Lesezeichen setzen: RSS Feed abonnieren  Zu del.icio.us hinzufügen Zu Technorati Favoriten hinzufügen Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
Seite 1 von 3123»

Archiv der Kategorie ‘Malerei‘

18. September 2013 21:58:50

… BubeDameKönigAss: 4 Männer Egos in der Neuen Nationalgalerie

Direktor Udo Kittelmann der Neue Nationalgalerie trieb die vier im Projekt „Paintig Forever“ kooperierenden Institutionen zum Thema Malerei. Er wollte unbedingt in seinem Museum zeigen, welche in Berlin entstehende Malerei für aktuelle Großsammlungen angekauft wird. Die Marktdynamik fasziniert ihn und er willigt ein – bewusst oder unbewusst – die Definitionsmacht über die Qualität von Kunst, damit endgültig den Sammlern zu übertragen. Brauchen wir das Museum, um den Menschen zu zeigen, was in großen Sammlungen aufgehäuft wird? Kittelmann glaubt schon. Er meint die Kunstkritik kann nicht übersehen, dass es Künstler gibt, die alleine mehr Geld einspielen, als Staatsmuseen an Jahresetat zur Verfügung haben. Darum kommt man nun nicht daran vorbei im Mies van der Rohe Bau darüber zu staunen, welche Kunstwaren marktkonforme deutsche Maler erzeugen. Unter dem Titel „BubeDameKönigAss“ werden die Künstler-Egos wie Trümpfe ausgespielt: Martin Eder (*1968) Michael Kunze (*1961) Anselm Reyle (*1970) und Thomas Scheibitz (*1968). Diese Ausstellung kann man am besten mit Reizwörtern beschreiben: Es ist geil, schräg, krass, mega-groß, fett und knallig. GELD als Energiequelle für den HYPE, als konstituierendes Merkmal für Kunst. Und es ist tatsächlich mitreißend, wenn man den Ekel überwinden kann, den der Protz erzeugt. Wie wenn man beim Kartenzocken einen Lauf hat.

anselm-reyle-nationalgalerie-2013
Anselm Reyle weiß genau, wie man den Markt bedient und er ist schlau genug haufenweise, meist vermutlich ironisch gemeinte aber doch irgendwie sehr gewissenhaft abgehakte, kunstgeschichtliche Anleihen einzubauen, so dass Kunsthistoriker gleich zu fabulieren anfangen – Ives Klein, Jasper Johns, Jeff Koons, Robert Rauschenberg und natürlich die namensverwandte Bridget Riley – stimmt ja alles! Mit seinem vielköpfigen und arbeitsteiligen Team produziert er Werke in Dimensionen, die über alle Arbeiten der genannten herausragen. In dieser Ausstellung werden nur Bilder gezeigt, aber Reyle arbeitet auch gigantös skulptural und baut Hallen-füllende Environments. Je größer, je besser. Zwei der aktuell wichtigsten Praktiken der Kulturindustrie werden perfekt kombiniert: Remixing und Eventisierung. Ob das Bestand hat ist eigentlich total egal, denn es macht zumindest alle Beteiligten reich.

martin-eder-nationalgalerie
Martin Eder – mal dandyhaft, mal verlebt – ist ebenso geschickt im kombinieren von Reizthemen: völlig überzogen zuckersüßer Kitsch im Clash mit unterkühltem Sex, der wie in Frischhaltefolie abgepackt präsentiert wird. Eigentlich ist es eher beschädigte Geschlechtlichkeit als Sex. Und es wirkt irgendwie krank und fremd – als würde man Asiaten zugucken, die mit der Lupe im Anschlag in den Puff zum Tabledance gehen. Aber diese Bilder kitzeln einen schon im Inneren und sie werfen Fragen auf, die man nicht so leicht beantworten kann. Ist ein putziges Kätzchen nicht einfach unglaublich anziehend schön anzusehen, und noch schöner anzufassen? Will man es nicht sofort auf den Arm nehmen und lieb haben? Genau wie die Mädchen, die man da aus diesen schlimmen Bildern holen will, um sie mit aufgewärmten Frotteehandtüchern zu empfangen? Ist Schönheit noch mehr als ein globalisiertes Kulturgut? Massenkompatibel und kapitalistisch geprägt? Und kann oder soll man sich dem erwehren? Will man das überhaupt? Ich finde dieses Werk spannend!
thomas-scheibitz-nationalgalerie
Thomas Scheibitz ist der konventionellste, gerade noch abstrakt arbeitende Maler in diesem Quartett. Seine Bilder sehen aus, als gehörte er einer anderen – älteren – Generation an, die noch Interesse an in der Kunst selbst liegenden Themen hat. Aber sein Werk ist auch nur im Zusammenhang mit seinen Skulpturen zu verstehen. Die pure Präsentation seiner Malerei erscheint mir sinnlos. Das ist sehr schade, denn als Künstler, der die Spannung zwischen Bild und Skulptur zuspitzen kann, finde ich ihn hoch interessant.

michael-kunze-nationalgalerie

Das Werk von Michael Kunze ist das einzige in dieser Runde, zu dem ich keinen schnellen Zugang finde. Ich versteh diesen dunklen Wimmelkosmos (noch) nicht – aber er vermitteln schon ein starkes Kunstgefühl. An dem hier zu sehenden Bild „Vormittag“ arbeitet er seit den 1990er Jahren kontinuierlich. In solche Kunst muss man sich einarbeiten und nachlesen und die Zeit hab ich derzeit nicht. Jedenfalls macht des Motto „Painting forever“ hier wirklich Sinn.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

18. September 2013 19:27:21

… unbeabsichtigt gegeneinander: Painting forever – To Paint Is To Love Again – 4 Frauen in der Kunsthalle Deutsche Bank

Im vom Land Berlin finanzierten Projekte „Painting forever“ arbeiten die vier wichtigsten Berliner Kunstinstitutionen zusammen. Das Motto zieht die Aktivitäten von der Berlinischen Galerie, der KunstHalle Deutsche Bank, des KW – Kunstwerke und der Neuen Nationalgalerie während der Berlin Art Week 2013 zusammen. Zwei der Ausstellungen sind zu Gegenpositionen geworden, ohne dass es recht geplant gewesen wäre.

In der Nationalgalerie gibt Direktor Udo Kittelmann Raum für vier äußerst marktkonforme deutsche Künstler. Unter dem genauso spielerischen, wie konsequent sinnlosen Ausstellungstitel „BubeDameKönigAss“ poltern vier konsequent konzeptionierte Monster-Egos einer Generation auf Großformaten: Martin Eder (*1968) Michael Kunze (*1961) Anselm Reyle (*1970) und Thomas Scheibitz (*1968). Natürlich war keiner der Typen bei der Pressekonferenz. (Mehr dazu in einem weiteren Artikel …)

In der KunstHalle Deutsche Bank lässt Kuratorin Eva Scharrer unter dem Titel „To Paint Is To Love Again“ vier Frauen unterschiedlicher Generationen säuseln: Jeanne Mammen, Antje Majewski, Katrin Plavčak und Giovanna Sarti. Sie malen Unsichtbares, Geheimnisvolles, Verborgenes und Ephemeres und standen alle (sofern noch lebend) den Journalisten für Fragen bereit. Man kann diese beiden Ausstellungskonzeptionen nur als Gegenpositionen sehen, die sich leider zuvorderst geschlechtlich verorten lassen, ohne dass sie sich so eigentlich positionieren wollten. Das ist besonders in Bezug auf die weibliche Zusammenstellung schade und ein Problem, denn es verstellt natürlich den Blick für die Kunst der bzw. des einzelnen.

jeannemammen_verheissungeineswinters1975
Jeanne Mammen, Verheißung eines Winters (1975)

Jeanne Mammen (1890–1976) – obwohl in der letzten Ecke der Schau – bildet mit bisher weitgehend unbekannten Arbeiten aus den 1950er – 7oer Jahren den Ausgangspunkt in der KunstHalle. Ihr Spätwerk steht stark in der Tradition von Klee einschließlich der verheißungsvollen Titel: „lyrische Abstraktion“ Symbolismus aus pasteuser Ölfarbe mit eingearbeiteten Glitzereffekten (Stanniolpappierchen von Bonbonverpackungen). Es ist ein trauriger Abgesang gegenüber den kraftvollen, vitalen und treffenden Zeichnungen, die sie in ihrer expressiven Phase z.B. im Simplizissimus veröffentlichen konnte.

Die anderen drei in Berlin lebenden Künstlerinnen haben sich nach eigenen Angaben bewusst auf den Dialog mit Mammens Werk eingelassen. Gefährlich bei einer so schwachen Vorlage.

<br />

Antje Majewski (*1968) spüren Texten des Museumskurators Sebastian Cichocki nach. Sie illustriert Literatur – konkretisiert und kategorisiert Imaginäres. Sie zeigt in ihren Bildern Objekte, die aus bestehenden Wertesystemen. Unter anderem eine Bildreihe mit merkwürdig geformten Hundekörpern. Es sind Miniskulpturen gefertigt aus aus den Resten von Plastikzahnbürsten, die Frauen im KZ Ravensbrück als Geschenke für andere gefertigt haben. Ich bin mir unsicher, ob dabei nicht mehr Zauber verloren geht als geschaffen wird.

katrin-plavcaks-topaintistoloveagain

Katrin Plavčaks (*1970) überträgt aktuelle Themen in den Bereich des leicht Surrealen. Sie arbeitet vielfältig mit Formaten und Materialien und deutlich aus weiblicher interpretativer Sicht.

giovannasarti_struktur

Giovanna Sarti (*1967) erarbeitet ihre Bilder kompositionslos. Im Ergebnis enttäuschend, geht es ihr ums Prozessuale, bei dem durch Handwerklichkeit und technisch bedingte Abfolgen Strukturen und Artefakte entstehen. Das hat man schon tausend Mal gesehen und hier wird leider nichts Interessantes hinzugefügt.

Leider gelang es mir nicht, dem Henry Miller entliehenen Motto der Ausstellung folgend, die Bilder mit dem Blick der Liebe zu betrachten. Ich empfehle die Ausstellung nur Menschen, die diese Fähigkeit besitzen.

(Entweder JavaScript ist nicht aktiviert, oder Sie benutzen eine alte Version von Adobe Flash Player. Installieren Sie bitte den aktuellsten Flash Player. )

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

18. September 2013 14:18:32

… leuchtend: Franz Ackermann – Einzelposition der Berlinischen Galerie zum Gemeinschaftsprojekt Painting Forever zur Berlin Art Week 2013

Franz Ackermann in der Berlinischen Galerie Painting Forever

Thomas Köhler, der Chef der Berlinischen Galerie ist ein Coup gelungen. Seine kuratorische Position „seht her – das findet im Markt statt und es lohnt sich, diese Kunst auch im Museum zu zeigen“ geht auf.

Die 40 Meter lange und 10 Meter hohe Eintrittshalle des Museums für moderne Kunst ist als Gesamtraum von Franz Ackermann zu einem Farbmeer umgestaltet worden, in dessen Leuchtkraft man beinahe zu ersaufen droht. Wäre der Boden der Ausstellung mit dem Titel „Hügel und Zweifel“ auch noch in die Gestaltung eingebunden, gäbe es kein Halten mehr – das Farb- und Formspiel würde einen im vollendeten Environment überfluten. Ackermann entgrenzt das Tafelbild nach allen Regeln der Kunst, in die Fläche und in die Tiefe: flexible Rahmenformen, gestalterische Einbeziehung der Wand rund ums Bild, Abheben des Bildes von der Wand, Schichtung im Bild. Er sucht und findet neue Dimensionen im Spiel zwischen Abstraktion und Figuration. Inhaltlich arbeitet er sich im Spannungsfeld globalisierter Einflussnahmen ab. Der kolonisierende Aspekt des Tourismus, die Spannung zwischen den aufeinandertreffenden armen und reichen Menschen aus kulturell unterschiedlich geprägten Ländern und die dabei auftretenden Schäden. Stilistisch, farblich und vom Materialeinsatz her könnte es kaum aktueller sein. Neonfarben, Foto-Collagen, Alu-Dibond-Konstruktionen um Innenwelten, die an aufgeschnittene Organe erinnern, mit Äußerlichkeiten, die mit architektonischen Elementen visualisiert werden, zu kombinieren. Ein bisschen Neo Rauch reloaded mit großer Nähe zum Design.

Bis bis 31.03.2014.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

19. November 2012 14:26:41

… drei in eins: Stefanidad, Stefanie Giersdorf, Steff Hengge – offenes Atelier am Wochenende

<br />

Erst- und letztmals öffnet die Künstlerin ihre weitläufige Kreuzberger Atelierwohnung und zeigt sämtliche Werkzyklen der letzten 10 Jahre in einer Ausstellung. Mitten im Gentrifizierungsprozess setzt Steff Hengge der monetär geleiteten Verdrängung, von der sie selbst betroffen ist, eine poetisch künstlerische Geste der Einladung entgegen. Im Spannungsfeld zwischen Marktdruck (Gewinnmaximierung) und Freigeist (Fülle aus Kreativität) notiert sie Gedanken, Bleiernes und leichte Skizzen, was in einem in Sanierung begriffenen Objekt besondere empathische Momente ermöglicht.
„Nichts steht geschrieben“ spielt und dokumentiert mit Bildern und Vorstellungen von (Im)Mobilität, Ewigkeit, Verstetigung, Verfall und dem Glauben an Erneuerung. Die Ausstellung schält eine ikonografisch-mythische Substanz aus dem täglich aufbrausenden Schwall an Nachrichten über Katastrophen, Banalitäten und Gefühligkeiten.
Parallel zum Austausch der Bewohner des Viertels wechselte auch Steff Hengge ihre künstlerischen Identitäten: Stefanidad, Stefanie Giersdorf, Steff Hengge.

Nur am Wochenende 24./25.11.2012 in der Skalitzer Staße 49, 10997 Berlin: Unbedingt anschauen!

Siehe Bilder, Objekte und Hefte auf der Website …

Mehr Fotos von der Ausstellung …

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

2. April 2012 00:12:42

… Pacific Standard Time

Jedenfalls gilt diese für die großen, bunten Bilder und Mixed Media Arbeiten, die amerikanische Künstler_innen zwischen 1950 und 1980 in, für oder inspiriert von Los Angeles schufen, und die noch bis zum 10. Juni im Martin-Gropius-Bau zu sehen sind. Es ist eine beeindruckende und vielfältige Schau des Getty Research Institute und des J. Paul Getty Museum, deren einzige europäische Station Berlin ist. Präsentiert werden über 70 Werke von 40 namhaften und – hier jedenfalls – weniger bekannten Kreativen, darunter Klassiker wie John Baldessari, David Hockney, Edward Kienholz, Bruce Nauman und Ed Ruscha. Sorgfältig thematisch sortiert nach Stil, Medium oder Trend. Konzeptkunst, Pop Art, Installation, Fotografie und mehr. Viel Sonne im Golden State an der US-amerikanischen Westküste inspiriert zu farbenfroher und variantenreicher Kunst. Dabei kommen die politische Kunst und die künstlerische Auseinandersetzung mit sozialen Fragen keineswegs zu kurz. In einem eigenen Raum finden sich Berliner Visionen von Sam Francis und Edward Kienholz, die auch in und für Berlin Kunst gestalteten.

In einer Ausstellung in der Ausstellung thematisieren die Grüße aus LA mit weiteren 200 Exponaten die Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft: Gezeigt werden Kataloge, Postkarten, Briefe und weiteres Dokumentarisches. In einem weiteren Addendum sind die schönen S/W- Aufnahmen des Architekturfotografen Julius Shulman zu sehen.

Pacific Standard Time. Kunst in Los Angeles 1950-1980 schafft es tatsächlich, an einem von Graupelschauern durchsetzten Vorfrühlingsnachmittag etwas Licht, Sonne und Palmenrauschen aus Kalifornien nach Berlin zu bringen. Die lichte Leichtigkeit, die die Arbeiten transportieren, weckt zugleich (mindestens) einen Tick Fernweh. Während ich mich darüber freue, nächste Woche selbst in Kalifornien zu sein, setzt ein kleines Mädchen mit einem roten Anorak die Inspiration durch Lebensfreude selbst kreativ um: Sie nutzt Mary Corses Untitled (White Light Grid Series VI) als reflektierende Kulisse für Schattenspiele. Mixed Media of the coming generation!

 
 

 

6. Dezember 2011 21:47:15

… Kaleidoskop des Lebens: „The Family of Man“

Gruppenbildnisse sind insofern etwas besonderes in der Malerei, da sie meist nach Auftrag entstanden und oft Repräsentationszwecken dienen sollten. Die Gemälde geben etwas vom sozialen Status der Dargestellten preis, sind aber auch Hinweis auf die Stellung des Malers und seines Verhältnisses zum Auftraggeber. Manchmal ist jedoch noch mehr zu sehen: So ist RembrandtsDie Anatomie des Dr. Tulp“ eines der interessantesten Gruppendarstellungen in der Malerei überhaupt, denn selten wird der Mensch so anschaulich wie hier zwischen Erkenntnis und Endlichkeit gezeigt. Ein anderes, ebenfalls bekanntes Gruppenbildnis stellt Goyas  - Die Familie Karls des IV“ dar. Der spanische Maler erfasste mit dem Bild offenbar nicht nur den Geschmack, sondern sogar das Wesen dieser damals Mächtigen. Goya hat weder das Imponiergehabe des Königspaares, noch, im besonderen, das Misstrauen, die Eitelkeit, ja Hässlichkeit auf dem Antlitz der Königin und das Kaulquappengesicht des Königs unterschlagen, so dass man sich fragt, wie er mit diesem Gemälde überhaupt die Akzeptanz seiner Auftraggeber erlangen konnte.

Bei Gruppenfotos geht es zunächst einmal um einen Moment, der aber auch wesentliches offenbaren kann. Zwei Beispiele: Das Foto (S. 109) von Arthur Witmann, einem US-amerikanischen Fotografen, zeigt eine Gruppe Menschen in einer offensichtlich unterhaltsamen Veranstaltung. Es bereitet große Freude, auf dieses lebensbejahende Bild zu blicken. Ein zweites Foto sei hier genannt: Vito Fiorenza hat vermutlich (S. 56) eine sizilianische Landarbeiterfamilie abgebildet – zwei Erwachsene und vier Kinder. Die Gesichter des Mannes und der Frau spiegeln große Wahrhaftigkeit und Offenheit wieder, in der Bescheidenheit und zugleich Zuversicht deutlich werden, obwohl die ebenfalls fotografierte Zimmereinrichtung auf ein eher einfaches, karges Leben schließen lässt. Diese Abbildungen und 500 weitere von berühmten, aber auch von weniger bekannten, Fotografen wurden aus tausenden weltweit ausgewählt und in die einmalige Sammlung von Edward Steichen aufgenommen, die er 1955 für eine Ausstellung im The Museum of Modern Art, New York, zusammenstellte. Die Exposition ging danach auf Reisen und ist seit 1994 als Dauerausstellung im Schloss Clervaux (Luxemburg) zu sehen.

Diese Fotos sind aber auch als Bildband (obige Seitenangaben beziehen sich darauf) „The Family of Man“ (zwölfter Nachdruck 2010) erhältlich. Es ist ein großartiges Buch, als Geschenk eine bleibende Erinnerung und seinen Preis von 18,00 € allemal wert! Vielleicht noch erhältlich in der Buchhandlung im Martin-Gropius-Bau bzw. auf Bestellung.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

25. August 2011 13:47:26

… Augenblicke: Junge Frauen und Botticelli

Heute früh stand vor dem großen Schaufenster des Zeitungskiosk auf dem Bahnhof Friedrichstraße eine Frau, die das dort ausliegende Buch „Die Entdeckung der Frauen in der Renaissance“ von Thomas Blisniewski fotografierte. Auf meine Frage, warum sie das tue, antwortete sie, dass der Autor gerade im Ausland sei und sie ihm das Foto mailen wolle.

Das „Profilbildnis einer jungen Frau“ von Sandro Botticelli (1445-1510) gemalt, welches jenes Buchcover schmückt, ist in der Ausstellung im Bodemuseum zu sehen, die heute unter dem Titel „Gesichter der Renaissance“ (bis 20.11.11) beginnt. Botticelli, der Maler, der u.a. die geheimnisvolle Bilderreihe „Geschichte des Nastagio degli Onesti“ – die im Madrider Prado hängt – und das berühmte „Die Geburt der Venus“ geschaffen hat, zeigt uns mit der schönen Frau aus dem Profilbildnis ein selbstbewusstes, kluges und erstaunlich heutiges Gesicht. Auch die komplizierte und wunderschöne Haarpracht ist von dieser Welt und so ähnlich ja manchmal auch im Alltag zu sehen. Auffallend ist die verblüffende Ähnlichkeit der Gesichtszüge der Frau im Profilbildnis und der Venus. Dass die Schöne somit nicht nur ein Modell, sondern für Botticelli vielleicht sehr viel mehr war, lässt sich erahnen und – zumindest aus männlicher Sicht – leicht nachvollziehen. Möglicherweise ist dieses ansprechende Antlitz aber auch eine konstruierte und modellierte Idealschönheit, wie sie zuweilen ja auch der Büste jener altägyptischen Nofretete zugesprochen wird, die heute Berlins edelstes und bekanntestes Frauengesicht darstellt.

Die Frau vom Zeitungskiosk und ich unterhielten uns noch ein kleines Weilchen darüber, was etwas plötzlich oder nach längerer Zeit zu Kunst werden und manches davon die Jahrhunderte überdauern lässt. Sicher ist, dass nicht jeder Künstler zu Lebzeiten die Anerkennung und vielleicht sogar den Ruhm erntet, die zu späteren Zeiten auf sein Werk fallen. Andererseits ist mancher, der in seiner Zeit als Großer bezeichnet wurde, in den Augen der Heutigen ein Nichts. Wer und was aber entscheidet und erhebt solche Bilder in den Stand der Kunst oder sogar Zeitlosigkeit? Dass viele das auch bei dieser neuen Ausstellung in Berlin selbst herausfinden wollen, zeigt die bereits heute Morgen entstandene, lange Schlange am Ticketschalter.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

8. Juli 2011 13:57:42

… danach: »Last Shelter of God« – Tobias Köbsch in der neuen maerzgalerie Berlin

Tal, Tobias Köbsch
Tal, Tobias Köbsch

Es sind archeologische Stücke aus der Zukunft. Wie werden die Wissenschaftler der Zukunft unsere heutige Zeit der modernen Zivilisationen in den Sedimentschichten der Äonen erkennen? Ganz klar: Am Zivilisationsmüll und an der selbstherbeigeführten Katastrophe.

Die Bilder und Plastiken von Tobias Köbsch zeigen die Welt danach – nach dem Zusammenbruch, nach dem Eintreten des Unwahrscheinlichen. Man sieht buchstäblich zerrissene Welten, mit tiefen Spalten ins Bodenlose. Zerstörte und verlassene Häuser, um die niemand mehr trauert, denn die Zeit des Menschen ist bereits vorbei. Diese Welt ist menschenleer und doch vollkommen menschlich geprägt. Die Hinterlassenschaften von ins Inhumane umgeschlagener menschlicher Gestaltungssucht (verschrottete Parkplätze, verschlammte Reihenhaussiedlungen, abgestorbener monokultureller Wald) liegen überflutet und zerrüttet vor uns. Das Merkwürdigste daran ist vielleicht, die beruhigende Ausstrahlung dieser Zeugnisse des bereits hinter uns liegenden Untergangs. Die Werke simulieren dem Betrachter, das Schlimmste überlebt zu haben, denn sonst (im Nicht-Sein) könnte er diese Welt ja nicht mehr sinnlich begreifen.

07.07. – 27.08. 2011 in der mærzgalerie Berlin

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

27. Dezember 2010 02:24:13

… am Fluss: Thomas Rauchfuß im Rio Grande

riograndethomrauchfussdreifluesse

Seit Februar des Jahres heißt die Straße am Westufer der Oberbaumbrücke nicht mehr Groebenufer. Sie war bis dahin nach Otto Friedrich von der Groeben (1657-1728) benannt, der im ehemalig kurbrandenburgisch annektierten Ghana einen Sklavenverschiffungshafen errichtete, von wo aus über 30000 Afrikaner verschifft und verkauft wurden. Statt dem schändlichen Kolonialismus auf diese Weise noch nachträglich und fortgesetzt Ehre zukommen zu lassen, erinnert der neue Straßenname „May-Ayim-Ufer“ nun an eine Pionierin der afro-deutschen Kulturbewegung. Und das ist gut so!

An diesem Ort, an dem die jetzt wieder vollständig renovierte Doppelanlegestelle aufgebaut wurde, residiert das Restaurant Riogrande geführt von Edith Berlinger und Dietmar Schweitzer, dem österreichischen Pärchen, das durch das Horváth am Paul-Linke-Ufer und das Jolesch (inzwischen abgegeben) in der Muskauer Straße reichlich Erfahrung mitbringen. Schon im Jolesch hing sehr lange ein imposanter neoexpressiver Triptychon von Thomas Rauchfuß, auf dem eine Gesellschaft rund um ein auf dem Tisch liegendes, blutend aufgeschlitztes Schwein feiert. Nun am neuen Ort hängen wieder drei Bilder, auch sie gehören zusammen, sind aber doch einzelne Bilder. … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

5. November 2010 17:46:33

… Kunst des Lichts: László Moholy-Nagy im Martin-Gropius-Bau

Fotogramm Moholy-Nagy, ca. 1938. (c) VG Bildkunst, Bonn, 2010

Lange vor der multimedialen Postmoderne gab es die unbändige Vielfalt der Moderne, zu deren kreativsten Protagonisten der ungarische Künstler László Moholy-Nagy (geb. 1895) zu zählen ist. 1923 beruft Walter Gropius ihn an das Bauhaus, und Moholy-Nagy folgt dem Ruf, zunächst nach Weimar, dann nach Dessau. Moholy-Nagy ist Kunsttheoretiker, Maler, Filmemacher, Fotograf, Bühnenbildner, Typograf, Zeichner, Bildhauer. Als Industriedesigner schmiedet er das Band zwischen Kunst und Kommerz. Mit dem Fotogramm entwickelt er die Kunst des „Malens mit Licht“; es ist die „Lichtgrafik“, die ohne Kamera entsteht. Überhaupt Licht: Kunst muss Licht reflektieren, ist sein Prinzip, ja seine Mission. Malen mit Licht, nicht mit Farben ist seine Praxis. Diese weiterzugeben ist ihm Lebensaufgabe. Als engagierter Dozent unterrichtet er in Weimar und Dessau, später, nach der von den Nazis erzwungenen Emigration nach Amsterdam und London auch in Chicago, wo er die New Bauhaus – American School of Design gründet. Nach deren Schließung – Geldnot! – baut er 1939, ebenfalls in Chicago, das Institute of Design auf, wo er bis zu seinem Tod 1946 tätig ist. … Weiterlesen

 
 

 
Seite 1 von 3123»

Letzte Beiträge

 

Themen

 

Berliner Bezirke

 

Beitragsarchiv

Suche

 

Text ohne Takt
von Joachim A. Buroh

6. Januar 2014

… Tagesform

<br />

 
 

23. November 2013

… am Zug

U1 – U4

 
 

21. November 2013

… in Topform

<br />

 
 
 
Berliner Ratschlag für Demokratie