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Archiv der Kategorie ‘Alltägliches‘

26. Juni 2011 21:55:55

… auf See: Abenteuerreisende

Das schwimmende Blockhaus mit dem Restaurant lockt immer wieder Leute an. Unweit des Spreetunnels in Friedrichshagen liegt es vor Anker und wartet das ganze Jahr über auf Gäste. Auf dem Anlegesteg befindet sich eine Klingel, die vom Ankömmling betätigt werden kann. Wenige Minuten später erscheint dann der Bootsmann und holt über.

Solche Häuser kennen die meisten eigentlich nur aus Western oder den Indianerfilmen der DEFA. Dort sind sie der Wohnort friedliebender Menschen, die dann irgendwann von Bösewichten überfallen werden. Hier läuft alles friedlich ab. Gestern hatten es sich, trotz des bedeckten, kühlen Wetters, einige auf dem schwimmenden Lokal gemütlich gemacht. Je weiter der Tag fortschritt, umso mehr Verkehr war auf der Müggelspree zu beobachten. Zum frühen Nachmittag legte ein rustikal aussehender Dampfer am Holzhaus an, 15-20 Mittfünfziger enterten unter großem Stimmengewirr, Lachen und offensichtlich guter Laune die Lokalität und besetzten einen vorbestellten Tisch.

Die Frauen und Männer hatten sich Jahrzehnte nicht gesehen und trafen sich nun zu einem Klassentreffen. Dennoch war keine Fremdheit zwischen ihnen zu spüren. Als sie wieder abfuhren, griff einer von ihnen zur Gitarre und begann ein Lied, in das die anderen mit einstimmten. Wie viele von ihnen hatten in der Kindheit vielleicht von Piraten und der Eroberung einer Insel gelesen oder geträumt und haben in der Jugend an das Gute geglaubt? Jetzt, wo sie wissen, dass Märchen nur selten wahr werden, dass Wünschen allein nicht hilft und sie das Unverfälschte und Vertraute mehr denn je schätzen, sind sie gemeinsam nochmal in die Vergangenheit zurückgekehrt.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

24. Juni 2011 07:50:07

… alarmierend: Chinesen im Monbi!

Jetzt ist es soweit. Die Chinesen sind im Monbijoupark eingefahren. Ihre Autos, glänzende Imitate deutscher Edel-Karossen, haben einen Platz hoch oben auf dem extra aufgebauten Gerüst neben dem Atelierhaus, welches den zentralen Ausstellungsort für „based in Berlin“ bildet. Das Thema ist die Berliner Gegenwartskunst, die an folgenden, weiteren Adressen und noch bis zum 24. Juli 2011 betrachtet werden kann: KW Institute for Contemporary Art (Auguststraße), Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Neuer Berliner Kunstverein (Chaussestraße 128/129) und Berlinische Galerie. Weitere Details siehe hier: http://www.basedinberlin.com/

Was mir – unvollständig - im Atelierhaus auffiel: Ralf Pflugfelders „Untitled“, eine interessante Holzkonstruktion, die an die ersten Flugapparate (Lilienthal) erinnert und eine vertrackte Situation darstellt: Das Gerüst passt gerade so in den Raum hinein. Bewegung ist nicht möglich und ein Scheitern jeder Absicht zwangsläufig. Warum auch nicht. - Befremdet war ich, in einer Fotoportraitreihe ein paar abgehalfterte Politiker zu sehen. Was sollen die in dieser Ausstellung? - Die gesammelten Intenet-Video-Mitschnitte der Tanzenden von Matthias Fritsch „We, Technoviking“, 2010, sind wenig berührend und nichts neues. – Was mich bei der Gegenwartskunst wundert: Warum setzt sich z.B. niemand mal mit der hohlen Penetranz dieser „sozialen Netzwerke“ des Internets auseinander, zum Beispiel in der Form eines öffentlichen „Freunde“-Löschens?

Auf der oberen Plattform des Gerüstes sind dann die drei chinesischen Autos aufgestellt, die wohl BMW-Marken nachgebaut wurden. Zunächst mal ganz nüchtern: In der Realwirtschaft wird China zum wichtigsten Markt für die deutschen Autobauer. Da wird der deutsche Autokäufer ja wohl irgendwann auch kein Extra-Design, vielleicht auch keine Extra-Technik, mehr erwarten können! Aber hier: Ist das Kopieren, der glänzende Nachbau des Originals, neue Kunst oder werden hier nur die alten, weiterentwickelten Warhol’schen Suppendosen vorgezeigt?

Das Podest befindet sich übrigens in nahezu ebenbürtiger Höhe mit dem Dach des kunstschweren Bode-Museums. Was für eine Ironie! Oder soll es gar keine sein?

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

22. Juni 2011 19:01:02

… nicht zu überhören: „Ich brech die Herzen …“

Sein Gesang war weithin zu hören. Manch einer, der zufällig in der Nähe war, ging neugierig dem Geräusch nach: Ein Senioren- und Pflegeheim veranstaltete einen Tag der offenen Tür; die alten Menschen, überwiegend im Rollstuhl sitzend, hatten sich auf dem rasenbewachsenen Gelände des Heimes um gedeckte Tische herum postiert, wurden von den Mitarbeitern des Hauses versorgt und zwischen den Tischreihen bewegte sich besagter Sänger im Bemühen, sein Publikum zu unterhalten. Die meisten der älteren Herren, vor allem aber der Damen, waren feiertäglich gekleidet und hatten das Haar sorgfältig frisiert. Dem Publikum widmete sich der, mit einer Lederhose und Hosenträgern bekleidete, ca. 40-jährige, Mann mit Ausdauer und hartnäckig vorgeführter guter Laune. Die Resonanz des Publikums auf die „Herzen der stolzesten Frauen“, die es zu brechen gelte, die „Rote Lippen“, die zu küssen der Schlagertext vorgab und das Lied über eine gewisse „Donna Clara“, dessen Melodie der Künstler beim Vortrag mit einem speziellen Vibrato bedachte, war von sehr großer Zurückhaltung geprägt, wozu sicher beitrug, dass der Mann des öfteren nicht den richtigen Ton traf, was dann insgesamt eine eigenwillige Melodie ergab. In einer der Pausen seiner Darbietung lief er zwischen den Tischen umher und befragte einen im Rollstuhl sitzenden, vielleicht 65-jährigen Mann, der aber noch beinahe sein volles, kaum ergrauten Haar hatte - und den er duzte - ob er denn in seiner Jugend auch so ein Herzensbrecher gewesen sei, worauf dieser auf die Frage nicht einging, sondern sich positiv über das Fest und das schöne Wetter äußerte. – Anschließend trat eine Kita-Gruppe auf und sang drei Lieder, die aber ohne Mikrofon kaum zu verstehen waren, für die alten Menschen offenkundig überhaupt nicht. Dann nahm wieder der Lederhosen-Träger das Wort an sich und sprach von einer, die Herzen rührenden, Darbietung.

Beim Weitergehen sah ich noch, wie sich am Eingang des Geländes bereits die Nächsten für ihren Auftritt anlässlich dieses Tages bereit machten: Zwei Clowns.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

22. Juni 2011 17:03:33

… nicht vorbereitet.

Die Potenziale der Green Economy standen im Zentrum einer Veranstaltung des Unternehmensservices Friedrichshain-Kreuzberg im Atrium des Energieforums, Stralauer Platz 34, 10243 Berlin.

Sabine Porn moderierte die anschliessende Podiumsdiskussion.

Neben den Vortragenden stand Dr. Peter Beckers, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin, Stellvertretender Bezirksbürgermeister für Fragen zur Verfügung.

Prof. Dr. Stefan Krauter, Vorstandsmitglied, Photovoltaik-Institut Berlin
Tim Schultze, Vorstandsmitglied, SolarWaterWorld AG
Ralf Steeg, Geschäftsführer, LURI.watersystems.GmbH
Christian Herzog, Teamleiter Industrie, Mobilität und Clean Technologies, Berlin Partner GmbH
stellten ihre Projekte vor.

Am Ende ging man etwas ratlos hinaus.
Fertige Zukunftskonzepte warten auf ihre Umsetzung und der »Stellvertretende Kreuzberger Bürgermeister« sagt, »… darauf ist die Verwaltung nicht vorbereitet …«?! Zuvor wurde referiert, über bahnbrechende lebensqualitätsverbessernde Projekte, über Zertifizierungen, Quantifizierungen, Tests – Maßnahmen, um wertvollen Projekten eine Chance einzuräumen. Um diese Projekte nicht nur mit dem gesunden Menschenverstand, sondern auch nach allen Regeln der Unternehmensberater, Politiker, Wirtschaftsführenden transparent, kommunizierbar und einschätzbar zu machen.
Mit allen Kräften sorgen aktive und hochmotivierte Menschen, wie Ralf Steeg dafür, dass Ideen der »Grünen Ökonomie« (warum eigentlich: Green Economy?) es durch alle drei Phasen von Pionierprojektierung schaffen. Dazu das zitierte Zitat von Ralf Steeg: Phase 1: »…der ist ja irre!«, Phase 2: »ein schönes Projekt, aber das brauchen wir nicht!«, Phase 3: »wenn ich nicht gewesen wäre, wäre das Projekt nie realisiert worden.«

Alle Projekte sysiphossieren seit mehr als 10 Jahren und kämpfen um Genehmigungen, Kontakte und manchmal auch um langfristige und unabhängige Finanzierungen. Diese Projekte werden auf dem Silbertablett serviert und ich frage mich: »Warum hat in der Berliner Wirtschaft und Politik keiner HUNGER?! Deutschland, Land der Ideen – was nützt eine Kampagne, wenn Deutschland großartige, ökologisch interessante, zukunftsorientierte Ideen nicht zeitnah umsetzt.
Es geht dabei um nicht weniger, als eine sinnvolle Nutzung von Energie, sauberes Wasser im Fluss, leise und saubere Fortbewegungsmittel.
Projekt-Link: http://www.luritec.com/en/technik

Von jedem Start up wird erwartet schnell, gründlich und serviceorientiert zu agieren,  kann sich eine Verwaltung ein anderes Verhalten leisten?
Hoffen wir, das solche Highlight-Projekte aus Berlin nicht ins Ausland abwandern. Der Begriff der Verwaltung kann durchaus unterschiedlich aufgefasst werden. Schielen wir mal zu unseren Nachbarn nach Holland, wird schnell klar, dass dort die Verwaltung für die Bürger da ist und nicht andersherum. Serviceorientiert, offen, bemüht, aktiv und zugewandt.

Wenn man Gesprächen in Berlin folgt, kommt manchmal der Verdacht auf, dass die Zukunftsmärkte der Grünen Ökonomie längst aufgeteilt sind und dass weder Einzelkämpfer, noch Netzwerke und schon gar nicht die Bürgerinnen und Bürger von diesem Kuchen naschen werden, es sei denn letztere fangen an, sich einzumischen, ihren Wünschen Ausdruck zu verleihen, nachzufragen, ihre Abgeordneten zu fordern. Anlaufstellen, wie sie bei der Veranstaltung im Energieforum angeregt wurden sind gut, aber häufig haben sie lediglich eine beruhigende Wirkung und sind
nicht sehr effektiv, wenn es um Realisierungen geht. Hier ist persönlicher, verantwortungsvoller und intensiver Einsatz gefragt; Vermittlungen, Transparenz und Gespräche mit Entscheidern in relevanten Positionen.

ICH möchte in wenigen Jahren in der Spree baden und Sonnendecks und Gärten und Wohnungen auf Anlagen, die das Wasser günstig reinigen…!!!

 
 

Autor:

Stefanidad

Kategorie:

Alltägliches

 

21. Juni 2011 17:51:12

… Fernsehtipp: „Nachtgestalten“

Heute läuft im Fernsehen (22:15, RBB) endlich mal wieder der Film „Nachtgestalten“ von Andreas Dresen (1999). Dieser Streifen ist n i c h t geeignet für Leute, die lediglich ein oberflächliches Interesse an Berlin haben und denen diese Stadt sowieso zu dreckig, zu laut und zu arm ist. Für alle anderen empfehle ich, obwohl der Film schon einige Jahre auf der Rolle liegt, dieses lebendige und ungeglättete Stück Kunst, dass durch einen liebevollen und präzisen Blick lebt. Unspektakulär, aber gut u.a.: Michael Gwisdek – der zudem noch über einen trockenen, inzwischen selten zu hörenden, (Berliner) Humor verfügt - Oliver Breite und Meriam Abbas.

http://www.rbb-online.de/filmzeit/filmzeit/genres/cinemathek/nachtgestalten.html

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

Kategorie:

Alltägliches | Fernsehen | Kino

 

21. Juni 2011 12:53:30

… Kaffee-Stadt: Neues Café-Rezept entwickelt, den Adhocco

cafe adhocco

Die Mädchen in unserer Agentur haben seit einiger Zeit eine spezielle Art, ihren Café zuzubereiten entwickelt: 1 Kaffee + 1 Espresso + Rest des Glases mit warmer Milch und frischem Milchschaum auffüllen. Das Ergbnis ist ein „Adhocco“ – ein starker Capuccino mit wunderbar dicker Schaum-Crema, die durch das doppelte Kaffeebrühen und ein bisschen Milchschaum entsteht. Sehr lecker und zur Nachahmung empfohlen!

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Alltägliches | Kochen | Soziales

 

19. Juni 2011 21:06:54

… Häupter: Gekrönte und ungekrönte

Im Erdgeschoss des Kulturkaufhauses Dussman in der Friedrichstraße residiert seit geraumer Zeit eine Königin. Die ägyptische Pharaonin Hatschepsut hält, hier in Gestalt einer Sphinx, Hof und lässt sich von den Besuchern bewundern. Diese Herrscherin hatte bereits vor ca. 3500 Jahren, also lange vor einer Diskussion über Frauenquoten, das Zepter und die Macht, in dem damals wohl zivilisiertesten Land der Erde, in der Hand. Dies gilt, obwohl man hin und wieder bei Ägyptologen liest oder von Touristenführern hört, dass sie meist in Gestalt eines Mannes, also als Pharao, auf den Zeichnungen der inzwischen erschlossenen Grabmale dargestellt worden ist. Hatschepsut, ein wunderbarer Name, der sich - fällt mir gerade ein - vielleicht auch als Markenname für Nasentropfen sehr gut anhören würde, war jedenfalls eine gekrönte Königin.

Einige Meter weiter treffen wir – immer noch im Kaufhaus Dussmann unterwegs – auf einen ungekrönten König, dem dieser Tage ein ganzer Tisch für die Ergebnisse seines bisherigen musikalischen Werkes eingeräumt wurde. Über Bob Dylan, der am 24. Mai 70 Jahre alt wurde, ist schon fast alles geschrieben worden, so dass mir nur eines festzuhalten bleibt: Als er anfing zu singen, hörten ihm heutige Großmütter und Großväter in Sehnsucht und Verwirrung zu; nun spielt er immer noch, jetzt aber auch für die Enkel.

Am gestrigen Abend stieg an der Straßenbahn-Haltestelle Bahnhof Friedrichstraße eine festlich, überwiegend in Schwarz, gekleidete fünfköpfige Familie aus, deren Ziel das Maritim-Hotel war. Dort fanden Abi-Abschlussbälle statt, darunter auch einige von den Klassen, die von einer Berliner Firma betrogen worden waren. Während der Vater mit den zwei Mädchen vorauseilte, blieb die Mutter mit dem Jungen etwas zurück. Plötzlich nahm sie die Hand ihres, sie um einen Kopf überragenden Sohnes und begab sich – noch auf der Halteinsel der Straßenbahn – mit ihm in Tanzposition, zog ihn an sich und zeigte ihm die Tanzhaltung. - Sie und andere Mütter waren gestern abend nicht der Mittelpunkt der Feier, aber sie gehören auch zu den ungekrönten Guten. Sie haben ihre Kinder auf den abschließenden Tanz begleitet, aber auch nach dem Abitur werden viele der 18/19-Jährigen den eigenen Schritt nicht ohne Umwege und Hilfe finden.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

18. Juni 2011 14:52:35

… interkulturell: Menschen und Tiere

Das Haus, in dem ich wohne, ist ein ruhiges. Selbst Geburtstagsfeiern oder andere Feten verlaufen zumeist mit gedämpftem Geräuschpegel. Vielleicht ist der Bildhauer aus dem Vorderhaus symptomatisch für das gesamte Klima unter den Leuten. Wenn wir uns mal im Treppenhaus begegnen, wird zurückhaltend, aber freundlich, gegrüßt. Dabei würde mich schon mal interessieren, warum er immer die Frauen in seine Wohnung abschleppt. Genauer gesagt, sind es Skulpturen, oft lebensgroß, die dann irgendwann in seinem Zimmer, welches man von der Straße aus sehen kann, erscheinen und zu denen der Beobachter – wenn er nicht genau hinschaut – denken könnte, Menschen hätten sich im zweiten Stock zu einer Ausstellungseröffnung in unterhaltender Runde versammelt.

Mein Gegenüber im Hinterhaus pflegt das Multikulturelle: Zu seinem Haushalt zählen diverse Fische in einem prächtigen Aquarium und zwei edle Katzen - tippe auf Perser. Alle scheinen sich prima zu verstehen. Jedenfalls war noch nie Lärm zu hören, der darauf schließen ließe, dass die Katzen, die sehr mondän erscheinen und ungestört sowohl Tisch, als auch Kühlschrank meines Nachbarn zu ihrem Laufsteg auserkoren haben, den Fischen zu nahe getreten wären.

Des Nachbarn Fenster zum Hof ist allerdings mit einem Netz gesichert, welches mich an ein Handballtor erinnert. So sitzen die Damen Katzen des öftern auf dem Fensterbrett und betrachten von höherer, vernetzter Warte das Hofgeschehen. Ab und zu geht ihr Blick zu dem Grünfinken, der, insbesondere morgens, sein einfallsloses und monotones Fiepen ertönen lässt oder nach oben zum Mauervorsprung, wo der Amselhahn abends sein reichhaltigeres Repertoire in – zumindest für Ohren menschlicher Zweibeiner – wohlklingender Weise vorträgt. Einige Jahre brüteten die Amseln auf dem Hinterhof an der Wand mit dem stark gewachsenen Efeu. Nun hat der Wohnungsverwalter das Grün zurückschneiden lassen, weil es bereits in die Fenster hineinwuchs. Diese Aktion der Menschen kostete die Amseln ihren Nistplatz. Einmal waren Elstern über das Gelege der Amseln hergefallen und hatten eines der, noch nicht flugfähigen, Jungvögel totgepickt. Der, das mehrfache Anfliegen der Elstern und das aufgeregte Käckern der Amseln beobachtende, Mensch hatte einige Male mit lauten Rufen zugunsten der Amseln eingegriffen, konnte aber, da nicht ständig vor Ort, letztlich am Gang der Dinge nichts mehr ändern.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

14. Juni 2011 23:20:16

… sprachlos, oder: English for all?

Am Zeitungsstand im Bahnhof Friedrichstraße gab es heute nachmittag einen kleinen Aufreger. Ein dürres, kleines, leicht angedudeltes Männchen von vielleicht 65 Jahren, bekleidet mit einem karierten Hemd und einem Strohhut, wollte von der Verkäuferin wissen, warum sie kein Englisch spreche! „Why don’t you speak English“? blubberte der Mann die junge Frau mehrfach an, bis diese sich männliche Verstärkung holte. Auch ihn befragte der fidele Brite lautstark, ob er Englisch könne. „Do you speak English“?. „Yes, a little bit“, lautete die Antwort und nach der wiederholten, identischen Frage des Touristen dann: „Immer noch – a little bit“. „Why don’t you have english papers“?, bohrte der kleine Mann weiter. „Yes, we have – which do you want?“, so der Verkäufer. „Daily Telegraph“, wiederum der Mann von der Insel. Dieses Blatt war jedoch nicht im Sortiment, aber andere englische Zeitungen, von denen er dann eine kaufte. Vor der Kasse stehend redete er nochmal auf die Verkäuferin ein: „Why don’t you speak English. We are the Greatest. We have The Queen“. Dann zog er ab.

Die Financial Times Deutschland berichtete heute, dass laut Untersuchung eines Wirtschaftsprofessors aus dem Saarland bei 30 großen deutschen Unternehmen Anglizismen über Gebühr in den Geschäftsberichten vorkämen und dass dies sogar juristische Konsequenzen nach sich ziehen könne, da laut Handelsgesetzbuch der Jahresabschluss in deutscher Sprache zu erstellen sei.

Also: „Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall“. (Fritz Reuter)

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

Kategorie:

Alltägliches

 

13. Juni 2011 21:35:56

… zu Pfingsten: Originales und Originelles

Es ist immer interessant, nach dem Denken, Fühlen und Handeln der Menschen zu fragen. Was bewog zum Beispiel den Hauseigentümer in der Revaler Straße, an seine Hauswand den, aus einem Ovid-Zitat herrührenden, Spruch „Tempora si fuerint Nubila solus eris“ (Wikipedia: „Im Unglück wirst du allein sein“) anbringen zu lassen? Hatte er, um nur zwei Möglichkeiten anzuführen, bereits beim Kauf die Vorahnung, dass er seinen Kredit nie würde zurückzahlen können oder schwante ihm bereits zu diesem Zeitpunkt, dass seine Frau ihn verlassen würde?

Ebenso unbekannt sind die Motive jenes Sprayers, in erwähnter Straße auf einem Hausdach, dass von der Fussgängerüberführung am S-Bahnhof Warschauer Straße gut sichtbar ist, den Spruch „DEUTSCHLAND VERRECKE!!! KOPI BLEIBT!“ für die lesende Nachwelt zu hinterlassen. Vielleicht hat der Mann weder Arbeit noch Wohnung und seine Wut ist groß. Möglicherweise führt er aber auch ein ganz zufriedenes Leben und zieht mit seinen Spraydosen durch’s Land.

Auf dem vormaligen RAW-Gelände, südlich der Revaler Straße, welches den Eindruck eines in Auflösung befindlichen Lagerplatzes macht, scheint es überwiegend glückliche Menschen zu geben. Während sich am gestrigen, frühen Abend einige gutgelaunte Bewohner, mit einer Flasche Bier in der Hand, von der Sonne den Nebel des Vorabends aus den Köpfen vertreiben ließ, gingen andere ihrem Beruf nach und bedienten Gäste. Dass auf dieser besonderen friedrichshainischen Enklave deutsche Edelautos u.a. mit den Kenzeichen WI… und ERH… herumstanden, irritierte nicht nur auf den ersten Blick.

Beeindruckend war der Menschenstrom, der sich – ameisenkolonnengleich – vom S-Bahnhof Warschauer Straße hin zum gleichnamigen U-Bahnhof, weiter über die Oberbaumbrücke nach Kreuzberg und andererseits die Warschauer hoch bewegte, wobei  ein kleiner Teil der Menge auch in die touristisch überfrequentierte Simon-Dach-Straße abbog. Nur vereinzelt waren Pfingstausflügler hingegen in der Oberbaumcity vertreten. Hier, an der leider geschlossenen Zwinglikirche und den historisch interessanten, sanierten Industriebauten (heute BASF, früher NARVA, ganz früher Osram und Wasserwerke) mit dem ersten Hochhaus Berlins in der Rotherstraße, waren die Bewohner des Viertels überwiegend unter sich.

Sehr eng unter sich war man am Sonnabend im Schienenersatzverkehr von Storkower Straße Richtung Schönhauser. Der Busfahrer gab sich große Mühe, mitfahrende Touristen, vielleicht auch ein paar neue Zuzügler zu erschrecken. Er fuhr schnell, bremste scharf und brachte seine Durchsagen mit Grabesstimme und ohne jede Emotion über das Mikrofon. Busfahrer und Politessen sorgen ja ab und zu dafür, dass die Begeisterung der Einheimischen und Besucher für Berlin auch mal abgekühlt wird. Zu Stadt-Originalen werden beide Berufsgruppen damit aber noch lange nicht.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 
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