Was soll man sagen? Krautrock ist wieder voll da!
Als Techno noch nicht benannt und Elektro noch verträumt war …
Was soll man sagen? Krautrock ist wieder voll da!
Als Techno noch nicht benannt und Elektro noch verträumt war …
Eine gute Freundin rief an und sagte „lasst uns mal wieder was richtig krankes machen“. Kaum ein Vorhaben könnte einen schneller zu den Toten Crackhuren bringen!
Das Publikum war jung mit wahrnehmbarer Brandenburger Migrationsgeschichte, oder vielleicht sah es auch nur so aus. Jedenfalls muss man nicht schön sein, um auf ein Crackhuren-Konzert zu gehen. Ich fühlte mich willkommen.
Als die wilden Mädchen in Halloween-artigen Kostümchen ihr blasses Gekreische begannen, war ich mir sicher, dass ich es hier keine viertel Stunde aushalten würde, doch nach und nach gefiel mir die elektrolärmige Show immer besser. Mit dem Titel „Wir hassen Sport“ hatten sie mich dann entgültig auf ihrer Seite. So stand ich angenehm belustigt neben den gleichaltigen Eltern der Crackhuren und beobachtete das Lebensgefühl dieser nachfolgenden Teil-Generation: Selbstbewusst verunsichert, marketingresistent konsumfreudig, spaßbetont aufmüpfig, ziellos politisiert und verlustreich performativ. Diese Mädchen verschwenden ihre Jugend auf die bestmögliche Art. Live noch viel besser, als aus der Retorte.
Am Wochenende fand am Kotti im Festsaal Kreuzberg die Präsentation von vier Bands statt, die über die Booking-Agentur Puschen promotet werden. Zu hören waren These Are Powers, Bear In Heaven, tUnE-yArDs, und Max Tundra.
Drei der Bands reflektieren mehr oder weniger mitreißend Popmusikströmungen, der letzten Jahrzehnte, aber wirklich auffällig und genuin eigenständig spielen die tUnE-yArDs auf, die absolut von den Fähigkeiten und Talenten der Sängerin Merrill Garbus geprägt sind. Mit Ukulele und ein paar Trommeln bewaffnet loopt sie ihren Gesang und ihr Spiel so geschickt, dass durch die Mithilfe eines Bassisten sehr gelungene und mitreißende Arrangments über die Bühne gehen. In einer Mischung aus Maori-Gebrüll, Blue Gras-Gesang mit New-Wave Texten, verzerrter Ukulele und voluminösen Bassläufen entsteht eine authentische Performance, die beim Publikum voll ankam.
An zwei aufeinanderfolgenden Tagen lief mir das Nürnberger Komik-Würstchen „Gymmick“ über den Weg – oder ich ihm, wie man’s nimmt – und beides Mal fand ich seine Show wirklich lustig. Er machte im Alleingang die Vorband für Freddy Fischer und ebenso für KC McKanzie auf dem Badeschiff an der arena. Auf dem Fender Rhodes und der Gitarre begleitet er sich zu wild verhedderten Texten, grotesk bitter bösen Scherzen aus einer politisierten Kinderwelt. Im einen Lied bringen sich reihenweise Wunschhaustiere um, im nächsten spielt ein quälendes Kindermädchen die Hauptrolle und im übernächsten kommt die Polizei und zerdrischt dem Multitalent die Gitarre, dabei erhob er die Stimme doch nur für ein paar Obdachlose. Besondere Würze bekommt Gymmicks Vortrag durch die sichtbare Handbehinderung, und man spürt, dass da einer in die Rolle des sich-selbst-zum-Clown-machen hineingeboren (vielleicht auch gezwungen) wurde, diese Rolle aber durch sehr viel Talent und vermutlich ebenso viel Üben in Eigenregie zum Lebensmodell erhoben hat.
Ach ist das schön. Menschen, die live und mit richtigen Instrumenten Disco spielen und andere, die dazu tanzen. „Alles ist okay, wenn die Discokugel dreht!“ Die stylish schmierigen Musiker spielen mal ein bisschen rockiger, mal ein bisschen funkiger, mal ein bisschen poppiger, aber immer konsequent: Disco (mit deutschen Texten und italienischen Einsprengseln). Wer Disco mag, wird Freddy lieben.
Es ist eine schöne Tradition, historische Stummfilme mit Live-Musik zu begleiten, und im Babylon Mitte kann man solches Treiben dankenswerter Weise häufiger erleben. Am 2. März war das The Ukulele Orchestra of Great Britain mit einem Filmprogramm, das aus dem Archiv des BFI (British Film Institute) zusammengestellt wurde, auf der Bühne. Sie zeigten eine schwarz-weiße und trotzdem bunte Mischung aus merkwürdigen Lehrfilmen für junge Damen, rätselhaften Kurzspielfilmen und allerlei Dokumenten wissenschaftlicher oder privater Art. Das Orchester spielte einen perfekt synchronisierten und sehr amüsanten Soundtrack und eröffnete so ein vertonten Blick in die Zeit vor rund 100 Jahren, wie durch ein altes Kaleidoskop das man bei Oma auf dem Dachboden gefunden hat.
Der eigenwillige, leicht schepperige Klang der verschiedenen Ukulelen passt perfekt zu den rumpeligen Filmen, unter denen echte Perlen sind. Z.B. eine Aufnahmen, gedreht mit einer alten Hochgeschwindigkeitskamera, die schon in den 1920ern 1200 Bilder pro Sekunde machen konnte, und die heute mit den vielen Artefakten ein Dokument der in mehrfacher Hinsicht verdichteten Zeit geworden ist. Man sieht in ein und derselben Bilderfolge eine tatsächliche Sekunde gedehnt auf knapp eine Minute Zeit und 100 Jahre Lagerung komprimiert auf die selbe Minute. Dazu spielt das Orchester ein Stück, dem sie den Titel des Film gegeben haben: „Movements quicker than thought“ (siehe meine olle Handy-Aufnahme).
Für mich war das ein großartiger Abend, da gleich mehrere Vorlieben auf einmal bedient wurden: Ukulele spielen (bzw. hören), Filme sehen, Zeitrafferaufnahmen bestaunen und ältere englische Menschen bei leicht absurdem Tun beobachten. Auf meiner persönlichen Wertungsliste alles ganz vorne!
Vor allem aber ist Berlin immer noch Techno Capital, Raver Passion, Highlight auf der Reiseroute des Easyjetset.
Tobias Rapp, bis vor kurzem Musikredakteur der taz, jetzt Popredakteur beim Spiegel, schreibt darüber in „Lost and Sound“, 2009 erschienen bei Suhrkamp. Und er schreibt informiert und engagiert. Clubber und (Ex-)Partygänger, Neugierige und Voyeure, stadtsoziologisch Interessierte und Freunde der Musik(szene) dürften das Publikum sein, das mit Rapp dem Beat der Clubmeile, die nicht Clubmeile heißen will, im künftigen Mediaspress von Kreuzberg und Friedrichshain folgt, virtuell Tage und Nächte im Berghain, Watergate, der Bar 25, ex- und wieder Tresor und anderen angesagten Locations durchfeiert „bis die Haare leuchten“. Die Woche beginnt mittwochs und endet montags. Was dazwischen passiert und wo man sich dazwischen bewegt steht bei Rapp. Dabei ist „Lost and Sound“ Hommage und Faktenreport über die „Tempel des Techno“, die „Restrealität“ und das „posteuphorische High“, das „Leben im Loop“ und die „temporär autonomen Zonen“. Mit Portraits verschiedener DJs und Clubbesitzer und – last but not least – Plattentipps ist das eine schöne „kleine Geschichte des Berliner Sounds der nuller Jahre“.
Gewiss: Hingehen, Eintauchen, Auftauchen, Sich Bewegen im Minimal, Electro, House, Trance und Afterhour Beat ist vermutlich Option A. Aber weil „Popkulturen Sehnsuchtskulturen sind“, ist Lesen darüber keine schlechte Option B. Wenn man beides will, bliebe der zur Lektüre der clubfreie Dienstag. So oder so: Hier sind 265 unterhaltsame Taschenbuchseiten, umhüllt von einem pinkfarbenen Cover für Fans. Damit lässt sich in sonnigen oder schattigen Sommerstunden am Ufer von Spree oder Landwehrkanal bestens
Dieter Landuris ist so einer, dessen Namen man nicht kennt, aber dessen Gesicht wohl fast jedem und jeder bekannt sein dürfte. Man hat ihn schon in gefühlten 128 deutschen Fernsehfilmen als verführerischen Latin-Lover, als Schönling, als sexy Hippie, als lieben Schwiegersohn und ähnliches gesehen. Er ist einer, der auf die Rolle des kleinen Mannes mit einfühlsamem Blick und Macho-Alluren abonniert ist.
Dieses Rollen-Klischee persifliert er nun mit einem kaberettistischen Soloprogramm, das er hauptsächlich mit schmissigen Songs bestreitet. Er tritt als sieben (oder mehr?) verschiedene Typen auf, darunter ein Zigeuner, ein Italiener, ein Russe, ein Franke, ein Passauer, ein Franzose, ein Zahntechnikassistent, die alle mit unterschiedlichen Akzenten und ein paar wenigen typischen Attributen gekenntzeichnet werden – also wie bei Comedy-Veranstaltungen üblich: ein Klischee toppt das nächste. Dieter Landuris bleibt in allen Rollen immer ein charmanter Unterhalter mit reichlich Selbstironie und einer Spur gebremster Frivolität. Es geht irgendwie immer um Affären und … Weiterlesen

»Oh nee, kein Konzert. Das ist doch langweilig!!!« O-Ton Julia, 7 Jahre alt.
e la luna hat eine grandiose Kinder-CD rausgebracht: »Stella Stellina«. Das Beste ist, Erwachsene wollen bzw. können sie auch hören. Weil sie einfach schön ist. Zum Release der CD gab die Band ein Konzert. (Ausverkauft)
Auf dem Foto sieht man einen Ausschnitt aus einem der Kleider der Sängerin. Ich weiß nicht wie viele Punktkleider insgesamt auf der Bühne punkteten – es waren eine Menge. Und alle waren: »Soooo schöööön!!« Warum sollte man auch etwas anderes als große rote Punkte tragen, wenn es z.B. um Tomaten geht?!
Es wundert nicht, dass … Weiterlesen
Leicht angeschlagen soll er gewesen sein, am Samstag Abend. Seine trockene Stimme hat davon aber eher profitiert, als dass man beim Zuhören im Club 49 was verloren hätte. Zwichendurch spielte einer aus Nürnberg, bei dem sich das Wort Utopist ein bisschen nach leisem Pinkeln anhörte, doch auch der sollte uns das Vergnügen, das uns Ben Hamilton bereitete, nicht vermiesen. Und nebenbei fiel für DJ Kröch noch ein nettes Foto ab.
Wieso bist Du Kasse?
Ich habe meine Mutter einfach selber Shopping laufen lassen
Schon wieder heute
Kein Klick zurück
Vorsicht schwenkt aus
Nur die Spitzen schneiden
Ich bin atmungsaktiv
Alle Entwicklungen im Live-Ticker
Bitte leer zurück
Jedoch nicht heute