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Archiv der Kategorie ‘Fernsehen‘

2. April 2012 00:52:05

… Kunst. Wahrheit. Wirklichkeit.

Art and Press. Internationale Künstler beziehen Position lautet der Titel einer der interessantesten Ausstellungen, die Berlin aktuell zu bieten hat. Als gelungenes Edutainment goes Art konzipiert, bietet die Schau viel Spannendes, Aufrüttelndes und Neugierigmachendes aus den Ateliers internationaler Künstler_innen, die sich, in 56 Stellungnahmen zur Zeitung als Medium der Aufklärung wie der Manipulation, als Inspiration und Denkraum, mit ihr als Material und Gegenstand der Kunst auseinandersetzen.

Ai Weiweis Rauminstallation aus einer erdbebenzerstörten Schule, in der 1000 junge Menschen starben, verweist auf eine Tragödie, über die die Presse Chinas nicht berichten durfte. Annette Messager montiert eine Le Monde Diplomatique über einem Ventilator: Dancing Newspaper steht für die Volatilität der Worte. Barbara Kruger füllt in Untitled einen ganzen Raum mit überdimensionalen Zeitungsartikeln zum Thema Migration. Gustav Metzger präsentiert in Eichmann and the angel die schusssichere Box, in der Adolf Eichmann während seines Prozesses in Israel saß, davor eine Wand aus Zeitungen. Faszinierend allein schon auf Grund von Größe und Positionierung im monumentalen Lichthof des Martin-Gropius-Baus ist Anselm Kiefers Kommentar zum Medienwandel, Die Buchstaben.

Die für mich gelungenste Kombination aus bezaubernder Ästhetik und politischem Statement ist William Kentridges Tide Table, ein wunderbares Bühnenbildtableau mit Licht- und Puppenspielen, die das mystische Afrika ebenso evozieren wie die Brutalität des Kolonialismus.

Teil 2 der von der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn mit dem Medienpartner BILD präsentierten, und von RWE gesponserten Ausstellung ist der Historie gewidmet. Auf der Empore über dem Patio des MGB hängen jedoch nicht die Originale der Klassiker, die sich dem Thema Zeitung und Medien künstlerisch näherten – Cézannes Vater des Künstlers, Juan Gris’ Frühstück, Max Beckmanns Bildnis Minna Beckmann u.a.m. – sondern iPads, auf denen die Bilder und ergänzende Informationen zu Werk und Autor abrufbar sind. Überdies hat man von oben noch einmal einen schönen Blick auf Anselm Kiefers raumfüllende Arbeit, die es mir – Sie merken es – besonders angetan hat.

Statistisch, so lernte ich kürzlich auf einer Tagung, verbringt der/die Museumsbesucher_in im Durchschnitt zwei Stunden in einer Ausstellung. Wenn man Art and Press so richtig genießen möchte – und die Schau ist es wert! – sollte man mehr Zeit einplanen. Zu sehen ist übrigens auch Gerhard Richters Acht Lernschwestern. Falls jemand das alberne Schlangestehen rund um die Nationalgalerie gegen einen relaxten Besuch im Martin-Gropius-Bau aufgeben mag … Wobei man in der Schlange natürlich selbst zum Teil des manchmal seltsamen Verhältnisses von Presse und Kunst wird. Schließlich stehen die Massen immer vor der Ausstellung Schlange, um die die Medien den größten Hype generieren.

Art and Press. Internationale Künstler beziehen Position ist noch bis zum 24. Juni im Martin-Gropius-Bau zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand Verlag.

 
 

 

22. August 2011 08:02:55

… zugeschaut: Bekannte und Unbekannte

Essen ist auch Kultur, manchmal jedenfalls. Die schnurrbärtigen oder glattwangigen, deutschlandweit bekannten, Profi-Essenszubereiter aus dem Fernsehen sind dort ja eigentlich keine Köche mehr. Für das werkelnde Laien-Fußvolk - manche von ihnen mutieren vor der Kamera allerdings förmlich zu Experten – und für das begierig zuschauende oder mittuende Fernsehpublikum sind sie Ratgeber, Manager, Geschichtenerzähler und -abfrager sowie Scharfrichter und Idol in einer Person.

In Berlin läuft das etwas anders. Schon der Alltag im Kiez führt dem Einheimischen immer wieder Prominente vor die Augen, ohne dass er deshalb vor Verzückung gleich aus den Latschen kippen würde. Vor zwei Tagen lief mir in der Ackerhalle Inka Friedrich über den Weg. Natürlich hätte ich ihr bei dieser Gelegenheit lässig sagen können, wie gut sie (ein Weilchen her) in „Sommer vorm Balkon“ gespielt hat. Hab ich aber nicht. - Gestern Mittag wiederum fuhr Annette Schavan mit dem Fahrrad durch die Torstraße. Nun war kein weiterer Mensch in der Nähe und ich hätte ihr zurufen können: „Oh, Frau Ministerin, Sie hier? Guten Weg!“ Oder: „Warum hört man so selten etwas von Ihnen oder was wird denn nun – ja, ja, es ist Ländersache – aus unserem zurückgebliebenen Bildungs – und Schulsystem?“ Dann hätte ich, wie im britischen Unterhaus, noch ein lautes „Yeah, Yeah“ nachschieben können. Nun, solche Reaktionen kann man den Touristen überlassen. Manchmal ist aber nicht mal ein solcher in der Nähe, wie auch im folgenden:

Die Händler und den neueröffneten Markt am Nordbahnhof kennt keiner und niemand geht hin – bis jetzt jedenfalls. Ich will gern meinen Beitrag leisten, um diesem Zustand abzuhelfen und habe Ende der Woche am Obststand zwölf Äpfel aus neuer Ernte (Elstar) gekauft. Anschließend wurden die Äpfel gewaschen, geviertelt, stellenweise ausgeschnitten und kamen dann, zusammen mit 300 ml Wasser, drei Teelöffel Zucker, ein Stück Zimt und zwei Nelken, in den Topf. Daraus wurde Apfelmus gekocht, welches dann durch ein Sieb gedrückt und kaltgestellt wurde. Das kalte Mus hat eine wunderbare hellbraun/zimtene Färbung und schmeckte sehr aromatisch. Dann wurde es in Gläser gefüllt und anschließend in Berlin verteilt. Ein beträchtlicher Teil der Familie lag danieder oder fühlte sich malade. Da kam das Apfelmus gerade recht. – Ich habe zwar auch einen Schnurrbart, bin aber ein unbekannter Koch und will es auch bleiben.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

21. Juni 2011 17:51:12

… Fernsehtipp: „Nachtgestalten“

Heute läuft im Fernsehen (22:15, RBB) endlich mal wieder der Film „Nachtgestalten“ von Andreas Dresen (1999). Dieser Streifen ist n i c h t geeignet für Leute, die lediglich ein oberflächliches Interesse an Berlin haben und denen diese Stadt sowieso zu dreckig, zu laut und zu arm ist. Für alle anderen empfehle ich, obwohl der Film schon einige Jahre auf der Rolle liegt, dieses lebendige und ungeglättete Stück Kunst, dass durch einen liebevollen und präzisen Blick lebt. Unspektakulär, aber gut u.a.: Michael Gwisdek – der zudem noch über einen trockenen, inzwischen selten zu hörenden, (Berliner) Humor verfügt - Oliver Breite und Meriam Abbas.

http://www.rbb-online.de/filmzeit/filmzeit/genres/cinemathek/nachtgestalten.html

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

Kategorie:

Alltägliches | Fernsehen | Kino

 

30. Januar 2011 15:34:18

… wiederholt: Total Recall das wichtigste Festival des nacherzählten Films im HAU1

Alle Jahre wieder im Januar im HAU1: Das zweitägige Festival TOTAL RECALL, zu dem sich Filmfreaks aller Generationen und Genre vereinen, um sich gemeinsam mittels freier Erzählung, an filmische Momente zu erinnern, egal ob bekannt oder unbekannt, Hauptsache der Film, von dem erzählt wird, existiert. Eine/r steht vorne am Pult, hat 10 Minuten Zeit, und erzählt: mal gut und schnell zusammengefasst, mal wild zwischen Filmstory und der eigenen Geschichte, die in mehr oder weniger konkretem Zusammenhang zum ausgesuchten Film steht, meandernd. Besonders überraschend sind dabei oft die Erzähler/innen, die sich kurzentschlossen auf die Bühne trauen, sich aus dem Stegreif versuchen, um das meist zunächst noch lückenhafte Programm zu komplettieren.

totalrecall_andrewentzel

In den letzten Jahren waren es mehrheitlich Männer, die sich auf der Bühne produzierten, oft Typen, denen man den Film-Nerd schon von Weitem ansah, und die dann von höchst schrägen iranischen Kung-Fu-Softpornos aus den 1970ern (gefühltes Genre) erzählten. In dieser Kategorie trat diesmal Andre Wentzel an, der von dem extrem billig produzierten, türkischen Superheldenepos „3 Dev Adam“ berichtete, in dem unter anderem relativ zusammenhangslos ein grün gekleideter, gewaltbereiter Spiderman und ein kleptomanisch veranlagter Captain America ihr Unwesen treiben.

Auffällig aber war diesmal die Dominanz von Frauen, die eindeutig die Führung im Bereich des nacherzählten Films übernommen haben. Und ebenso wie früher die Männer neigten einige dazu, tiefe Einblicke in ihre sexuellen Neigungen und Phantasien zu offerieren. So eine üppige Blondine, … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

28. Oktober 2009 13:10:14

… abgedunkelt und überstrahlt: „La Nuit / Die Nacht“ auf arte

<br />

Es war im Jahr 2006 als auf arte im Nachtprogramm die wunderschöne Sendung „Klang“ ein paar mal lief, was mich damals geradezu zu einem Begeisterungssturm hinriss. Seit gestern gibt es nun ein monatliches Nachfolgeformat: „La Nuit / Die Nacht“. Musikalisch und stilistisch fröhnt die Sendung ganz dem visuell akustischen Minimalismus, was ja an sich schon einmal eine Wohltat im üblichen TV-Overkill ist. Getragen vom typisch französischen, jugendlichen Existenzialistenhumor wird der Zuschauer auf die Probe gestellt: Wie wenig und gleichzeitig wie viel kann Fernsehen sein?

Minutenlang festgezimmerte Kameraeinstellungen und Textzeilen wie diese:
„Wenn ich rauche wie ein Schlot,
zwischen zwei Hustenanfällen.
Wenn du fürchtest ich ginge drauf,
sag nichts ich hab schon Angst.
Du kannst nichts tun.
Ich wünsch mir einfach nur eins.
Den Geschmack unserer süßen Zungenküsse,
Drum küsse mich.“

Da kommt doch Freude auf!

Das nächtse Mal: Dienstag 24. November!

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Fernsehen | Medienkunst | Pop

 

12. Dezember 2008 15:24:55

… nicht respektabel: Jamie Oliver im Gespräch mit Denis Scheck über Vegetarismus

Jamie Oliver und Denis Scheck im Gespräch in der Sendung druckfrisch

Am Montag Abend zeigte Denis Scheck in seiner ARD Literatur-Sendung druckfrisch ein Bild (ein ausblutendes Wildschwein, das Oliver mit dem Papa des kleinen Mädchens geschossen hat, deren Planschbecken als Auffangwanne für das Blut genommen wird), aus dem neuen Jamie Oliver-Buch „Jamie’s Kochschule – Jeder kann kochen“ und sagt dazu: „Was mir an Ihren Kochbüchern so imponiert ist zum Beispiel auf diesem wunderbaren Foto zu sehen. Mit solchen Bildern stürmen Sie gegen unsere kulinarische Amnesie an, gegen die Entfremdung von unserem Essen, und holen es zurück ins wirkliche Leben.“

Diese Aussage ist schon recht merkwürdig, weil Scheck sagt, man müsse unser Essen zurück ins wirkliche Leben holen. Als ob man außerhalb des wirklichen Lebens essen könnte. Ich nehme an er will sagen, dass er es begrüßen würde, wenn wir (Menschen in den postindustrialisierten Ländern) die Essensproduktion (sähen, ernten, füttern, schlachten) in unser unmittelbares Erleben brächten, und somit eine wirkliche Beziehung zu dem hätten, was wir essen. Das ist ein Ansatz, der mir sehr nahe ist und auch ich habe diesen Wunsch.

Was Jamie Oliver dann antwortet ist allerdings genau das Gegenteil dessen, was ich mir unter einem Ansturm gegen die Amnesie vorstelle. Nachdem er erzählt hat, wie er diesen „Zurück zur Natur Ansatz“ versucht zu leben, erklärt er warum er nur vor HardCore-Vegetariern Respekt und Hochachtung habe, nämlich weil … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

7. November 2008 19:35:16

… fränkisch: Belzig unterhält sich

 Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig

Der Slogan zu der Sendung „Aufgemerkt! Belzig unterhält sich“ lautet „Die etwas andere Talk-Show“. Viel biederer könnte man es kaum vermarkten, doch passt es genau zu der provinziellen Kunstfigur Erwin Pelzig, die der Journalist Frank-Markus Barwasser Anfang der 1990er Jahre etablierte. Dieser putzige kleine Franke mit Herrenhandtäschchen, Karohemd und Cordhut, der sich immer geehrt gibt, dass er die wichtigen Leute aus der Politik und dem ShowBiz empfangen und mit tendenziell ungenießbarer Bowle bewirten darf. Er lullt die Gäste ein paar Minuten mit nettem Smalltalk im Wohnzimmer ein, lobt sie brav oder verbrüdert sich geschickt, um ihnen dann äußerst scharfzüngige Fragen zu stellen.

So hatte er gestern den Ex-Generalsekretär der CSU Markus Söder zu Gast, der gerade von Horst Seehofer zum neuen Minister für Umwelt und Gesundheit in die Bayerische Regierung berufen wurde, und der selten um Worte verlegene Markus Söder wusste gleich mehfach nicht so recht, wie er sich aus der Affaire ziehen sollte. Da lässt Pelzig dem Söder erst mal … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Alltägliches | Fernsehen

 

10. September 2008 21:11:10

… irritiert: arte sucht den Super-Dramatiker mit Musik aus meiner Playlist

arte TV-Design

Der Fernsehsender arte hat sich gerade designtechnisch etwas aufgefrischt und dabei tief in die Pop Art Mottenkiste gegriffen. Aber warum nicht? Bunt, schräg und viele Verläufe – da bin ich für zu haben.

Bei der Sendereihe „die großen Dramatiker“, die derzeit immer abends um 20.15 Uhr läuft und die von einer großen Abstimmaktion begleitet wird, greifen die Screen-Designer direkt auf einen Andy Wahrhol-Style zurück. Auch das gekonnt und flott, nur während der Sendung vielleicht ein bisschen sehr penetrant. Wirklich irritierend fand ich aber die Musikauswahl bei der Sendung über William Shakespeare. Da lief ein Song nach dem anderen aus meiner Lieblings-iTunes-Playlist und ganz vorne weg drei alte Stranglers-Songs. Das Programm scheint also genau für Typen wie mich zugeschnitten zu sein. Im Marketing-Deutsch sagt man bei so was, man muss den Kunden da abholen, wo er steht. Wirklich merkwürdiges Fitting!

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

30. Januar 2008 11:33:27

… dösig: Landtagswahlverarbeitung in Hessen und Niedersachsen

Absolut demoralisierend, dieser Polit-Sprech, der nie so bezeichnend an Fassung verlor, wie in den Nach-Wahl-Interviews von Hessen und Niedersachsen. Als TV-Konsument fühle ich mich gepeinigt, unterschätzt und verhöhnt. Zwei Tage habe ich gebraucht, … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Stefanidad

 

9. Januar 2008 14:38:47

… begeistert von Krieg und Frieden: Schönster Veriss des jungen Jahres

Krieg und Frieden in der Euro-TV-Fassung.

Der ZDF-Vierteiler „Krieg und Frieden“ nach Leo Tolstoi von Regisseur Robert Dornhelm ist zwar der bisher teuerste europäische Film (ZDF-Promovideo aus den heute Nachrichten bei YouTube), doch Land auf Land ab sind sich die Kritiker einige: Das taugt gar nix! (Bsp: Spiegel Online)
Ich kann dazu nichts weiter sagen, weil ich die bisherigen Teile nicht gesehen habe, aber den bisher schönsten und leidenschaftlichsten Verriss, der seinerseits fast ein Kunstwerk ist, hörte ich in Deutschlandradio Kultur von Peter Claus. Was er auf die Frage „wie hat Ihnen der Film gefallen?“ sagte, gibt es hier zum Nachhören.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Alltägliches | Fernsehen

 

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