschichte ist so gut, sensibel und zwischenmenschlich analytisch, dass sie einen … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

12. Juni 2008 23:36:33

… hektische Posse: Hekticket soll am Alex bleiben!

hekticketrathausstrasse.jpg
Möglicher neuer Standort des Hekticket-Schalters in der Rathausstraße.

Das praktische Regieren auf kommunalem Niveau ist manchmal schon sehr verworren bis unverständlich. Da werden selbst kleine Geschichten, wie die vom Hekticket Verkaufskiosk am Alex, zu größeren Kompetenzschlachten zwischen den verschiedenen Senatsabteilungen, die sich permanent gegenseitig auf den Füßen stehen. Der Fall ist so: Das Grünflächenamt Berlin Mitte will, dass der kleine Hekticket-Schalter am Alexanderplatz bis zum 12.6.08 ersatzlos geräumt wird (warum auch immer?). Bei den in diesem Punkt etwas kulturaffiner gestimmten Institutionen Kultursenat, Kulturamt Mitte und der BVV-Mitte hat es sich hingegen herumgesprochen, dass ein hohes öffentliches Interesse am Betrieb von Hekticket besteht, denn … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

25. Mai 2008 18:05:36

… voll mit netten Ideen: DMY, das Nachwuchs-Design-Festival

Leuchten aus PET-Flaschen
Leuchten aus PET-Flaschen

Es gibt einen ganz klaren und erfreulichen Trend im Design auf dem DMY-Festival: der Fokus liegt auf Ideen, Umnutzungskonzepte und Spaßhaben und geht weg von der puren Form, dem ausgefeilten Produkt, dem Luxus. Ein Rundgang über die Messe in der Arena (Treptow) macht richtig Freude und ist ungemein inspirierend. Noch schnell hingehen. Nur noch heute!

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Autor:

Magnus Hengge

 

18. Mai 2008 18:33:35

… im Mai: Fraktal-Design auf der Spree

Blütenstaub im Kupfergraben

Bei den Frühlingstemperaturen kann man ja sehr gut zu Fuß von nächtlichen Unternehmungen aller Art nach Hause gehen. Bei so einem Spaziergang kam ich an der Spree nahe der oberen Schleuse an der Museumsinsel längs, wo sich ganz eigentümliche Strukturen auf der Wasseroberfläche gebildet hatten. Auf dem nachts fast ganz ruhigen Wasser bildeten sich Formen aus Blütenstaub und abgefallenen Blütenblättern (Vermutung), die machmal an Schriftzeichen oder kleine Figuren erinnerten. Ein fraktal poetischer Moment, der sich leider mit meiner kleinen Digitalkamera ganz schlecht einfangen ließ (siehe oben). Aber vermutlich … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Alltägliches

 

2. Mai 2008 18:33:50

… verwirrend und vorbei: 1 Mai 2008, Tag der was eigentlich?

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Das Geschehen in Kreuzberg rund um den 1. Mai ist schon recht verwirrend. Zunächst wurde man von einem dumpfen Grollen aus dem Bett geworfen und der erste verschlafene Interpretationsversuch des Lärms ging wohl bei den meisten dahingehend, dass ein paar aufgeweckte, mit Trommeln versehene Demonstranten einen Überraschungs-Coup gelandet haben könnten – doch weit gefehlt: Die Verdianer zeigten den Berlinern schon früh am Morgen, was für aufgedonnerte Motorräder sie sich leisten können; eine schicke chromblitzende Maschine nach der anderen. In den Vorjahren zeigten sie einem ja gerne, was für neue Mittelklassewagen sie gerade gekauft hatten. Verdi wollte bestimmt die gewerkschaftsinternen Mitbestimmungsrechte der Motorradfahrer mal gebührend würdigen. Diejenigen, die den Donnerzug betrachten und hören konnten, durften beim Anblick der motorisierten Schlachtrösser darüber nachdenken, warum die Preise für öffentliche Dienstleistungen (genannt Gebühren) … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

18. April 2008 09:50:59

… Kampagnen-Startplatz: Biosprit macht Hunger

Biosprit macht Hunger
Kampagnenstart vor der Haustür

Überall sind die 68er das große Thema: Die Akademie der Künste macht eine ausgedehnte Reihe zu der Zeit, in der so viele ihrer Mitglieder sozialisiert wurden, das arte-TV-Programm quillt über mit Berichten von jedem, der damals eine Kamera halten konnte und die überigen Sender treten die sogenannte damalige „sexuelle Revolution“ platt. Sex sells. Eine zentrale Frage von allen Strömungen und Bewegungen damals: Lässt sich das Politische mit dem Privaten verbinden? Eine Frage, an der seit den Sechzigern immernoch herumlaboriert wird. Wenn jetzt so oft die Frage nach den Folgen und der Relevanz der 68er gefragt wird, dann sehe ich ihre Einflüsse besonders in der Selbstverständlichkeit der Forderung nach Selbstbestimmung und der Haltung des zivilen Ungehorsams gegenüber gesellschaftlichen Zuständen, die der Einzelne nicht hinnehmen möchte. Beides spielt sich in unserer inzwischen sehr individualisierten Gesellschaft vor allem im Privaten ab, doch gerade die vielen, zum Teil sehr spezialisierten, Bürger- und Menschenrechtsbewegungen verbinden das Politische und Private ganz bewusst öffentlich. Eine Bewegung, die sich sogar aus einem hedonistischen Impuls heraus unterstützen lässt, ist die Fair Trade Bewegung. Hier fließt Shopping-Lust und reines Gewissen … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Alltägliches

 

30. März 2008 23:20:04

… spontane electro Entladung: im Görlitzer Park

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Was braucht man? Eine Autobatterie, ein paar Laptops, ein Keyboard, eine alte Anlage und ein paar Leute, die keine Lust haben, am ersten einigermaßen warmen Tag des Jahres drinnen zu hocken. Von all dem gibt es genug in Kreuzberg. Es ist also der richtige Ort für spontane Parkkonzere. Die Kuhle im Görli ist darum immer wieder für eine Überraschung gut.

Nachdenklich stimmte mich allerdings das Kind, dass ich kurz beim Tanzen aufgenommen habe. Zunächst zuckte der Kleine ziemlich eindeutig nach dem Vorbild von irgendwelchen durchsexualisierten R‘n'B-Mackern (was mich dazu verleitete das Ganze überhaupt zu filmen) und als er merkte, dass er aufgenommen wird, spulte er eine total dressierte Show ab. Ich spekuliere mal: Die positiv besetzte Erlebniswelt dieses Kindes besteht vermutlich mehrheitlich aus persönlichkeitsfeindlichen Talent-Shows und den Videobildern auf den einschlägigen Kanälen. Da ist der Sound, der Look und die Attitüde von ein paar schräge Electro-Schnullis (Skinnerbox) im Park doch ein durch und durch positiver Kulturschock.

(Keine Ahnung, warum die Qualität des Videos so schlecht ist. Rechnet YouTube die Uploads inzwischen noch miserabler um?)

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

20. März 2008 16:35:52

… sag mal schnell

guter Dings
sein

dement-
sprechend

aller Dings
sein

das kann ich nur
unterstreichen

 
 

Autor:

Joachim Buroh

 
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