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16. Juni 2008 18:39:24

… gar nicht weit fort: Cornelia Schleime lässt uns in die Psyche eines Stasi-Opfers eintauchen

Cornelia Schleime: Weit fort
Das pure Buch: Bucheinschläge werden von Frau Giersdorf ja sofort konfisziert und entsorgt.

Der Roman „Weit fort“ von Cornelia Schleime, bekannt als Malerin, ist das Buch einer in Bilder denkenden Frau, für die eine gefundene Metapher genauso real erlebbar ist, wie das Haptische, das Gefühlte oder das Gesprochene. Ihre überbordend bildhafte und symbolistische Sprache ist hemmungslos kitschig, weil es für sie keinen Grund gibt, warum man nicht zu kitschigen Gefühlen oder Bildern stehen sollte. Es ist dann halt so, wie es ist, wenn es einen mitreißt. Kennt man ja aus dem eigenen Leben.

Anfänglich tut man sich schwer mit diesem gefühlsechten Text, doch die Geschichte ist so gut, sensibel und zwischenmenschlich analytisch, dass sie einen …

… durch die ersten metaphorischen Bilderfluten zieht. Nach und nach bekommt man dann aber gerade durch die fabulöse Bilderwelt ein Gefühl für das Leben der Protagonistin, das zumindest was die Backgrounds angeht, mit dem Leben der Autorin deckungsgleich ist. Cornelia Schleime wurde, als nicht staatskonforme Künstlerin in der DDR, von der Stasi mit allen miesen Tricks ausgespitzelt. Ihr bester Freund und Vertrauter Sascha Anderson (der Name fällt nicht im Buch) war IM, was sie erst nach dem Zusammenbruch der DDR aus den später zugänglichen Stasiakten erkannte. Dieser unfassbare Vertrauensbruch veränderte ihre gesamte Einstellung und ihr Leben. Letztlich machte das Erfahrene es beinahe unmöglich, überhaupt erneut zu Lieben, womit die eigentliche Handlung des Buchs beschrieben wäre. Das Verdienst des Buches ist es, dieses psychologische Zerstörungspotenzial der Agententätigkeit des DDR-Staates im ganz Privaten freizulegen. Es geht um Lebenswege, die vom geringsten Widerstand geleitet wurden und werden, um doppelbödige Ordnungsliebe, um Wahrheiten, von denen manche nichts wissen wollen und andere nichts preisgeben können – also um Verdrängung auf allen Seiten. Und es ist ein Hoch auf die Birthler-Behörde!

Außerdem habe ich nach der Lektüre Lust, Bilder von Cornelia Schleime neu zu sehen, doch leider habe ich die Ausstellung in der Galerie Michale Schulz letzten Monat verpasst.

Mehr Rezensionen hier…

 

Autor:

Magnus Hengge

 

Eine Reaktion zu “… gar nicht weit fort: Cornelia Schleime lässt uns in die Psyche eines Stasi-Opfers eintauchen”

  1. E. Hanf

    Habe am 16.3.09 die Lebenslinien der Carnelia Schleime verfolgt und bin
    von der Kreativität und der Art sich zu äußern sehr begeistert,
    Diese Lebenslinien, was für ein Leben. Und dass man dann gegen diese
    verrückte und betrogene Zeit sich mit Kunst etwas wieder in die Normalität
    gebracht hat. Ich bin begeistert.
    Jedes Bild, was im Ablauf der Lebenslinien vorgestelt wurde, sagt etwas aus.
    Ich würde mich gern einmal mit Cornelia Schleime unterhalten, denn ich mag
    Leute, die anders sind, die eine eigene Meinung haben und den Kopf nicht ein-
    ziehen, wenn andere es wünschen.
    Ich drücke meine Kreativität in Gedichten aus. Ernst u. heiter, gerade so, wie
    man sich fühlt. Eva Hanf

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