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Archiv der Kategorie ‘Internet‘

30. Januar 2013 14:38:24

… retrograd: transmediale BWPWAP

transmediale2013_bwpwap_abstimmung
Mit gelben Karten gegen Pluto abstimmen.

Das Akronym BWPWAP (back when pluto was a planet) bezeichnet die Kurzform des diesjährigen, kuratorischen Konzeptes der transmediale 2013. Das Kürzel bildete sich in der Web-Sprache und bezieht sich auf den Statusverlust des Ex-Planeten Pluto, der 2006 demokratisch von offizieller Stelle, der Internationalen Astronomischen Union, zum Zwergplaneten herabgestuft wurde. Eine solche Rekategorisierung geschah übrigens schon öfters in der Geschichte der Astronomie und immer begründet durch neue Erkenntnisse, die alte Annahmen ablösten: Bis ins Jahr 1846 wurden insgesamt 13 Objekte als Planeten bezeichnet. Weil dann aber ab 1847 laufend neue Objekte zwischen Mars und Jupiter entdeckt wurden, führten Astronomen 1851 eine neue Kategorie ein: Die der Asteroiden (Planetoiden). Die Zahl der großen Planeten belief sich danach somit wieder auf acht. Plutos Schicksal ist also kein Einzelfall, was aber neu war 2006 ist, dass es das Internet gab. Global vernetzt und mit sentimentalem Hang erhob sich eine Welle des Mitgefühls für den kleinen verstoßenen Pluto, der in der solaren Großfamilie entrechtet wurde – wo der arme doch eh schon so weit weg von allen ist. Schnief.
Allerdings wurde ihm eine Ersatzfamilie angeboten, deren Chef er nun ist. Zusammengefasst wurden die „Plutoiden“ als Gruppe von trans-neptunischen Zwergplaneten, die jenseits von Neptun, dem
letzten Riesen im Sonnensystem, auf vereierten Bahnen umherschwirren.

Nun warum taugt diese Geschichte als Background für die transmediale 2013? Weil es im Kern um die Änderung der Perspektive geht, von der aus man etwas betrachtet und kategorisiert. Außerdem ist die Gesellschaft darauf angewiesen, sich den wertenden Blick von Experten ausrichten zu lassen, die den nicht-Experten sagen, wie ein Objekt oder ein Konzept einzuordnen und zu begreifen ist. In der Welt der Kunst leicht nachzuvollziehen durch die beliebte Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“, die nur von Sachverständigen, oder besser noch vom Erzeuger/Künstler selbst, zweifelsfrei geklärt werden kann. Und wo ein Experte eine Meinung vertritt, findet sich garantiert ein anderer Experte, der das genaue Gegenteil vertritt. In der Kunst wie in der Wissenschaft ist das der Normalfall, und in beiden Welten entscheidet mittelfristig die Zeit darüber, wer Recht hat. Landet ein umstrittenes Kunstwerk im Museum, weil es z.B. einen nachhaltigen Einfluss auf andere Künstler hatte, und bestätigt sich eine wissenschaftliche These durch die Forschungen nachfolgender Experimente? Beides kann der Fall sein und beides kann später widerlegt werden. In vielen Museen wird irgendwann aussortiert und weggeworfen, weil die zeitgenössische Kultur nichts mehr mit dem vormals gesammelten anfangen kann, und viele als gefestigt geltende wissenschaftliche Thesen wurden nach Jahrzehnten falsifiziert.

Dies alles wäre eine wunderbare kulturwissenschaftliche Basis, um darüber eine fantastische Ausstellung zu organisieren, doch leider erfüllt die transmediale 2013 BWPWAP diese Erwartung in keinster Weise. Es werden keine Perspektivwechsel erlebbar, keine Neuordnungen vorgenommen und keine inhaltlichen Diskussionen geführt, sondern es wird eine sentimentale und belanglose Sammlung von Retro-Kunst gezeigt. Kopierer, Kassettenrecorder und Fax-Geräte dürfen noch mal reüssieren, wobei man sagen muss, dass die Projekte in Form und Inhalt lange nicht an diejenigen herankommen, die zu Zeiten gemacht wurden, als die Apparate erfunden wurden und neue Möglichkeiten boten. Es scheint, dass der Blick nach vorn in einer zunehmend komplexen Welt immer weniger attraktiv ist und Künstler statt dessen lieber zurück zum analogen Low-Tech flüchten. Es ist eine mitfühlende Hinwendung zum alten Gerümpel, das nutzlos geworden scheint, aber im Blick der Künstler doch noch zu so vielem taugt. Natürlich ist auch das in gewisser Weise ein Perspektivwechsel, doch erfolgt dies spürbar im Gefühl, selbst in der rasenden technologischen Entwicklung der Welt zu unwichtigem Staub zermahlen zu werden. Genau wie das weltweit geäußerte Mitgefühl für den herabgestuften Pluto, entsteht beim Besuch der Ausstellung eher Mitleid für die Künstler, die sich quasi selber degradieren. Das Abwenden vom Neuen, könnte man allenfalls als anti-konsumistische Haltung verstehen, um aus dem Vorhandenen im Sinne der Ressourcenschonung zu schöpfen, doch auch davon ist nicht zu sehen.

In der Eröffnungsveranstaltung hingegen wurde von den Vortragenden ein ganz wunderbarer Moment der kulturellen Umdeutung inszeniert. Das Für und Wider der neuen oder alten Plutobetrachtung wurde exemplarisch durchexerziert und am Schluss durfte das Auditorium über den stellaren Status Plutos abstimmen (quasi in einer Art Reenactment zur IAU-Abstimmung von 2006): Die vorbereitete Resulotion zielte auf die Wiederherstellung des Planetenstauts für Pluto und der künstlerische Leiter der transmediale Kristoffer Gansing schien sich siegessicher. Doch es kam anders: Mit klarer Mehrheit wurde die Resolution abgelehnt. Das Publikum will nicht zurück, es will voran!

Bisher war ich manchmal der Meinung, der kuratorische Überbau zu transmedialischen Unternehmungen irrlichtere im Abwegigen, wobei sich die Kunst davon nicht all zu sehr verleiten ließ. Diesmal scheint es anders herum: Die Konzeption eröffnet einen höchst interessanten Raum, den die Kunst nicht zu bespielen vermag.

Website der transmediale 2013 BWPWAP

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

2. September 2012 15:25:49

… 775: Das Mittelalter ist unter uns

Spuren des Mittelalters zur 775 Jahrfeier in Berlin

Eher zufällig entdecke ich die Bodenbeschriftung mitten auf dem Gehweg: „Hier lag im 13. Jahrhundert der Hafen von Berlin.“ Sieh an, denke ich mir da. Ein paar Meter weiter auf dem Mühlendamm ist zu lesen: „Heute haben etwa 27 % der Berliner einen Migrationshintergrund. Vor 775 Jahren waren es 100 %.“ Holla, so viele. Na dann gehnwer doch ma ins Internet und schaunwer nach, watn dit nu wieder allet is, wa:

Web App Spuren des Mittelalters

Zum 775 Jahre Geburtstag Berlins wurden zahlreiche Botschaften im Zentrum der Stadt versprüht, die mal einfach nur informativ sind und mal die Auflösung einer Schitzeljagdt darstellen, die man mittels Web-App beim Stadtspaziergang bepirschen kann. Auf der Website „Spuren des Mittelalters“ bekommt man eine Vorstellung davon, wie Berlin einmal ausgesehen haben muss, denn in der heutigen Stadt lassen sich tatsächlich nur noch minimale Überbleibsel erkennen.

Alles sehr informativ, geschickt verschränkt zwischen realer Welt und Info aus dem Web und nett zusammengestellt. Mir gefällt’s!

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

15. November 2011 13:19:48

… genervt: Verified by VISA ist absoluter Mist

verifiedbyvisa-mist

Dieses zusätzliche Sicherheitssystem von VISA ist so User-unfreundlich wie man es sich nur denken kann. Die Website funktioniert am Mac in keinem der verfügbaren Browser, es werden haufenweise unverständliche Abkürzungen verwendet (PAM?) und es fühlt sich an, als wäre man auf einer besonders bescheuerten Phishing-Website geandet. Ich habe es mit einer halben Stunde Aufwand nicht geschafft, mich da anzumelden.

Gesamturteil: Ungenügend! Fazit: Abgelehnt!

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Alltägliches | Internet

 

11. August 2011 18:20:41

… mit freundlichem Gruß an: Liebe Absender!

Jetzt auch auf diesem Wege nochmal: Sehr geehrte Redaktion der Zeitschrift „Elektronik“ in 85540 Haar, ich bekomme Ihr Fachblatt regelmäßig, obwohl ich es weder bestellt habe, noch brauche. Es klingt sicher aufregend, wenn Sie z.B. in der Nr. 16/2011, Seite 25 von einer „Amplitudenantwort des idealen Serienschalters als Funktion der Ansteuerungsapertur T …“ schreiben, aber bei mir schwingt und schaltet nichts Elektronisches; weder beruflich, noch privat. Vor Monaten hatte ich Sie bereits per Mail darum gebeten, mir keine Hefte mehr zu schicken. Vergeblich, denn offenbar ist Ihr Posteingangssensor kaputt …

Ob in Berlin oder anderswo: Die Freude über Zusendung nicht bestellter bzw. nicht gewünschter Botschaften, ob in Papier- oder anderer Form, ist ungeteilt. Denn: Auf fast jedem Briefkasten steht: Keine Werbung! Na und? Die „Berliner Zeitung“ enthält z.B. Werbematerialien diverser Art. Ein - zumeist – dann folgender, sofortiger Gang zur Mülltonne bedeutet zwar faktisch höhere Gebühren und die Vergeudung von Rohstoffen. Aber seien wir großzügig und vergessen nicht das Positive: Man bleibt immer in Bewegung.

Verehrte Maria Rodriguez, wer immer Sie sind und wo Sie auch wohnen. Ich kenne Sie bereits – aus meinem Mail-Briefkasten. Ob gerade ein verstockter Sommer amtiert oder Schneefälle Berlin noch reizender machen – Sie sind immer dabei und erinnern mich beim Einschalten des PC an entscheidende Fragen des Lebens. Brauchen Sie eine Penisverlängerung? So heißt es in periodischen Abständen schwarz auf weiss. Vielleicht ist ja mein Spamfilter schon angeturnt und kann nicht mehr richtig… sieben. Daher schaffen Sie, Maria oder wie Sie gerade heißen, es immer bis in mein Postfach. Lassen Sie nicht nach, bleiben Sie bei der Stange, die Menschheit braucht Sie. – Auch Ihnen, lieber Robert F. Ongongwu aus Nigeria oder Thian Ng Siong aus Hong Kong, bin ich zwar in Sympathie zugeneigt, kann aber nicht weiterhelfen. Ich wüsste schon, was man mit den 20 Millionen Dollar machen könnte, die Sie – hart erarbeitet und beiseite gelegt - nach Europa überweisen wollen, aber mir fehlt doch einiges, um ein good friend of you zu werden. Nehmen Sie es mir nicht krumm. Ich bin ja auch nicht böse, wenn ich regelmäßig Mails von Ihnen bekomme.

Bald werde ich für eine Zeit an einem Ort sein, wo mich keine Mails erreichen, kein Zeitungsvertrieb existiert und wo mich nicht plötzlich am Frühstückstisch ein sehr aufdringlicher Kerl aus dem Radio anbrüllt, um mir „Seitenbacher“-Müsli anzubieten. Liebe Nervensägen, seht es mir nach. Ich brauche Urlaub von Euch.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

2. Februar 2011 14:01:19

… mediales Getue: transmediale 11 im Haus der Kulturen der Welt

paulvanouse_transmediale11

Es ist wiedereinmal eine Art Rummelplatz für arty nerds & geeks geworden. Überall werden große Datenmengen gesammelt, rekombiniert, visualisiert, verdampft, gelöscht oder auch mal mit Poesie und Tanz neu aufgeladen. Bücher, in denen endlose Datenbankinhalte gezeigt werden, Texte oder Bilder, machen die Runde. Und man gibt sich wissenschaftlich, sucht die Nähe zur Biologie und Genforschung, bleibt dabei aber auf einer rein phänomenologischen Ebene. D.h. man macht irgendwas, es passiert irgendwas, das visualisiert man irgendwie medial aufgebläht und dann schreibt man einen irrwitzig überbordenden Text zu den gewaltigen Möglichkeiten oder Erkenntnissen, die zumindest theoretisch mit der verwendeten Methode eröffnet wurden. „RESPONSE:ABILITY“. So geht heute Medienkunst und nebenbei verkommen wissenschaftliche Basismethoden (auf Schulniveau) zu Kunstevents. Als Paradebeispiel für solcherlei Vorgehen können die Arbeiten von Paul Vanouse gelten.

Am sympathischsten sind dabei noch die DIY-Stände, wo man aus Karotten Föten schnitzt, Lampen umstrickt oder eigene kleine Animationen improvisieren kann.

reynoldreynolds_transmediale11

Aber ich will nicht nur schlecht reden, es gibt auch sehr schöne, höchst artifizielle, letzlich nicht entschlüsselbare und vielleicht gerade dadurch stark anziehende Arbeiten zu sehen, und auch hier möchte ich exemplarisch eine Arbeit benennen. Wirklich wunderbaren Kunstgenuss bietet Reynold Reynolds im Studio 4, wo auf 8 Videoscreens die zusammenhängende „The Secret Trilogy“ zu sehen ist. Man erlebt den Gang der Zeit und den Lauf der Dinge, Leben und Tod, Selbsterkenntnis und Sexualität, fressen und gefressen werden, wachsen und sterben und es ist ein köstlicher Zeitvertreib. In Stop-Motion-Technik reihen sich symbolisch aufgeladene und poetische Bilder aneinenader, flimmern in künstlerischer Überhöhung und atemloser Geschwindigkeit.

Das Programm der transmediale 11 ist riesig und sicherlich gibt es ebenso viele interessante wie uninteressante Dinge zu sehen. Man muss es halt zu nehmen wissen.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

22. November 2010 00:34:40

… Zukunft, die nicht mehr ist, was sie einst war: Anmerkungen zu einer Ausstellung in Warschau

Paul Valery (1871-1945) behauptete einmal über die Zukunft, dass sie nicht mehr sei, was sie einst war. Was das in der Kunst meinen könnte zeigt das Warschauer Zentrum für Zeitgenössische Kunst aktuell mit hochspannenden Videoinstallationen, animierten Filmen und Bildern überwiegend junger Künstlerinnen und Künstler aus Ungarn, USA, Polen, China, Italien, Österreich und Südkorea. In einer von Magdalena Sawón kuratierten Ausstellungen sind Arbeiten von Tamas Banovich, Kevin Bewersdorf, Mikolaj Dlugosz, Kenneth Tin-Kin Hung, Michael Mandiberg, Eva und Franco Mattes, Joe McKay, Ursula Endlicher, Joo Youn Peak, Zach Gagen und The Yes Men im seit 1996 als Museum und Galerie fungierenden Schloss Ujazdowski zu besichtigen.

… Weiterlesen

 
 

 

22. Mai 2009 21:05:48

… inspiriert: auf der TYPO Berlin 2009 »SPACE«

Im Moment läuft die 14. Internationale Designkonferenz TYPO Berlin 2009, die sich in diesem Jahr dem Thema »SPACE« widmet. (studio adhoc macht auch in diesem Jahr das gesamte Design für den Event, vom Logo, über die Website bis hin zu Konferenztaschen und dem Bühnebild, einschließlich Intro-Trailer usw.) Heute Abend habe ich im Vortrag von Mario Lombardo zwei Sachen gehört, die mir – so habe ich jedenfalls gerade das Gefühl – wichtig werden. 1. „Wenn wir das deutsche Grafikdesign voran bringen wollen, dann geht das nur über Autorenschaft.“ 2. (als Motto und Vorsatz:) „Leidenschaft, Bedeutung, Intelligenz“.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

5. April 2009 15:03:52

… Remix: Lawrence Lessig zu den gesellschaftlichen Gefahren des Copyrights

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Neue Medien, neue Technologien, neue Grenzen der Kreativität. Das bestehende Urheberrecht, insbesondere das US-amerikanische Copyright, kriminalisiert eine ganze Generation, die Musik und Bilder samplet, remixt und – nicht-kommerzielle – via YouTube und ähnliche Plattformen publiziert oder austauscht. „Produktpiraten“ sagen die Majors. Das ist kurzsichtig argumentiert und schlecht für die Gesellschaft – und für den Profit, argumentiert der Harvard-Rechtsprofessor und Creative Commons-Gründer Lawrence Lessig in seinem neusten Buch „Remix. Making Art and Commerce Thrive in the Hybrid Economy. Mit zahlreichen ebenso absurden wie komischen Beispielen und prägnanten Analysen belegt er, warum das aktuelle Urheberrecht längst nicht mehr zeitgemäß ist, und die Behauptung, jeder, der die modernen Medien kreativ, kritisch und frech nutzt, kriminell sei, ein Schuss ist, der nach hinten losgeht. In fünffacher Hinsicht tut eine Reform des Copyrights Not, erläutert der militante Kämpfer für einen klugen und pragmatischen Umgang mit dem Recht, das künstlerische Arbeit schützen soll. Die Anwälte von Sony, Universal und Warner werden es nicht gerne lesen. Sie versuchten schon – vergeblich – in den 1970er Jahren, den Vormarsch der Videokassette zu stoppen. An den Austausch- und Distributionsformen des 21. Jahrhunderts könnten sie sich eine goldene Nase verdienen, und letztlich doch die Zähne ausbeißen. Weder technologischer Fortschritt noch Kreativität lassen sich durch Gesetze aufhalten. Die hybride Ökonomie profitiert vom Sampling und Remix. Sie ist die Ökonomie der Zukunft.
Spannende Lektüre, wenn auch vorerst nur im englischen Original bei Bloomsbury, London.

Die Fallbeispiele sind dokumentiert bei http://remix.lessig.org.
Mehr zu Creative Commons unter http://de.creativecommons.org/

 
 

 

30. September 2008 17:57:53

… umgeformt: In jeder SPAM-Mail steckt ein Musical

Trotz der großen Medienkompetenz, die man sich selbst gerne zuschreibt, passiert es immer wieder Mal: Der Text einer durch den SPAM-Filter geglittenen SPAM-Mail fesselt einen für ein paar Momente, weil die Botschaft so dreist, abgedreht, verhexelt oder nicht mehr dechiffrierbar ist, dass man im Text eine künstlerische Qualität oder Absicht zu entdecken glaubt. Wie oft dachte ich schon, man sollte mal was draus machen? Nun endlich hat es ein internationales Team unter dem Namen „SPAM the musical“ gemacht. Sie sammelten die „schönsten“ SPAM-Mails und ließen sich von den Texten zu Revue-Nummern eines Web-Musicals anregen. So entstanden inzwischen drei bei Youtube gehostete Clips über drei klischeehafte SPAM-Botschaften: Der typische Hilfeschrei wurde zum Clip „The Dying Widow“, die Gewinnbenachrichtigung zu „The Lottery“ und das Sexpartnergesuch zu „The Lonley Girls“. Jeder Clip wird von einem zweiten Teil konterkarriert der in der Botschaft mündet: „Tell the world how fabulous and f***ed up, we are.“

Weil das Ganze als Kunst ist, wird es derzeit in der Galerie Wagner in der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain gezeigt und die Künstler verschicken selbst nun SPAM-Mails, um auf sich aufmerksam zu machen. So bekam ich eine Mail von „Vincent van Gogh“, der zum Abschluss des Textes mit den Worten „I wish I still had both ears to hear this stuff!“ zitiert wird. Ob ihm das geholfen hätte?

(Entweder JavaScript ist nicht aktiviert, oder Sie benutzen eine alte Version von Adobe Flash Player. Installieren Sie bitte den aktuellsten Flash Player. )

Noch bis 11.10.2008 in der Galerie Wagner, Karl-Marx-Allee 87, 10243 Berlin

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

10. Juni 2008 11:57:13

… gehackt: Angriff aus der Türkei

bursacity1.jpg

Soll man davon erzählen oder nicht? Wir glauben schon!

Heute Nacht wurde die Startseite von Berlin-ist.de von einem gewissen Burak gehackt. Er hat eine eigene Start-Page (default.html) aufspielen können, so dass unser System nicht mehr angesprochen wurde. Unsere Website und alle Datenbankinhalte blieb dabei völlig unberührt, so dass wir durch einfaches Entfernen der fremden Start-Page wieder den gewünschten Zustand herstellen konnten. Der Hacker kam über eine Sicherheitslücke von Web-DAV rein, was wir jetzt abgeschaltet haben, und hinterlies dabei eine Spur, die in die Türkei führt:

Die IP mit der sich Burak einwählte ist die 88.246.132.216 und er kam ohne Proxis aus Denizli/Türkei. Aufgespielt wurde eine Website, die zu www.bursacity.org führt, wo recht aggressiver, türkischer HipHop abgespielt wird. (Die Texte verstehe ich leider nicht. Vielleicht kann mal jemand ein bisschen übersetzen.)

Interessant ist der Hacker-Name „Burak“, denn in der nicht-türkischen Schreibweise bezeichnet das Wort „buraq“ im Islam ein weißes pferdähnliches Reittier mit Flügeln und Menschenantlitz, auf dem nach der Überlieferung der Prophet Mohammed in den Himmel flog (laut Wikipedia). Da stellt sich die Frage, ob Hacken nun auch schon als legitimes Mittel Kampf der Kulturen angesehen wird, und warum eine derartige Attake gerade uns trifft, wo wir doch immer für den Dialog, für Verständigung, für Offenheit und für Gleichberechtigung eintreten. Wir halten nichts von der stumpfen Theorie des Kampfes der Kulturen! Na ja, vielleicht gerade deshalb.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Internet

 
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