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Archiv der Kategorie ‘Malerei‘

11. Januar 2009 19:15:16

… in Pos verguckt: Jürgen Wolf bei Jarmuschek+Partner in der Halle am Wasser

Szenen der Performance, Jürgen Wolf bei Jarmuschek+Partner

Liest man den Titel der Ausstellung „Bäuchlings wie der Hund verzückt an der Leiter blickt hinauf in die Achsel der Gehilfin“ kann man sich schon eine ganz gute Vorstellung bilden, wie es im performativ bespielten Raum bei der Vernissage zuging:
Die Gehilfin hockt, mit einem Gewehr bewaffnet, im Hochstand auf einer Kühlbox und observiert das Fußvolk mit ihrem Feldstecher. Erblickt sie ein Opfer, zielt sie genau, knallt einen reizenden Fangschuss ins Gewühl. Der bereits erlegte Künstler erlag ihr längst – an eine Leiter gefesselt. Er kriecht in hündischer Abhängigkeit zur Gehilfin bäuchlings durch die Niederungen des Kunstschaffens, unmöglich die Leiter zu nutzen, um zu ihr empor zu steigen. Lieber bleibt er unten, schaut ihr auf den Hintern, … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

31. Oktober 2008 02:04:08

… dicht: gedrängte Kunst als Berliner Liste

Eric Parnes, Sex Drugs and Rock‘n'Roll
Eric Parnes, Sex Drugs and Rock‘n'Roll

Es ist ja so irre viel Kunst in der Stadt, dass langsam der Platz auszugehen scheint. Der Auftakt zum Kunstmessen Wochenende machte die Berliner Liste, diesmal im Haus Cumberland am Kurfürstendamm 193-194. Das alte Grand Hotel mit seiner verflossenen Eleganz bietet eine malerische Kulisse, die gegenüber der ausgestellten Kunst manchmal etwas überpräsent ist. Viele Galerien kommen mit den zum Teil sehr kleinen Räumen, die sie zur Präsentation nutzen, nicht wirklich gut zurecht. Da werden schon mal große, grob gemalte Bilder in einem 10 Quadratmeterraum in annähernd Petersburger Hängung präsentiert, und man kann die Bilder nur noch auf der Ebene des Duktus betrachten. Das ist nicht nur für Besucher, sondern insbesondere auch für die Künstler manchmal eine gewisse … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

9. Oktober 2008 19:39:21

… kultisch geopfert: Joseph Beuys, Andy Warhol und wie man den Künstlermythos dekonstruiert

Beuys Multiple überwindet endlich die Parteiendiktatur
Joseph Beuys, Multiple Überwindet endlich die Parteiendiktatur, 1972, Foto der Aktion im Grafenberger Wald, Düsseldorf

Gottchen war der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Prof. Dr. Peter-Klaus Schuster, stolz bei seiner Rede zur Eröffnung der neu inszenierten Ausstellungen im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart. „Die größte Beuys-Ausstellung, ävaehr“ säuselte er verzückt. Und in der Tat, der Hamburger Bahnhof erscheint auf den ersten Blick wie ausgetauscht, denn neben den Räumen in den oberen Stockwerken wurde endlich auch mal die zentrale Halle für die Präsentation Beuysscher Relikte komplett von den jahrelang hier stehenden Objekten von Anselm Kiefer und anderen befreit. Auch Andy Warhol wird in einer auf sein Verhältnis zum Starsystem fokussierten kompletten Ausstellungshalle gefeiert. In den Rieckhallen wird der kultischen Künstlerüberhöhung dann ein Kontrapunkt entgegengesetzt, indem Arbeiten vereint wurden, deren Produzenten sich ausdrücklich in ihren Werken mit den stereotypen Erwartungen an Kunstschaffende auseinandersetzen und diese bewusst negieren.

Aber zunächst zu Beuys‘ mythomanischem Ansatz, der als … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

26. August 2008 12:25:52

… identitätssuchend: Collier Schorr stellt Freeway Balconies zusammen

Collier Schorr, US Soldier, 2004
Collier Schorr, US Soldier, 2004, Courtesy the artist and 303 Gallery, New York

Man ist es gewohnt, in der großen Schuhschachtel der Deutschen Guggenheim ein paar wenige große Werke anzutreffen. Zehn Großleinwände oder eine gigantische Installation. Bei Collier Schorrs Freeway Balconies ist alles anders. Sie stellt eine Art Kunstmagazin oder eine Illustrierte zusammen. Darin sammelt sie Beiträge von insgesamt 21 Künstlern und Künstlerinnen (ihre eigenen inklusive) über alle Kunstkategorien hinweg – Fotos, Bilder, Filme, Skulpturen, Performances. Freeway Balconies reflektiert ein von Pop-Einflüssen durchdrungenes Lebensgefühl, in dem Collier Schorr zuhause ist. Sie ist im Zentrum der amerikanischen performativen Kunstszene, die zwischen Perversion und Transzendenz ihre psychologischen Selbstfindungsvexierspielchen treibt.

Wenn man durch die Ausstellung geht, soll man einen Eindruck davon bekommen, was im Kopf von Collier Schorr vor sich geht, welche Themen sich darin miteinander verbinden, wo ihr Interesse liegt. Leicht zugänglich … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

18. August 2008 09:24:27

… gebremst energetisch: Ronald de Bloeme in der Berlinischen Galerie

de_bloeme.jpg

Als Preisträger des Vattenfall Kunstpreises Energie 2007 wird zur Zeit Ronald de Bleome (PDF) in der Berlinischen Galerie ausgestellt. Er malt mit bunten Lackfarben sehr akurat auf große Querformate. Streifenartige Bilder, die auf gefundene Motive eingehen, diese abstrahieren und in flächige Kompositionen umgewandelt werden. Da sieht man viele Bezüge in die Kunstgeschichte und man erkennt entweder wie die Kuratoren, dass de Bloeme, ähnlich wie in den 50ern Jasper Johns, der damals als Bindeglied zwischen dem Abstrakten Expressionismus und der Pop-Art stand, auch verschiedene Stile als Samples verwendet und verbindet oder, wie Kritiker, dass er sich nur der Mittel bedient, die gerade en Vogue sind, deshalb aber noch lange keine inhaltliche Malerei vorzuweisen hat. De Bloeme nimmt jedenfalls die Gestaltung von Anzeigen auf, gestaltet Streifen wie Textzeilen, Farbflächen wie Bilder in Layouts, arbeitet mit Pattern und knalligen Farben, wie sie von Flaggen bekannt sind. Das heißt seine Arbeitsweise und seine Bilder sind derzeit vielversprechend.

Noch bis 13. Oktober 2008.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

24. April 2008 23:45:22

… BB5: Re-Arts aller Länder vereinigt euch im Tagesprogramm der Berlin Biennale

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Blick in den Ausstellungsraum der Neuen Nationalgalerie während der Berlin Biennale 5

Was ist eigentlich los mit den Künstler/innen, die bei den Berlin Biennale Ausstellungen gezeigt werden? Wo ist das Interesse für die Gegenwart? Fast alle schauen nach hinten in die Geschichte von Orten, lesen verdeckte Spuren und machen diese für heutige Augen wieder sichtbar. Das mag ganz interessant sein, aber wohl besonders für Leute, die die (eigene) Geschichte als etwas ganz neues begreifen, um sie dann als Geschichten zu erzählen und aufzunehmen. Geschichte wird so zu Mythen umgebaut und auf dieser Ebene ist das Material der Vergangenheit für Künstler attraktiv und zugänglich. Die offizielle Geschichtsschreibung ist eben immer ein selektiver, kulturell geprägter Akt der Interpretation und eine Konstruktion der nachkommenden Generationen. Geschichtsschreibung ist somit eine kreative Leistung, sie hat Werkcharakter und drum machen sich verstärkt immer mehr Künstler ans Werk. Die beiden Kuratoren der Biennale 5 Adam Szymczyk und Elena Filipovic setzen voll auf diese aktuelle Richtung der nach hinten gerichteten, (regressiven?) Kunst, und sparen Künstler, die aus sich heraus (progressiv?) arbeiten, ziemlich konsequent aus.

Die Folgen? Bei der Pressekonferenz zur 68-Ausstellung in der Akademie der Künste hörte ich, wie ein Journalist seine Kollegin fragte: „Und, die Biennale gut überstanden?“ Ihre Antwort: „Schnell wieder vergessen!“ Das ist merkwürdig. Die Künstler stemmen sich gegen (das eigene) Vergessen und die Journalisten vergessen sie gerade deshalb möglichst schnell. Vielleicht liegt es daran, dass … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

5. April 2008 16:04:52

… zeitweise: Olav Christopher Jenssen im Haus am Waldsee

Olaf Christopher Jenssen im Haus am Waldsee

Olav Christopher Jenssen gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Norwegens, weswegen er auch offiziell von der norwegischen Botschaft gelabelt wird. Er lebt schon ungefähr 20 Jahre in Berlin und hatte trotzdem noch nie in dieser Stadt eine große Einzelausstellung. Genau das ist die Lücke, in der die Leiterin und Kuratorin des Hauses, Frau Dr. Blomberg, das Haus am Waldsee im Berliner Kunst- und Museums-Business positionieren möchte. Ihr gelingt das Kunststück wichtige Kunstschaffende auszustellen, die in Berlin selten gezeigt wurden und deren Werk oder Leben trotzdem einen klaren Bezug zur Stadt bieten. Zusätzlich neigt sie überhaupt nicht dazu, diese Künstler (sofern es noch lebende sind) künstlich zu hypen – was sehr sympathisch ist – und trotzdem werden zu den Ausstellungen immer beträchtliche Mittel und Sponsoren akquiriert, die das Ganze überhaupt ermöglichen.

Olav Christopher Jenssen ist so einer, der sich nicht gut hypen lässt. Dazu ist sein Werk zu spröde, vielgestaltig und unklar. Es gibt vielleicht ein paar wenige formale Konstanten, die sich über die verschiedenen Disziplinen (Malerei, Zeichnung, Plastik, Skulptur) erkennen lassen (z.B. von oben herabhängende hängende bzw. schwebende Formen, gleichartige Formatreihen und die ganz allgemeine Abstraktion der Motive) aber im Prinzip … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

17. März 2008 11:06:03

… zugänglich: Hannah Dougherty bei Klara Wallner

Hannah Daugherty Zerberus

Hannah Dougherty, Zerberus, 2008, mixed media on cotton, 140 x 190 cm (Bild von der Website von Klara Wallner)

Schon beim letzten Besuch des Galerien Clusters in der Kochstraße 60 stachen bei Klara Wallner die Bilder von Hannah Dougherty heraus. Nun wird die von der Galerie vertretene Künstlerin wieder mit einer Einzelschau unter dem Titel „The Settlement“ gefeatured. Sie ist ihrem Stil treu geblieben. Gefundene Dinge, Drucke, Zeichnungen, Fotos, Figuren und immer wieder Tierdarstellungen werden zu Bildkompositionen zusammengefügt, die als grafische Entwürfe erscheinen. Hannah Dougherty macht visuelle Kommunikation. Sie will, dass ihre Bilder gelesen werden und sie spielt dem Betrachter dabei eine Fülle von Bedeutungsmöglichkeiten zu. Je nachdem, für welche Gedanken man empfänglich ist, oder nachdem was man selbst mitbringt, erhalten die Bilder eine Bedeutung. Insofern sind es sehr zugängliche Werke.

Motivisch fand ich sehr viel Liebe und vielleicht so was wie ein hinterhältiges Kuschelbedürfnis in den Bildern. Es tummeln sich allerlei Tiere in den Kompositionen, die manchmal ein bisschen … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

25. Januar 2008 19:31:21

… nazifiziert: Jonathan Meese und Georg Baselitz bei CFA

meeseausstellung.jpg

Photo: Jan Bauer von der CFA-Website

Die beiden sehr deutschen Künstler Georg Baselitz („der Alte“) und Jonathan Meese („der Junge“) haben beide an einem 23. Januar Geburtstag. Welch gute Idee, an diesem Tag eine Vernissage mit beiden in einer Kombinationsausstellung zu machen, zumal es durchaus mehr Parallelen in ihren Arbeiten gibt, als nur den gemeinsamen Geburtstag. Zwei Künstler als Exemplare zweier Generationen, die sich tatsächlich auch generationstypisch generieren. Vorbilder ihrer Zeit sind sie, malen deren Abbilder, in die ähnliche Nachbilder vergangener Zeiten hineinblenden.

Es scheint so, als könnte sich der deutsche Künstler nur im Spannungsfeld zu Hitler definieren. Diese Ausgeburt des Bösen, die selbst als Künstler begonnen hat, und die in ihrem weiteren Verlauf eine Saite im deutschen Volkskörper zum Schwingen brachte, deren Nachhall noch lange nicht verklingen wird. Alle Deutschen sind sensibel auf diesen Misston und Künstler (besonders männliche) sind es noch viel mehr. Bist du Deutscher und Künstler musst du darüber nachdenken, was die Kunst unter dem Leitbild des Deutsch-Sein angerichtet hat. Der nationalsozialistische Faschismus als reale Ausformung einer Ideolgie steht quasi als Extremstumsetzung einer Kunstwelt am einen Ende des Möglichkeitenfeldes von konzeptionellen Entwürfen. Sowohl Baselitz in jungen Jahren, wie auch Meese in seinen jetzigen selbigen, scheinen auszuloten, wo ihre Positionen in diesem Feld liegen. Weil die anderen Pole oder Eckpunkte im Spannungsfeld der Menschlichkeit (oder Menschhaftigkeit) viel schwieriger … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

13. Januar 2008 19:54:51

… bunt: Norbert Biskys Farben am See sehen

Grunewaldsee

Grunewaldsee?

Nach einem Spaziergang durch die als Unesco Weltkulturerbe eingestufte „Parklandschaft Neuer Garten“ am Heiligen See in Potsdam, leuchtete der Jungfernsee in der Nähe der Glienicker Brücke in unglaublichen Farben. Mit diesem Lichteindruck ging ich dann schon bei Dunkelheit am heutigen letzten Tag in die Norbert Bisky Ausstellung „Ich war’s nicht“ im Haus am Waldsee und fühlte mich kontinuierlich von Blau, Orange, Gelb und Rosa getragen.

bisky_drahtzieher_72dpi.jpg

Drahtzieher, 2007, Öl auf Leinwand, 280×400cm
Courtesy GALERIE CRONE, Berlin; Leo Koenig Inc., New York,© VG-Bild Kunst Bonn 2007
Foto: Bernd Borchardt

Besonders aufschlussreich ist der Audio-Video-Guide, der im Wesentlichen aus einem langen Gespräch zwischen der Kuratorin Dr. Katja Blomberg und Norbert Bisky besteht. Er spricht darin, teils in der gehängten Ausstellung, teils im Atelier, vorallem über seine formalen Interessen, … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 
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