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Archiv der Kategorie ‘Literatur‘

16. Januar 2012 13:37:50

… Ort der Umwandlung: Sarrazins Buch wird abgeschafft

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Das in voller Gesellschaftsbreite durchdiskutierte und trotzdem wenig gelesene Buch (auch von mir nicht) von Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ ist inzwischen das meiste verkaufte Sachbuch eines deutschen Autors in der Nachkriegszeit. Rund 1,3 Millionen Exemplare haben es in die deutschen Buchregale geschafft, wo sie nun vermutlich neben anderen ungemein sachdienlichen Büchern von Hans-Olaf Henkel oder Karl Theodor zu Guttenberg stehen. Weil derartige Belastungskörper natürlich besser schnellst möglich anderen Nutzungen als der allgemeinen Volksverblödung zugeführt werden sollten, hat nun anlässlich der kommenden siebten Berlin Biennale der tschechische Künstler Martin Zet die Buchsammel-Aktion „Deutschland schafft es ab“ gestartet, deren Ziel es ist, möglichst viele der Sarrazinischen Schriften zusammenzubringen, um sich so davon zu entledigen. Die Berlin Biennale wird in dieser Angelegenheit organisatorisch unterstützend tätig und wird deutschlandweit den Büchertransport übernehmen.

Die Aktion wurde am 12. Januar veröffentlicht und bereits jetzt gibt es einen erwartungsgemäßen Aufschrei von Menschen, die eine zentrale, politisch motivierte Büchervernichtung erwarten. Das seien „Nazimethoden“ ist als einhellige Meinung zu hören und alle befürchten eine Bücherverbrennung, als könnte ein zeitgenössischer Künstler keine kreativere Strategie entwickeln, als alle Bücher auf einen Haufen zu werfen und ein bisschen mit dem Feuer zu spielen.

Ich finde die Aktion sehr spannend, gerade weil die politischen Lager so wunderbar aufgemischt werden:
Heftige Sarrazingegner werden zu Gegnern einer Gegen-Sarrazin-Aktion. Sarrazinbefürworter, die vermutlich auch schon mal den Koran einer organisierten Verbrennung zuführen würden (böses Vorurteil!), dürfen sich als Opfer einer politischen Säuberungsaktion begreifen. Und die ganze Aufregung schon im Vorfeld, bevor überhaupt irgendjemand weiß, was aus den hoffentlich vielen Büchern entstehen wird, die Martin Zet einsammeln kann. Vielleicht baut der Künstler ja ein Haus der Verständigung daraus, oder er lässt sie in einem Meer der Tränen schwimmen – wer weiß …

Die Berlin Biennale hat jedenfalls schon drei Tage nach der Erstveröffentlichung der Aktion folgende Klarstellung verbreitet:
„Martin Zet ruft Personen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen von dem Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin trennen möchten, auf, es einer künstlerischen Aktion zu spenden. Entstehen soll eine Installation, deren Größe und Ausdruck abhängig ist von der Anzahl der gespendeten Bücher. Während der 7. Berlin Biennale für zeitgenössischen Kunst wird Martin Zet gemeinsam mit dem Publikum an der Frage arbeiten, welchem Zweck die Bücher anschließend zugeführt werden. Das Kunstprojekt hat nicht eine Büchervernichtung zum Ziel, sondern der Künstler verbindet mit der Spende und der Transformation der Bücher einen Akt des Widerstandes gegen den anti-migrantischen und polarisierenden Inhalt des Buches mit künstlerischen Mitteln.“

Das ist leider enttäuschend: Muss wirklich das Publikum in einer Basisdiskussion über den Verbleib der Bücher entscheiden? Warum dieses Einknicken? Ich wünschte mir stattdessen einen wirklich selbstbestimmten, künstlerischen Akt. Martin Zet soll einfach bestimmen, was mit den Büchern zu passieren hat und dann auch persönlich dafür grade stehen. Aber wie es aussieht wird man an einem kleindiskutierterten Konsens mit womöglich paritätischer Aufteilung nicht vorbeikommen. Doch dafür hätte ich natürlich auch gleich eine Lösung parrat: 98 % der Bücher werden dem Wertstoff-Recycling zugeführt und der Erlös dafür einer Vielzahl von Organisationen zur Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund gespendet (ein Bewerbungsverfahren für die Organisationen kann unverzüglich eingeleitet werden) und 2 % dürfen von einer radikalen Minderheit öffentlich und fröhlich verbrannt werden.

Übrigens: Das private und einzelne Buchverbrennen ist im Gegensatz zur politisch motivierten, öffentlichen Autodafé ein Akt der inneren Reinigung und im Falle der Verbrennung im heimischen Ofen auch noch eine relativ nützliche Angelegenheit, sofern es im Winter geschieht. Das kann ich aus eigener Erfahrung sehr empfehlen.
Die reguläre und täglich praktizierte Art des massenhaften Bücher-Recylings ist hingegen ein sehr unterkühltes Verfahren: kleinhäckseln, einweichen, vermengen und zu minderwertigem Papier verarbeiten. Mit solchem kann man sich dann entweder den Hintern abwischen oder Paperback-Auflagen drucken. Ob es zwischen diesen möglichen Nutzungen eine moralische Wertigkeit gibt, sein dahingestellt.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

14. Dezember 2011 19:04:13

… dezemberlich: Bekennerschreiben

Leute, schaut auf diese Stadt! Der Berliner Senat, mühelos in verborgener Kleinarbeit vorbereitet, nach außen hin aber gewohnt lässig – proudly presents: Eine neue Maßeinheit – das Braun. Ein Braun (in Zahlen: 1) ist die Zeit zwischen der Ernennung und dem Ausscheiden eines Senators und wurde nach dem Eichometer, das im Keller des Roten Rathauses installiert wurde, auf genau elf (in Zahlen: 11) Tage festgelegt. Wie wegweisend und kooperativ Berlin wieder arbeitet, zeigt sich daran, dass diese neue Einheit auch für Minister, Parteivorsitzende und Generalsekretäre, Trainer aller Art, Intendanten, vor allem aber für die Bearbeitungszeit in der Verwaltung genutzt werden kann. Für die Prüfung einer Steuererklärung (also, wenn der Bürger ein Rückzahlung erwartet) könnte man zehn Braun in Ansatz bringen. Ja, hier wurde know how kreiert, dass andere Bundesländer übernehmen könnten, wenn sie  nicht selbst schon genug Ärger haben. Wie geht es nun, dezemberlich gefragt, in unserer Stadt weiter: Rot (+Purpur!)/Schwarz oder sexy?

Keine Ahnung, denn Berlin ist ja vor allem die Stadt der Touristen. Wir anderen leben hier nur und schätzen die alltäglichen Abläufe und Höhepunkte. So gefallen mir z. B. die DPD-Fahrer ausnehmend gut. Die klingeln eine Nanosekunde an der Haustür, aber noch vor Ablauf dieser Zeitspanne sind sie wieder weg, drücken einem Kioskbesitzer die Sendung in die Hand und vergessen dabei, den Zettel im Briefkasten des eigentlichen Empfängers anzubringen. Denn: Die Bewegung ist alles, das Ziel nichts. Oder unsere Politessen mit ihren schmucken Uniformen und adretten Frisuren: Sie machen einen großen Bogen um Firmenfahrzeuge, die Eingänge blockieren und um Kampfhundebesitzer, deren Lieblinge ihre Beißerchen maulkorbfrei zeigen. Nur der private Falschparker steht auf ihrer cash-Liste und hat eine reale Chance für die Aufnahme in eine Sünderdatei.

Ich bekenne weiterhin: In dieser Stadt der Kreativen und Think Tanks soll der Teufel all jene holen, ob Firma oder Behörde, die – obwohl sie es sich leisten könnten - junge Leute und Absolventen für Praktika, Wochenendarbeit und Überstunden gar nicht oder nur erbärmlich bezahlen, ihnen nicht mal einen Arbeitsvertrag geben. Weiter: Sollen doch Hauseigentümer und Vermieter auf ihren notdürftig sanierten Wohnungen, die sie von Auszug zu Auszug immer teurer vermieten, sitzenbleiben. Und: Ich wünsche allen ein nachdenkliches Weihnachtsfest, die ihre Kunden betrügen, ob sie Banker, Arzt oder Gemüsehändler sind oder jene, die, national berauscht, vermeintlich Schuldige bei Minderheiten suchen und die wirklichen Übeltäter nicht sehen wollen.

Schließlich: Welcher Stellenwert für diesen Senat, mit dem wir noch viel erleben werden, und seinen Kultursenator große deutsche Literatur und das deutsch-deutsche Kulturerbe besitzt, zeigt die Nichtanwesenheit offizieller Vertreter bei der Beerdigung von Christa Wolf. - Für Ignoranten hilft vom Weihnachtsmann nur noch die Rute und am besten für 2012 vorsorglich gleich mit!

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

1. Dezember 2011 22:45:02

… zu Ende gegangen: Christa Wolf

„Die Stadt, kurz vor Herbst noch in Glut getaucht nach dem kühlen Regensommer dieses Jahres, atmete heftiger als sonst. Ihr Atem fuhr als geballter Rauch aus hundert Fabrikschornsteinen in den reinen Himmel, aber dann verließ ihn die Kraft, weiterzuziehen. Die Leute, seit langem an diesen verschleierten Himmel gewöhnt, fanden ihn auf einmal ungewöhnlich und schwer zu ertragen, wie sie überhaupt ihre plötzliche Unrast zuerst an den entlegensten Dingen ausließen. Die Luft legte sich schwer auf sie, und das Wasser – dieses verfluchte Wasser, das nach Chemie stank, seit sie denken konnten - schmeckte ihnen bitter.
Aber die Erde trug sie noch und würde sie tragen, solange es sie gab …“

„… Der Tag, der erste Tag ihrer neuen Freiheit, ist fast zu Ende. Die Dämmerung hängt tief in den Straßen. Die Leute kommen von der Arbeit nach Hause. In den dunklen Häuserwänden springen die Lichtvierecke auf. Nun beginnen die privaten und öffentlichen Zeremonien des Abends – tausend Handgriffe, die getan werden, auch wenn sie am Ende nichts anderes bewirken als einen Teller Suppe, einen warmen Ofen, ein kleines Lied für die Kinder. Manchmal blickt ein Mann seiner Frau nach, die mit dem Geschirr aus dem Zimmer geht, und sie hat nicht gemerkt, wie überrascht und dankbar sein Blick ist. Manchmal streicht eine Frau einem Mann über die Schulter. Das hat sie lange nicht getan, aber im rechten Moment fühlt sie: Er braucht es.
Rita macht einen großen Umweg durch die Straßen und blickt in viele Fenster. Sie sieht, wie jeden Abend eine unendliche Menge an Freundlichkeit, die tagsüber verbraucht wurde, immer neu hervorgebracht wird. Sie hat keine Angst, daß sie leer ausgehen könnte beim Verteilen der Freundlichkeit. Sie weiß, daß sie manchmal müde sein wird, manchmal zornig und böse.
Aber sie hat keine Angst.
Das wiegt alles auf: Daß wir uns gewöhnen, ruhig zu schlafen. Daß wir aus dem vollen leben, als gäbe es übergenug von diesem seltsamen Stoff Leben.
Als könnte er nie zu Ende gehen.“

(Erster und letzter Abschnitt aus dem Roman „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf – Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1975)

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

8. November 2011 23:51:45

… schön. Der Berliner Flaneur Franz Hessel

Flughafen Tempelhof 2009 @LiAGeese

Ein „Memorieren im Schlendern“ nennt Walter Benjamin, der Autor des Passagenwerks, Franz Hessels 1929 erschienenes Buch Spazieren in Berlin. Wie Benjamin ist Hessel ein Flaneur und feinsinniger Beobachter, der kompromisslos subjektiv eine Stadt beschreibt, die nicht mehr und zugleich doch immer ist. Faszinierend, und selbst für intime Kenner der Berliner Stadtgeschichte lehrreich, sind dabei nicht nur seine liebevollen Beschreibungen des Alltags – Märkte, Mode, Manufakturen – und touristischer Highlights – Dom, Schloss, Dampferfahrt –, sondern die Parallelen, die sich, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, zum heutigen Berlingefühl ergeben.

Hessel erzählt von einer Stadt im Aufbruch, in der der Erste Weltkrieg Erinnerung zu werden beginnt, die boomt, die geprägt wird vom architektonischen Übergang von der Gründerzeit zur Moderne, in der „Groß-Cafés“ entstehen, und in der er Heldendenkmäler nur noch als hässliche Anachronismen wahrnehmen möchte. Zentrale Plätze ändern ihr Gesicht, das Scheunenviertel verschwindet, der Alexanderplatz entsteht, neben den Bauten Schinkels manifestieren die prächtigen „Tempel der Arbeit“, die Peter Behrens für Borsig und Siemens errichtet, die Metropole im Werden. Hessels Begeisterung für die urbane Dynamik und den Nonkonformismus, die auch das heutige Berlin wieder auszeichnen, stecken an. Gleichgültig ob man mit ihm über „die weite Fläche“ des Flughafens Tempelhof spaziert, den „alten Westen“ der Maaßen-, Derfflinger- und Kurfürstenstraße besucht, der „aus der Mode gekommen ist“, weil die Wohlhabenden „jetzt“ am Ku’damm und im Westend leben, oder „die Budenstadt eines Marktes“ ansteuert, „der das ganze Maybacher Ufer bedeckt“: Man kann sich der unbändigen Sehnsucht des Autors nach dem Bestehenden nicht entziehen.

Und doch sieht die Leserin heute natürlich auch die Vorboten des Grauens, das nur vier Jahre nach dem Erscheinen des Buches die Gesellschaft zu durchdringen begann und vor dem der Romancier, Lyriker und Rowohlt-Lektor Hessel am Ende selbst fliehen musste. Im Rückblick erschauert man, wenn man seinen Bericht über den Schöneberger Sportpalast liest: „Mit unparteiischem Echo dröhnen seine Wände ‚Hakenkreuz am Stahlhelm’ und ‚Auf zum letzten Gefechte’ wider wie die Zurufe der Sportfreunde. Es ist ja alles Überschwang derselben ungebrochenen Lebenslust.“

Wie rasch diese „Lebenslust“ bei den Nazis zur Mordlust wurde, spürte der 1880 geborene Sohn eines jüdischen Bankiers bald am eigenen Leib. Bis kurz vor den Novemberpogromen 1938 blieb er trotz Berufsverbots in Deutschland. Dann kehrte er – widerwillig – nach Paris zurück, wo er bereits während des Ersten Weltkriegs gelebt hatte. 1940 flieht er von dort vor der vorrückenden deutschen Wehrmacht ins südfranzösische Sanary-sur-Mer, wo er bald nach seiner Freilassung aus dem berüchtigten Internierungslager Les Milles, 1941 stirbt.

Im Geleitwort zur 2010 erschienenen Neuauflage des Buches seines Vaters schreibt Stéphane Hessel (Indignez-vous!): „Heute bin ich viele Jahre älter, als mein Vater gelebt hat. Mehr denn je scheint es mir nun notwendig, seine Botschaft weiter zu tragen. Jahr um Jahr kommt sie mir näher. Ohne sie, so erscheint es mir heute, können wir die bedrohliche, gefährliche, zerbrechliche Gesellschaft unserer Zeit nicht bewältigen. Aus der Erschütterung, die er nicht überlebte, trifft sein Lächeln mich tiefer als jeder Schrei.“

Franz Hessel formulierte eine eigene Botschaft speziell für die Berliner, denen er das Nachwort widmet: „Bisher wurde Berlin vielleicht wirklich nicht genug geliebt.“ Und er fordert seine Mitbürger auf: „Wir Berliner müssen unsere Stadt noch viel mehr – bewohnen“, was gar nicht so leicht sei „bei einer Stadt, die immerzu unterwegs, immer im Begriff ist, anders zu werden und nie in ihrem Gestern ausruht. … Wir wollen es [Berlin] … so lange anschauen, liebgewinnen und schön finden, bis es schön ist.“ Vielleicht wäre der Versuch, sich dieser Aufgabe anzunehmen, auch eine Form, das Gedenken an einen der vielen, die der Nationalsozialismus ins Exil und in den Tod trieb, wachzuhalten. Inspiriert von einem zauberhaften Buch, dessen Lektüre Vergänglichkeit ebenso wie die schönen Seiten vergangener Welten evoziert. Die Gegenwart birgt schließlich die Vergangenheit ebenso wie die Zukunft.

 
 

 

6. November 2011 19:35:36

… dramatisch: Selbstmord eines Dichters

Es war heute beinahe schon unheimlich still im Zuschauerraum. Sekunden vergingen, ehe sich der Bühnenvorhang hob und die Grande Dame des Deutschen Theaters, Inge Keller, mit der Lesung begann. Darin ging es, kurz gesagt, um eine alleinstehende Frau mit zwei Kindern, die nun zum dritten Mal schwanger wird, jedoch den Vater nicht kennt. Um ihn zu ermitteln, setzt sie eine Annonce in die Zeitung und fordert ihn auf, sich bei ihr zu melden, um ihn zu heiraten. Die Erzählung beginnt wie folgt:

In M…, einer bedeutenden Stadt im oberen Italien, ließ die verwitwete Marquise von O…., eine Dame von vortrefflichem Ruf, und Mutter von mehreren wohlerzogenen Kindern, durch die Zeitungen bekannt machen: daß sie, ohne ihr Wissen, in andre Umstände gekommen sei, daß der Vater zu dem Kinde, das sie gebären würde, sich melden solle, und daß sie aus Familien-Rücksichten, entschlossen wäre, ihn zu heiraten …“

Inge Keller weiß, wie nur wenige deutsche Schauspieler, ihre Worte, Pausen, Gesten und Mimik wohl zu setzen. Trotz des anspruchsvollen Textes ist es ein Genuss, ihr zu lauschen. Natürlich ist auch der Autor der Erzählung, der präzise Sprache mit komplizierten Satzkonstruktionen bewundernswert unfallfrei verbindet, daran nicht unbeteiligt. Er erzeugt Spannung, obwohl die Handlung Jahrhunderte zurück liegt, wie auch bei dieser Erzählung, die wie folgt beginnt:

An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Roßhändler, Namens Michael Kohlhaas*, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit …“ (Hier geht es im folgenden um das Recht des Einzelnen im Staat und seine schließliche Durchsetzung durch Selbstjustiz)

Beide Erzählungen – „Die Marquise von O….“ und „Michael Kohlhaas“ – stammen aus der Feder von Heinrich von Kleist (1777-1811), deutscher Dramatiker (u.a. „Der zerbrochne Krug“) und Erzähler. Die in jenen beiden gewählten Sujets lassen bereits erahnen, dass er ein „Außenseiter im literarischen Leben seiner Zeit“ war. Immer wieder setzte sich Kleist künstlerisch mit dem Verhältnis von Bürger, Obrigkeit, Recht und Moral auseinander, doch scheiterte er immer wieder am Staat, u.a. durch Aufführungsverbot für „Der Prinz von Homburg“. Dieses, Krankheit und materielle Not führten schließlich zu dem verhängnisvollen Ende. Am 21.11.1811, also vor fast genau 200 Jahren, schied Heinrich von Keist, gemeinsam mit einer Freundin, am Kleinen Wannsee aus dem Leben. Ob der dort befindliche kleine Gedenkstein inzwischen restauriert wurde, ist mir nicht bekannt.

* An die historische Figur des Michael Kohlhase oder Michael Kohlhaas erinnert der kleine Ort Kohlhasenbrück am südwestlichen Zipfel Berlins gelegen.

Nachtrag 19.11.11: Lt. Berliner Zeitung von gestern wurde die Grabstätte am Kleinen Wannsee erneuert und wird am 21.11.11 übergeben.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

14. September 2011 20:21:07

… nicht Wien: Buchvorstellung im Österreichischen Kulturforum mit Eva Menasse und Thomas Kapielski

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Nach der Lesung im Gespräch von links nach rechts: Der Verleger Joachim Otte, die Autorin und „Patin“ des Buches Eva Menasse und der Berliner Autor Thomas Kapielski

Das war schon recht amusant, wie gestern Abend im Österreichischen Kulturforum bei der Buchvorstellung „Wien, küss die Hand, Moderne.“ zwischen Wien und Berlin kleine zänkische Nettigkeiten ausgetauscht wurden. Schon der österreichische Kulturattaché Wilhelm Pfeistliger brillierte mit einer wortverliebten Eingangsrede über den lebendigen Tod und im unsterblichen Wien (schade, dass sie niergend veröffentlicht wird) und die folgenden Lesungen der beiden Autoren Eva Menasse und Thomas Kapielski brachten zwei ganz unterschiedliche Annäherungen ans Thema „Wien“ auf die Bühne. Einmal aus der Sicht einer, die Wien wohlüberlegt verlassen hat und halb wehmütig und halb erleichtert zurück blickt, und einmal von einem, der als Kaffeetester extra hingeschickt wurde und den nach einiger Zeit der heiße Mokkafuror trieb.

Der Kapielski-Text über einen 3-tägigen Dauertest in unzähligen Wiener Kaffeehäusern kann man auch beim Österreichischen Standard nachlesen. Dort im Schriftbild leider schwer zu lesen, im Vortrag des Autors war’s aber höchst amüsant.

Das Buch ist im Corso Verlag erschienen.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

6. März 2011 11:25:21

… erstaunlich: „The New York Times“ entdeckt jetzt Fallada

In der vergangenen Woche entdeckte ich ihn im Schaufenster eines Bücherladens: Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“. „Ein literarisches Großereignis“ meint dazu „The New York Times“ auf dem Werbeflyer des Aufbau-Verlages. Ich habe das Buch (Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1. Auflage 1981) schon vor einigen Jahren gelesen. Die Erstausgabe erschien 1947 ebenfalls dort.

Einige kennen ihn gar nicht: Hans Fallada (Rudolf Ditzen). Er schrieb in „Ein Mann will nach oben“ so anschaulich über Berlin, als ob er immer in dieser Stadt gelebt hätte. Wenn man eines seiner Bücher, wie eben jenes über das Berlin rund um den Stettiner Bahnhof (heute DB-Neubauten bzw. Nordbahnhof) oder anderes gelesen hat, wird man viele seiner Helden nicht mehr vergessen: Pagel, Lämmchen, Karl Siebrecht, Anna und Otto Quangel und viele andere. Seine Protagonisten haben immer etwas von ihm, von seinem Leben voller existentieller Unsicherheit, Verzweiflung, Sehnsucht, Lust, aber auch der Gutwilligkeit und Gutgläubigkeit. Hans Fallada erzählt in seinen Romanen über das flirrende oder ganz gewöhnliche Leben, er läßt Menschen abstürzen und wieder aufstehen, durchmisst die Irrungen, Ängste und die Not eines Getriebenen, der er selber immer war. Aber er beschreibt auch den Optimismus, das Streben und Glück seiner Helden, dieses wunderbare Durchhalten und Ankommen, welches er mit lebendiger und oft meisterhafter Sprache dem Leser ans Herz führt. Fallada selbst war anscheinend immer nur Gast in seinen Lebensstationen, in Verzweiflung und verzehrendem Suchen nach Halt. Was er sich im Leben in nur geringem Maße schuf und fand, lebt in seinen Büchern. Fast möchte man meinen: Je schlechter es in und um ihn war, umso besser schrieb er.

Hier nur Beispiele: In „Der eiserne Gustav“ läßt Fallada seinen Held Gustav Hackendahl in der Zeit des aufkommenden und obsiegenden Automobils mit der Droschke von Berlin nach Paris kutschieren. Der alte Hackendahl will sich mit Tradition gegenüber dem Neuen behaupten, seiner Familie auch weiterhin Halt und Vorbild sein. Wolfgang Pagel – in der Verfilmung (TV DDR) von „Wolf unter Wölfen“ (1965) mit dem jungen Armin Mueller-Stahl – schlägt sich in der Zeit der Inflation und Wirtschaftskrise 1922/23 durch das Leben und gerät in die Wirren dieser Zeit. „Kleiner Mann, was nun“, der Roman, durch den Fallada weltberühmt wurde und der von der zähen Überlebenskraft der „kleinen Leute“ erzählt (TV DDR 1967 mit der großartigen Jutta Hoffmann als Lämmchen, TV BRD 1973) und schließlich „Jeder stirbt für sich allein“, 1947 in wenigen Wochen geschrieben. Dieser Roman erzählt in dichter Form – teilweise auf Tatsachen beruhend – über ein älteres Berliner Ehepaar, welches in der Nazizeit seinen persönlichen Widerstand geleistet hat. Dieses Buch – Fallada schrieb es, obwohl bereits sehr krank – ist spannend wie ein Krimi – es wurde in BRD/DDR insgesamt dreimal verfilmt – aber schlussendlich auch ein Leseereignis bedrückendster und berührenster Art. Der, durch Ereignisse der letzten 22 Jahre nun andere, Aufbau-Verlag hat jetzt dieses Buch in „ungekürzter Originalfassung“ (Aufbau-Verlag) herausgebracht.

Fallada starb 1947. Seine Bücher sind aber auch heute lesenswert, einige Filme in jeder guten Videothek auszuleihen. Abschließender Tipp: Der Besuch der Hans-Fallada-Gedenkstätte in Carwitz (Nähe Feldberg) und der schönen Umgebung ist empfehlenswert.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

16. Februar 2011 09:49:15

… wörtlich: Gysi, Gast und Goldfisch

„Im Anfang war das Wort“. (Ein Satz wie ein Felsen). „Rede mit mir“, bittet der fremdgängerische Mann seine Ehefrau. „Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen!“, meint Goethes Direktor im „Faust I“. Widersprüchliches: Halte den Mund, aber gib mir Dein Wort. Thomas Gottschalk macht nun beides und beendet seine „Wetten das“-Laufbahn, die ja auch vor allem eine Lizenz zum Reden, zum Fragen enthielt.

Das Deutsche Theater veranstaltet seit geraumer Zeit die Gesprächsreihe „Gregor Gysi trifft Zeitgenossen“. Gysi und sein jeweiliger Gast präsentieren sich an ausgewählten Sonntagen um 11.00 auf der Bühne und reden miteinander. Zeugen dieses Gesprächs sind zwei, munter in einem Aquarium schwimmende, Goldfische und ein, in aller Regel, vollbesetzter Zuschauersaal. Gysi gibt hier nicht den Parteipolitiker, sondern nahezu ausschließlich den freundlichen, gut vorbereiteten Gastgeber, der sowohl dem Bühnenquartett, als auch dem Publikum das Gefühl vermittelt, einem besonderen Sonntagvormittag beizuwohnen. Auf der Bühne regiert die höfliche Distanz, die bohrende Frage, das nachdenkliche Gesicht, der übersprudelnde Mund, das phänomenale Gedächtnis, die überraschende Information, der gut erzählte Witz, die genuschelte Erklärung, die stumme Betroffenheit und manchmal ein reiches, im Zeitraffer erzähltes, Leben. Ein einziger Mensch steht hier im Mittelpunkt und ein anderer – jenseits aller Hektik – befragt ihn. Gysi hangelt sich mit seinen Fragen am Lebenslauf seines Partners entlang, besucht auch die Nebenstationen und hinterfragt Motive und Gefühle. Das ermöglicht Aufmerksamkeit, füllt die Bühne und beansprucht Kopf und Herz des Zuschauers hinreichend. Das Gespräch bringt ihn zum Staunen, Nachdenken, Lachen und entlässt ihn nach gut zwei Stunden verändert in den Tag.

Die Liste der bisher eingeladenen Gäste ist lang und vielsagend. Um nur einige zu nennen: Klaus Maria Brandauer, Kurt Maetzig, Peter Scholl-Latour, Wladimir Kaminer, Hape Kerkeling, Thomas Langhoff, Wolfgang Kohlhaase, Roger Willemsen und jüngst Mario Adorf. Besonders interessant war es immer dann, wenn dem Prominenten etwas entlockt werden konnte, was er nicht schon mal im Fernsehen von sich gegeben hat. Das gelingt oft gut, denn eine Kamera ist hier nicht dabei. Eine überproportionierte Selbstdarstellung musste man bei dieser Gesprächsreihe bisher selten erleben, aber auch sie gehöre dazu.

Die Veranstaltungen sind, wie nicht verwunderlich, lange vor dem Termin ausverkauft. Dass ich mit diesem Text die Karten-Chancen nicht gerade verbessere, liegt auf der Hand. Aber: Auf Qualität muss man hinweisen. Das nächste Gespräch findet am 27. März 2011 statt. (Eintritt: 8,- €uro) Gast ist der frühere sowjetische Botschafter (1971-78 in der BRD), Diplomat und jetzige Journalist Valentin Falin.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

21. Dezember 2010 09:33:47

… nachdenkend: Über Tucholsky

Nach ihm sind in Berlin heutzutage Schulen, Straßen, Büchereien und sogar Gaststätten benannt, letzteres hätte ihm vielleicht besonders gefallen. Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 im Stadtteil Moabit geboren. Er liebte seine Stadt und die Menschen, wenn auch nicht jedermann und zu allen Zeiten. Das er, trotz gutbürgerlicher Umgebung, in der er aufwuchs, auch von den einfachen Leuten wusste, zeigt z.B. sein Gedicht „Danach“, das auch heute noch viele kennen. Aber auch dem – alle Gesellschaftsordnungen überlebenden - gemeinen Arschkriecher (Homo Sapiens Anusensis) hat er mit „Karrieren“ (1930) ein paar markante, bleibende Zeilen hinterlassen. Was mir bei Tucholsky besonders gefällt: Dass er in seinem Schaffen auch ab und an mal berlinerte, so wie u.a. in seinem, ebenfalls zeitlosen, Gedicht „Beit Friehstick“ (1931) so wunderbar vorgeführt. Alles in allem: Der Mann hat als Journalist und Schriftsteller sein Wort immer dort eingesetzt, wo ihm etwas auf- oder gefiel, aber auch dort, wo irgendetwas stank. Politisch war der „… kleine, dicke Berliner …“ (Kästner) ganz und gar nicht gemütlich, wenn es gegen Duckmäusertum, manch sogenannten Konservativen, Kadavergehorsam, Spießertum, Beamtenanmaßung, einäugige Justiz, Militarismus (hierzu u. a. das eindringliche „Drei Minuten“ aus dem Jahr 1922) und insbesondere den heraufziehenden Faschismus ging. Seine Texte in den 20-er und 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren mal Florettstiche, oft aber Säbelhiebe gegen die Herrschenden und ihr Verwaltungspersonal.

Er schrieb ein manchmal ironisches, immer reiches, insgesamt exzellentes Deutsch, welches sogar verstanden wurde.  Von seinen Gegnern nur zu gut, deshalb hassten sie ihn auch. Seine Romane (erfreulich kurz, dennoch gut), Reportagen, Feuilletons, Rezensionen (verwiesen sei auf seine Reihe „Auf dem Nachttisch“, wo er unregelmäßig Bücher damals aufstrebender Schriftsteller, wie z.B. B.Traven besprach) und Gedichte sind auch heut noch höchst lesenswert, einige sogar aktueller denn je. „Soldaten sind Mörder“, schmetterte er in „Der bewachte Kriegsschauplatz“ unter dem – er schrieb unter weiteren - Pseudonym Ignaz Wrobel 1931 aus der Zeitschrift „Die Weltbühne“ den Generälen an den Kopf. Was könnte man dem heute, bezogen auf die vielen toten Zivilisten in den Kriegen von Nahem Osten, Irak und Afghanistan, entgegenhalten? Nichts.

Tucholsky schrieb nicht nur gut und viel – es wurde auch publiziert und so lebte er zumindest zeitweise in gesicherten ökonomischen Verhältnissen. Das hinderte ihn – das Gegenteil von einem Sozialromantiker – nicht daran, sich mit den Problemen der Arbeiter und ihrer Familien schreibend immer wieder intensiv zu beschäftigen (z.B. „Bürgerliche Wohltätigkeit“ – 1929) und für sie Partei zu ergreifen. Das unterschied ihn übrigens auch von manchen heutigen Zeitgenossen (mit stabilem Einkommen), die sich mit den Kategorien Armut, Benachteiligung und Solidarität möglichst nur zu den angesagten Charity-Tagen beschäftigen wollen.

Tucholsky war ein vielseitiger Schreiber. Obwohl selbst ein linker Demokrat, hat kaum jemand davor oder danach die Demokraten (Sozialisten) so auseinander genommen, wie er,  z.B. in „Der Geschlechtslose“ (1924) oder „Feldfrüchte“ (1926). Andererseits: Wem gelang schon bis dahin eine so originelle und luftige Großstadtliebesgeschichte, obwohl sie ja im brandenburgischen handelt, wie „Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte“ (1912). Wer sonst noch hat dem Fühlen und Sprechen der einfachen Berliner ein so zurückhaltendes und gleichzeitig berührendes Denkmal gedichtet, wie er, in „>Mutterns Hände“ (1929).

Tucholsky – weil hoch gebildet und kompromisslos, zudem Einzelkämpfer – gehörte zu jenem Typ von Leuten, die sich letztlich in keiner Partei (obwohl kurzzeitig SPD/USPD-Mitglied) wohl fühlen, die aber auch keine Partei haben will. Obwohl er in den letzten zehn Jahren seines Lebens überwiegend im Ausland lebte, waren seine Analysen und Prognosen der deutschen Verhältnisse präzis und beinahe beängstigend wahr. Er wirkte bis 1932 mit Stimme und Schreibgerät gegen die, welche Deutschland in die Katastrophe führten, versuchte aber auch jene aufzurütteln, die „nur mitliefen“. Das gerade letzteres überwiegend erfolglos blieb, deprimierte ihn. Am meisten litt Kurt Tucholsky zeitlebens wohl darunter, dass sein Wunsch nach politischen Veränderungen nicht den entscheidenden Widerhall fand, der ihm auf literarischem Gebiet zweifellos beschieden war.

Mit der Machtergreifung der Nazis wurden auch seine Bücher auf dem jetzigen Berliner Bebelplatz verbrannt. Anschließend vergaßen ihn die meisten Deutschen für einige Jahre.

Zuletzt verließ den streitbaren, aber zunehmend innerlich einsamen und kranken Mann der Mut und er schwieg, am Ende aus seinem (faktischen) Exil in Hindas/Schweden. Am 21. Dezember 1935, also heute vor 75 Jahren, schied Tucholsky aus dem Leben und wurde in Mariefred, nicht weit von „seinem“ „Schloss Gripsholm“ (erschienen1931) beerdigt.

(Fakten und Daten vor allem aus: Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke, Band 1-10, rororo, Sonderausgabe 1995)

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

13. Dezember 2010 17:10:43

… zweimal Benn: einmal gut, einmal nicht

Zwei neue Bücher zu Benn, Biografisches. Man nähert sich skeptisch diesen Sachen, da alles gesagt scheint, Neues kaum zu erwarten und die Kanonisierung Benns endgültig vollzogen ist – obwohl oder gerade weil er so lange Zeit so unkanonisierbar schien. Aber seit Theweleits Kanonade mit Blumen, seit der feurigen Biographie von Fritz J. Raddatz und Helmut Lethen weiß jeder, dass die Trias der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Rilke – Brecht – Benn heißt. Wer von den Jahrgängen 1900 bis 1950 dazukommt, wird sich herausstellen, es sieht außer für Enzensberger für niemanden gut aus. Wir bitten die Anhänger Celans, Nelly Sachs’ oder Bachmanns, die Kärtchen einzureichen. (Bobrowski? Rühmkorf?)

Joachim Dyck verfolgt „Benn in Berlin“, das riecht nach veritabler Biographie, hat Gottfried Benn doch den allergrößten Teil seines Lebens (1886 bis 1956) in Berlin verbracht (1904 bis 1956, sieht man von soldatischen Pflichten in zwei Kriegen sowie von zwei Jahren Hannover ab). Dyck malt tatsächlich das übliche Bild, alles bekannt, vielleicht hat er noch winzige Details dazugetuscht, belanglos, denn das Buch hat eine ganz andere Stoßrichtung – es versucht eine Art später Entnazifierung Benns durch pures Verschweigen. Das ist peinlich weil unnötig, hat Benn doch gerade durch seine Haltung zur Kernfrage des Deutschseins im 20. Jahrhunderts –Totalitarismus / Politisierung der Künstler und Intellektuellen / Habitus des Verschweigens – den Status erreicht, den er unwideruflich hat.

Jeder weiß, dass das deutsche Debakel, die deutsche Katastrophe und das deutsche Verhängnis mitten durch den ewig müden Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten Gottfried Benn ging. Und seither weiß jeder, … Weiterlesen

 
 

 
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(lass ma)

 
 

8. Juni 2011

… poschten II

Wieso bist Du Kasse?

Ich habe meine Mutter einfach selber Shopping laufen lassen

 
 

13. April 2011

… zurück zu home

Schon wieder heute
Kein Klick zurück

Vorsicht schwenkt aus
Nur die Spitzen schneiden

Ich bin atmungsaktiv
Alle Entwicklungen im Live-Ticker

Bitte leer zurück
Jedoch nicht heute

 
 
 
Berliner Ratschlag für Demokratie