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1. Oktober 2011 22:00:28

… zwei Welten: Mit Mao wieder daheim

Eigentlich habe ich am 27.9.11 nach dem elfstündigen Flug schon bei der Sicherheitskontrolle in Frankfurt/Main gemerkt, dass ich wieder zu Hause bin. Das Personal war nur halb so freundlich, zuvorkommend und schnell (man könnte auch professionell sagen), wie beim Abflug in Shanghai das chinesische. Mit geradezu beamtenhafter Lahmarschigkeit und Langeweile wurde die kofferbewehrte Menschenschlange im Flughafen von F. bearbeitet. Weil ich dann – jeder musste seinen Kunststoffkasten zur Ablage der persönlichen Sachen vor dem Scannen selbstverständlich selbst aufs Laufband stellen – den meinigen mit ein wenig Betonung aufs Band krachen liess, war ich selbstredend beim Köfferchenaufmachen mit dabei, denn: Strafe muss sein!

Der kurze Flug von F. nach Berlin eröffnete aber dann von oben ein lange vermisstes Bild: Ein klarer Himmel und ein weithin leuchtendes, nur von vereinzelt aufragenden Hochhäusern gestörtes Bild eines großen Gemeinwesens. Die vergleichsweise geradezu einsamen Hallen von Tegel entließen die Ankömmlinge in eine klare, etwas kühle, aber reine, deutsche Nachtluft. Die chinesische Luft (ob tags, ob nachts) empfindet man weniger sauber, sondern eher angefüllt mit Produkten, die vor allem aus menschlichem Tun stammen. Aber auch dort, wie in Deutschland, gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. In Peking, Xian, Chongqing ist anscheinend mehr drin, in Suzhou, Hangzhou, Nanjing und Shanghai weniger.

Zum Beispiel Chongqing, größte Stadt Chinas - ein Wald von Hochhäusern, nur wenige Deutsche kennen überhaupt ihren Namen. Hat ja auch nur 30 Millionen Einwohner. Der Straßenverkehr – ich würde ihn nicht mit Berlin vergleichen. Ganz andere Liga. Aber auch deshalb nicht, weil sich Autoinsassen nach einem Verkehrsunfall gern mal in die Wolle kriegen, also mit blutiger Nase und so. Passiert in Berlin eher nicht. Hier ist große Ruhe, Grün und Langsamkeit angesagt, also relativ gesehen. Aber auch langweilige, eintönige Architektur. Hätte nie geglaubt, dass Wolkenkratzer eine architektonische Schönheit aufweisen könnten. In Shanghai/Pudong ist es so. Wohnen möcht ich trotzdem dort nicht. Abends drei Stunden durch Shanghai gelaufen und in Nordchina den Drei-Schluchten-Staudamm besucht. Was man da sieht und erfährt, passt nicht mehr in einen kurzen Bericht.

Zurückgekommen in eine Stadt, die gerade gewählt hat. Natürlich richtig. Jeder bekommt das, was er braucht. Der Regierende wird weiterhin zufrieden aussehen – jedenfalls auf Fotos - und ab und zu mal eine Kulturidee haben. Die Grünen wollen jetzt - ganz unbedingt - regieren. Nur zu. Die Linke vielleicht richtige Opposition, das ist was für`s Herz. Und die CDU hat bis zum nächsten Jahr – Bundestagswahl - viel Zeit zu überlegen, was aus ihr wird, wenn sie 2013 auch im  Bund verliert - Der letzte Anhänger dieser Partei wird spätestens dann gemerkt haben, dass seine Währung nichts mehr taugt und sein Erspartes vielleicht auch weniger wert ist.

Zurückgekommen in eine Stadt, wo Freitag abends in Mitte Vernissagen-Gäste mit einem Glas Hochgeistigem die Bürgersteige verstopfen, wo vorwiegend junge Männer und Frauen Sonnenbrillen tragen, obwohl gar keine Sonne scheint, wo man ab und zu sogar schon mal ein E-Moped sieht und wo der schnorrende, polnische Punker am Bahnhof immer noch fidel aussieht, verglichen mit dem Bettler vor dem chinesischen Buddha-Tempel.  In Chinas Großstädten ist auch dies etwas anders: Abends treffen sich in den Parks der Stadt die 50-70 Jährigen zum gemeinschaftlichen Singen von Volksliedern und Liedern aus der Mao-Zeit. Die 30-50 Jährigen, vorwiegend Frauen, tanzen gemeinsam in  großen Pulks zu modernen oder weniger zeitgemäßen chinesischen Pop-Rhytmen. Meister des Thai-Chi üben selbstvergessen oder unterrichten Schüler. Und das E-Moped ist Massenverkehrsmittel.

Kleinkinder sieht man meist von vielen Erwachsenen umringt – die kleinen Buddhas werden verwöhnt.(Kleines Detail: In den Hosen der Sprösslinge ist vorn und hinten ein kleines Loch, für das schnelle Geschäft). In China gilt seit 1976 die sogenannte Ein-Kind-Politik – das Land hat aber, mit 1,3 Milliarden Einwohnern, schon jetzt zu tun. Wer mehr als ein Kind hat, muss zahlen. In Deutschland muss niemand zahlen, wenn in der Familie mehr als ein Kind heranwächst. Trotzdem entscheiden sich viele Deutsche auch nur für ein Kind. Letztlich eine kleine deutsch-chinesische Gemeinsamkeit.

Mao ist in China noch gegenwärtig, nicht nur als Mao-Bibel für die Touristen. Auch auf den Geldscheinen ist er präsent. Einer davon (10 Yuan=1,20 €) ist mit nach Berlin geflogen. Seit Monaten sinkt der Wert des Euro gegenüber dem Yuan. Apropos Geld. Die Chinesen, also der Staat, haben genug davon. Dollar, Euro. Um die drei Billionen Devisenreserven. China kauft seit Jahren US-amerikanische Staatsanleihen, seit kurzem auch europäische, stützt somit unseren Euro. (Viele Chinesen würden das Geld lieber im eigenen Land angelegt sehen, z.B. für Soziales und Umwelt). Außerdem sorgt der chinesische Markt dafür, dass der Absatz (u.a.) der deutschen Autoindustrie brummt und dort mehr verkauft wird als anderswo. Da aber Dankbarkeit eine sehr unökonomische Kategorie ist, werden die Amerikaner und Europäer etwas dafür geben müssen. Nicht nur Absatzmöglichkeiten für chinesische Produkte. Ein teures, technisches Museum haben wir auch noch besucht. Die deutsche Magnetschwebebahn (21 km) fährt mit 430 km/h zum Flughafen Shanghai. Keiner braucht sie, keiner kauft sie. Die Chinesen bauen von Peking nach Shanghai aber ihren eigenen, schnellen Zug. Quo Vadis Europa?

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

14. September 2011 20:21:07

… nicht Wien: Buchvorstellung im Österreichischen Kulturforum mit Eva Menasse und Thomas Kapielski

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Nach der Lesung im Gespräch von links nach rechts: Der Verleger Joachim Otte, die Autorin und „Patin“ des Buches Eva Menasse und der Berliner Autor Thomas Kapielski

Das war schon recht amusant, wie gestern Abend im Österreichischen Kulturforum bei der Buchvorstellung „Wien, küss die Hand, Moderne.“ zwischen Wien und Berlin kleine zänkische Nettigkeiten ausgetauscht wurden. Schon der österreichische Kulturattaché Wilhelm Pfeistliger brillierte mit einer wortverliebten Eingangsrede über den lebendigen Tod und im unsterblichen Wien (schade, dass sie niergend veröffentlicht wird) und die folgenden Lesungen der beiden Autoren Eva Menasse und Thomas Kapielski brachten zwei ganz unterschiedliche Annäherungen ans Thema „Wien“ auf die Bühne. Einmal aus der Sicht einer, die Wien wohlüberlegt verlassen hat und halb wehmütig und halb erleichtert zurück blickt, und einmal von einem, der als Kaffeetester extra hingeschickt wurde und den nach einiger Zeit der heiße Mokkafuror trieb.

Der Kapielski-Text über einen 3-tägigen Dauertest in unzähligen Wiener Kaffeehäusern kann man auch beim Österreichischen Standard nachlesen. Dort im Schriftbild leider schwer zu lesen, im Vortrag des Autors war’s aber höchst amüsant.

Das Buch ist im Corso Verlag erschienen.

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

14. September 2011 19:13:21

… 3D-animiert: Intel Visibly Smart Experience

Im Zuge der Berliner Music Week, die ihren Höhepunkt am vergangenen Wochenende in Form einiger Festivals und vieler Konzerte erreicht hatte, wurde ich Zeuge eines ganz besonderen Spektakels:
Die Kunstfabrik am Flutgraben, die mir in erster Linie durch meinen morgendlichen Arbeitsweg bekannt ist, wurde vom Münchner Lichtkünstler Markos Aristides Kern zum Leben erweckt.

Zu dem eigens für diese Live-Performance vom DJ-Duo Moonbootica komponierten Sound geriet das Gebäude, das normalerweise durch seine Industrieoptik (und die von unserem Büro aus sichtbare Dachterasse) glänzt in stürmisch-lebendige Bewegung. Es tanzte, veränderte sich, fiel in sich zusammen, richtete sich wieder auf, um dann in seine Einzelteile zerlegt zu werden, welche sich so um ihre eigene Achse drehen konnten, zu vibrieren anfingen, sich wieder zusammen fügten und letztendlich weitertanzten.

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Nach Ende der Lichtshow wollte ich der Sache natürlich auf den Grund gehen, zumal mir die ausgeklügelte optische Täuschung als äußerst aufwendig erschien. Ich wurde eines Besseren belehrt:
Mit Hilfe eines weltweit einzigartigen Projektionsfahrzeugs von intel, namens „Multi Media Offroad Vehicle“ (MMOV), war es möglich, die atemberaubende Lichtperformance unter dem Titel „Intel Visibly Smart Experience“ auf das alte Backsteingebäude zu mappen. In einem überschaubaren Kastenwagen, der seitlich mit einer Glaswand ausgestattet war, befanden sich acht verhältnismäßig große Beamer, die von dort aus ein vielfaches der üblichen HD-Auflösung projizieren konnten. Zudem war das Fahrzeug mit einem eigenen Serverpool ausgestattet. In einer halbstündigen Prozedur wurde der ehemalige Speicher mit einem Laser gescannt und der Aufbau war somit auch schon abgeschlossen. Nun war es für den Künstler möglich live und in Interaktion mit dem Publikum und dem DJ-Team das Gebäude zu bespielen.

Das eineinhalbstündige Event zog einige hundert Zuschauer auf das Gelände neben der Arena, welches schon Tage zuvor aufgeräumt wurde, um einen möglichst freien Blick auf das Gebäude zu ermöglichen. Bereits im August bereiste das mobile Projektionsfahrzeug die Stadt Dresden. So kann man nun hoffen, dass es sich nicht um ein einmaliges Event handelte und die Performance noch ein paar andere Städte bereist. Watch out for MMOV!

 
 

Autor:

Gloria

 

13. September 2011 16:17:54

… nicht Paris: Midnight in Paris von Woody Allen

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Erst mal Paris ansehen: Zum Start gibt es 5 Minuten nur unbewegte Straßenszenen mit Musette unterlegt. Schon mal gut, denn man denkt sich bei jeder Szene „ach da war ich schon, das ist Place de la Concorde, das ist Boulevard  St. Germain, das ist …“ – dieses Paris ist mehr ein Bild oder eine Vorstellung von einer Stadt als eine wirkliche Stadt. Womit wir mitten in der Geschichte gelandet wären: Was könnte man erlebt haben, wenn man im „goldenen Zeitalter“ dieser Stadt schon hier gewesen wäre, in den „20ern“ oder in der „Belle Epoque“ oder doch in der „Renaissance“?

Der Held der Geschichte entflieht, gedrängt von dem Plan sich mit einer knackigen, amerikanischen Blondine, die aus einer Tea-Party-nahen Familie kommt, zu vermählen, in das Paris seiner Träume. Er begibt sich immer um genau Mitternacht in eine vergangene Realität, in der er allerlei Größen der Kulturgeschichte trifft: Hemingway, Picasso, Gertrude Stein, Man Ray, Dalí und viele mehr. Mit ihnen spricht er über seinen Roman und nebenbei verliebt er sich in eine zauberhafte Frau, die Picasso Modell stand und für die Belle Epoque schwärmt. Und schwupps schon haben sie sich nochmal 35 Jahre weiter in die Vergangeheit geschossen, wo sie Toulouse-Lautrec, Gauguin und Degas treffen. Diese Zeitreise inmitten des hurmorvoll zänkischen, Woody-Allen-typischen Geplauders führt unseren Helden direkt in die Arme einer jetztzeitlichen Trödelladenverkäuferin, die genau wie er den Regen in Paris liebt.

Es ist eine reine Klischee-Geschichte, gespielt von lauter herrvoragenden Schauspielern, die großen Spaß an diesem Film haben. Ich fand es wunderschön!

Gesehen im Kino International

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Kino

 

7. September 2011 15:07:20

… verhauen: Latschenklatscha für fast alles

<br />

Seit einigen Tagen finden sich in Kreuzberg kleine Plakate (schwarz/weiß-Kopien), die hauptsächlich auf den Wahlplakaten von allen Parteien kleben. Überall sind Slogans in der Form „Latschklatscha für …“ zu lesen, die sich vordergründig gegen Gentrifizierungsphänomene wenden (auf einem Plakat steht auch ausdrücklich „Latschenklatscha für Gentrifizierung“). Auf den Bildern sieht man lauter hippe, junge Leute, die mit einem Latschen oder einem Schuh bewaffnet dem Betrachter drohen.

Das Ganze ist doch ziemlich unausgegoren und ich verstehe nicht so recht was es soll. Gestern Abend sah ich einen Rastafari-Typen, der das Plakat „Latschenklatscher für Gentrifizierung“ fotografiert und zu mir sagte „recht so!“, eine Freundin dachte es sei bestimmt eine geschickte Werbung für eine Schuhmarke, und da die Abgebildeten doch eher nach kreativer Mittelschicht aussehen, kommen die Prekariatsgesten doch eher karikaturesk oder sarkastisch rüber. Auch die Formulierung mit dem „für“ ist missverständlich. Meint „Latschenklatscha für Mauerpark“ nun, dass man den Mauerpark mit einem Latschenklatscha unterstützt oder ablehnt? Irgendwie habe ich den Eindruck, dass sich das Projekt eher über die Echauffiertheit der Gentrifizierungsgegner lustig macht, als dass es auf deren Seite steht.

Wahrscheinlich mochte irgendein Fotograf einfach das Wort „Latschenklatscha“, hat einige seiner Freundinnen und Freunde zusammengetrommelt, um bei einer Party ein paar grelle Fotos zu schießen, die ja wirklich ganz lustig sind. Jetzt klebt die Schnapsidee halt als irgendwie politische Wall-Art in den Straßen und ist was es ist: eine Schnapsidee. Immerhin besser als Schnaps zu saufen, und keine Ideen dabei zu entwickeln!

latschenklatscha_3

Auch andere berichteten …

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

3. September 2011 12:15:34

… local: Hero – Fotoausstellung der Bildagentur ShotShop

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Das Zögern des Helden: „Soll ich es wirklich angehen?“

Es ist eine Heldenaufgabe, diese Ausstellung zu betrachten. Über 11 Stationen begibt man sich von einem Zustand des Heldendaseins zum nächsten, von der Ruhe (CALM) vor dem Ruf (CALL) des Abenteuers, und dem Zögern (REFUSAL) vor dem Aufbruch (DEPARTURE), stellt man sich nach dem Überschreiten des Punktes, an dem es kein zurück mehr gibt (CROSSING), der Herausforderung (Contest), nach deren siegreichem Bestreiten man belohnt wird (REWARD) und zurückkommt (RETURNING), um nun in Form einer Geschichte als Kern einer Saga wiedergeboren zu werden (RESURRECTION), wodurch man die Unsterblichkeit erlangt (TRANSFORMATION).

Zu diesem Schnellabriss einer Heldengeschichte sind Bildgruppen assoziativ zusammengestellt, mit denen die jeweilige Begrifflichkeit ganz unterschiedlich visuell bespielt und ausgeweitet werden. Die hier zu sehenden „lokalen Helden“ brauchen weder Superkräfte noch Kostüme und stellen sich dennoch im richtigen Augenblick ihrer Aufgabe und Bestimmung.

„LOCAL: HERO“ ist die Jubiläumsausstellung zum 5-jährigen Bestehen der Bildagentur ShotShop, die im Tagesgeschäft als MidStockAgentur fest in der Werbewelt verankert ist. Mit der schlüssig kuratierten Zusammenstellung (48 Bilder, 24 Fotografen, viele aus Berlin) bewegen sich die Macher aber bewusst aus dem normalen Kontext der Hochglanzmagazine mit ihren stereotypen Klischeebildern heraus. Hier werden spontane, persönliche und geradezu antiwerbliche Bilder gezeigt, wodurch die Frage nach der Wertigkeit der Fotografien aufgeworfen wird. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die gleichen Fotografen mit ihrem echten Namen Fotos über Galerien im Kunstmarkt verkaufen (wenn es gut läuft zu Preisen im vierstelligen Bereich) und über Pseudonym im StockMarkt anbieten (dann zu Preisen im ein- bis zweistelligen Bereich). Die Bilder dieser Ausstellung fragen laut „warum?“. Warum ist das eine Bild nur 30 Euro wert und ein anderes vom gleichen Fotografen, vielleicht sogar aus der gleichen Serie, 3000? Jedenfalls halten alle ausgestellten Arbeiten der Herausforderung stand, sich im Rahmen dieser „Fotokunst“-Ausstellung zu behaupten.

Esmod Haus, Görlitzer Straße 51, Berlin-Kreuzberg
Öffnungszeiten:
03.-04. September 2011, 16-22 Uhr
09.-11. September 2011, 16-22 Uhr

<br />
Kurator Stephan Krömer bei der Führung durch die Ausstellung
 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

31. August 2011 21:12:14

… Steckbrief: Lautlos wie 007

Es hat seinen Siegeszug gerade begonnen. Man trifft es – selbst in Berlin – noch selten, zahlenmäßig nicht vergleichbar mit seiner lärmenden Verwandtschaft, aber es entwickelt sich. - Lautlos und elegant wie ein Indianer bewegte sich gestern das Elektromoped in der Nebenstraße an mir vorüber – bestückt mit einem etwas hochnäsigen Fahrer, der mir seine Antworten im Abfahren zuwarf. – ELMOTO hieß das Ding, kostet um die 4.600 € und fährt mit einer Akkuladung ca. 60-70 km weit. Die Reichweite ist noch nicht befriedigend, der Preis zu hoch, aber es hat begonnen. Irgendwann wird man bessere Akkus mit einer höheren Speicherkapazität bauen, die Reichweite und die Anzahl der Ladestationen werden zunehmen. Damit wird es für einen größeren Kreis von potentiellen Käufern interessanter und aufgrund höherer Produktionszahlen werden auch die Kosten und Preise sinken. Die kleinen E-Mopeds oder E-Fahrräder, aber auch die E-Autos werden unsere Ohren sowie die Umwelt schonen und vielleicht sogar unsere Abhängigkeit vom Import-Öl etwas verringern. In Berlin – auch in Deutschland insgesamt gibt es Veränderungen - krempelt sich die Verkehrsstruktur sowieso um, der Beginn ist bereits eingeklingelt. Mehr und mehr Fahrradfahrer sind im Straßenbild zu sehen. Die Erweiterung bestehender oder der Bau neuer Radwege hinkt hier dem Bedarf und den Prioritäten jedoch hinterher. Kleines Beispiel: Während man endlos über den Umbau der Kastanienallee diskutiert, ist der Radweg in der vielbefahrenen Schönhauser Allee bereits völlig überlastet und dringend erneuerungsbedürftig. Der öffentliche Personennahverkehr wird, wenn auch mit Kostendruck, bleiben und die privaten, kleinen, wendigen, parkplatzsparenden Verkehrsmittel werden für die Großstadt weiter an Bedeutung gewinnen. Und eines Tages werden diese lautlosen, elektrischen Mobile nicht mehr nur von Technik-Freaks, Angebern oder von denen, die es sich finanziell einfach leisten können, gefahren: Das Jahrzehnt der elektrisch angetriebenen Mobile ist gerade angebrochen und wir werden dabei sein! Auf die Stille in den Straßen müssen wir allerdings noch ein Weilchen warten.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

25. August 2011 13:47:26

… Augenblicke: Junge Frauen und Botticelli

Heute früh stand vor dem großen Schaufenster des Zeitungskiosk auf dem Bahnhof Friedrichstraße eine Frau, die das dort ausliegende Buch „Die Entdeckung der Frauen in der Renaissance“ von Thomas Blisniewski fotografierte. Auf meine Frage, warum sie das tue, antwortete sie, dass der Autor gerade im Ausland sei und sie ihm das Foto mailen wolle.

Das „Profilbildnis einer jungen Frau“ von Sandro Botticelli (1445-1510) gemalt, welches jenes Buchcover schmückt, ist in der Ausstellung im Bodemuseum zu sehen, die heute unter dem Titel „Gesichter der Renaissance“ (bis 20.11.11) beginnt. Botticelli, der Maler, der u.a. die geheimnisvolle Bilderreihe „Geschichte des Nastagio degli Onesti“ – die im Madrider Prado hängt – und das berühmte „Die Geburt der Venus“ geschaffen hat, zeigt uns mit der schönen Frau aus dem Profilbildnis ein selbstbewusstes, kluges und erstaunlich heutiges Gesicht. Auch die komplizierte und wunderschöne Haarpracht ist von dieser Welt und so ähnlich ja manchmal auch im Alltag zu sehen. Auffallend ist die verblüffende Ähnlichkeit der Gesichtszüge der Frau im Profilbildnis und der Venus. Dass die Schöne somit nicht nur ein Modell, sondern für Botticelli vielleicht sehr viel mehr war, lässt sich erahnen und – zumindest aus männlicher Sicht – leicht nachvollziehen. Möglicherweise ist dieses ansprechende Antlitz aber auch eine konstruierte und modellierte Idealschönheit, wie sie zuweilen ja auch der Büste jener altägyptischen Nofretete zugesprochen wird, die heute Berlins edelstes und bekanntestes Frauengesicht darstellt.

Die Frau vom Zeitungskiosk und ich unterhielten uns noch ein kleines Weilchen darüber, was etwas plötzlich oder nach längerer Zeit zu Kunst werden und manches davon die Jahrhunderte überdauern lässt. Sicher ist, dass nicht jeder Künstler zu Lebzeiten die Anerkennung und vielleicht sogar den Ruhm erntet, die zu späteren Zeiten auf sein Werk fallen. Andererseits ist mancher, der in seiner Zeit als Großer bezeichnet wurde, in den Augen der Heutigen ein Nichts. Wer und was aber entscheidet und erhebt solche Bilder in den Stand der Kunst oder sogar Zeitlosigkeit? Dass viele das auch bei dieser neuen Ausstellung in Berlin selbst herausfinden wollen, zeigt die bereits heute Morgen entstandene, lange Schlange am Ticketschalter.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

22. August 2011 08:02:55

… zugeschaut: Bekannte und Unbekannte

Essen ist auch Kultur, manchmal jedenfalls. Die schnurrbärtigen oder glattwangigen, deutschlandweit bekannten, Profi-Essenszubereiter aus dem Fernsehen sind dort ja eigentlich keine Köche mehr. Für das werkelnde Laien-Fußvolk - manche von ihnen mutieren vor der Kamera allerdings förmlich zu Experten – und für das begierig zuschauende oder mittuende Fernsehpublikum sind sie Ratgeber, Manager, Geschichtenerzähler und -abfrager sowie Scharfrichter und Idol in einer Person.

In Berlin läuft das etwas anders. Schon der Alltag im Kiez führt dem Einheimischen immer wieder Prominente vor die Augen, ohne dass er deshalb vor Verzückung gleich aus den Latschen kippen würde. Vor zwei Tagen lief mir in der Ackerhalle Inka Friedrich über den Weg. Natürlich hätte ich ihr bei dieser Gelegenheit lässig sagen können, wie gut sie (ein Weilchen her) in „Sommer vorm Balkon“ gespielt hat. Hab ich aber nicht. - Gestern Mittag wiederum fuhr Annette Schavan mit dem Fahrrad durch die Torstraße. Nun war kein weiterer Mensch in der Nähe und ich hätte ihr zurufen können: „Oh, Frau Ministerin, Sie hier? Guten Weg!“ Oder: „Warum hört man so selten etwas von Ihnen oder was wird denn nun – ja, ja, es ist Ländersache – aus unserem zurückgebliebenen Bildungs – und Schulsystem?“ Dann hätte ich, wie im britischen Unterhaus, noch ein lautes „Yeah, Yeah“ nachschieben können. Nun, solche Reaktionen kann man den Touristen überlassen. Manchmal ist aber nicht mal ein solcher in der Nähe, wie auch im folgenden:

Die Händler und den neueröffneten Markt am Nordbahnhof kennt keiner und niemand geht hin – bis jetzt jedenfalls. Ich will gern meinen Beitrag leisten, um diesem Zustand abzuhelfen und habe Ende der Woche am Obststand zwölf Äpfel aus neuer Ernte (Elstar) gekauft. Anschließend wurden die Äpfel gewaschen, geviertelt, stellenweise ausgeschnitten und kamen dann, zusammen mit 300 ml Wasser, drei Teelöffel Zucker, ein Stück Zimt und zwei Nelken, in den Topf. Daraus wurde Apfelmus gekocht, welches dann durch ein Sieb gedrückt und kaltgestellt wurde. Das kalte Mus hat eine wunderbare hellbraun/zimtene Färbung und schmeckte sehr aromatisch. Dann wurde es in Gläser gefüllt und anschließend in Berlin verteilt. Ein beträchtlicher Teil der Familie lag danieder oder fühlte sich malade. Da kam das Apfelmus gerade recht. – Ich habe zwar auch einen Schnurrbart, bin aber ein unbekannter Koch und will es auch bleiben.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

15. August 2011 21:56:41

… Augenblicke: Drei Boxer im Park

Zwei Männer, beide um die 30, und eine kräftige, hochgewachsene Frau, schwedenblond, in gleichem Alter, gaben heute Abend auf der großen Rasenfläche im Monbijoupark eine kostenlose  Vorstellung im Boxen bzw. Kickboxen. Zuerst kämpfte der eine (sehr beweglich, schwarzes, zum Pferdeschwanz gebundenes Haar und Beinschützer) gegen die weißgekleidete Amazone. Das heißt, der Mann deutete seine Schläge mehr oder weniger an, die Blondine schlug ihre, ebenfalls in Boxhandschuhen steckenden Fäuste, stärker durch. Konditionell kam die Frau durchaus einige Zeit mit, aber als ihre Arme schwerer wurden, bekam sie ihre Pause. Jetzt kämpften die beiden Männer - der zweite war zwar ebenso groß, aber etwas schmächtiger und hatte schon einige graue Haare – mit deutlich größerem Ernst und Einsatz (die Frau war Zuschauer), setzten dabei auch die Beine ein. - Im noch sonnenbeschienenen Park war die Rasenfläche gut besucht, aber niemand interessierte sich für die drei Boxer. Kein Blick ging zu dem ungewöhnlichen Trio hinüber, jedenfalls ließ sich niemand etwas anmerken. Oft spricht man von der Macht der Bilder – hier versagte sie offenbar.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 
 
 
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