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19. Juli 2012 15:24:17

… nüchtern strahlend: Atomkraft Fotografien von Thorsten Klapsch

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Heute Abend ist die Finissage einer bemerkenswerten Ausstellung in der Einsenbahnstraße, die im Wesentlichen aus einer Buchpräsentation besteht. Thorsten Klapsch hat über Jahre mit enormem Aufwand und beinahe erschreckender Genauigkeit alle deutschen Atomkraftwerke fotografiert. Das Buch, in dem diese Arbeit zusammengefasst ist, zeigt seine Annäherung aus dem Alltagsleben der Umgebung, über das Gelände in die inneren Flure bis hin zum Kraftzentrum, dem Reaktor mit seinen Schwerwasserbecken. Von dort führt der Weg über die Turbinenhalle und die Kühlanlagen wieder nach draußen in die Welt. Menschen sieht man in den Bildern nur außerhalb der Anlagen – drinnen ist nur Technik. Im Buch gibt es im Bilderteil keine weiteren Informationen zu den Bildern und die Fotografien aus den verschiedenen Kraftwerken stehen unkommentiert nebeneinander. So werden all die Anlagen zu einem symbolischen deutschen Meiler.

Es ist eine neutrale, wertungsfreie Fotografie, die den Blick freigibt für das Außerzeitliche der menschlichen Idee, auch extreme physikalische Energien technisch beherrschen zu können. Die deutschen Kernkraftwerke, allesamt zwischen dem Ende der 1950er und dem Anfang der 1980er gebaut, zeigen sich genau auf der Kippe zwischen Futurismus und beginnendem Verfall. Der kühle Blick durch die Kamera nimmt vorweg, wie künftige Generationen auf diese Technik schauen werden: Verwundert, neugierig, verwirrt und beängstigt.

Ein besonderes Erlebnis ist es außerdem, mit Thorsten Klapsch über seine Erlebnisse in den Atomanlagen zu sprechen. So wird die Neutralität der Fotos noch durch das persönliche Erzählen bereichert: Er wurde permanent und in allen Kraftwerken von zwei Aufpassern begleitet, einem Strahlenschützer und einem Menschen von der Öffentlichkeitsarbeit. In heiklen Momenten gingen die aber auch schon mal raus oder um die Ecke, damit sie nicht so viel Strahlung abbekamen. Ein anderes Mal wurde ihm trotz Foto-Erlaubnis von der Polizei das Auto auseinandergenommen – den Beamten kam die große Kamera zu verdächtig vor. Oder er erzählt von einer Anwohnerin, die beim Location Scouting auf die Frage ob man aus ihrem Garten die Kühltürme sehen würde sagte, sie müsse erst mal kurz rausgehen und nachschauen. Dabei merkt man wie ambivalent das Leben mit Kernkraft ist: Es schwankt permanent zwischen gewöhnlicher Normalität und dem totalen Ausnahmezustand menschlicher Bedrohung.

Absolut empfehlenswert:
Stage Brother’s Inn, Eisenbahnstraße 12, 10997 Berlin
17:00 – 20:00 Uhr

 

Autor:

Magnus Hengge

 

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