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19. April 2008 19:08:45

… was Schülertheater sein kann: Kasimir und Karoline an der Waldorfschule Kreuzberg

kasimirundkaroline.jpg
Anna Drexler und Frederik Schmid als Karoline und Kasimir

Schülertheater muss ja eigentlich nicht durch inszenatorische Geniestreiche oder besondere Einzelleistungen der „Schauspieler“ überzeugen, sondern man freut sich als verwandter oder bekannter Zuschauer einfach über die gemeinsame Anstrengung aller Beteiligter und sieht fast ein bisschen mit Schrecken, mit welch großen Schritten sich die Kleinen von gestern zu den Großen von heute entwickelt haben. Jetzt läuft in der Waldorfschule Kreuzberg allerdings ein Stück, bei dem noch echtes Erstaunen über die wirklich sehr aktuelle und überaus ideenreiche Inszenierung hinzukommt. Diese Zwölftklässler spielen da richtiges Theater, bringen exakt herausgearbeitete Charaktere auf die Bühne und machen (bzw. haben) richtig Spaß. Über kleine Wackler im Ablauf und kurze Texthänger ist da absolut hinwegzusehen – ich kann mich an nichts derartiges erinnern!

Die Schüler suchten sich selbst das Volkstück Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horwárt aus, das sie in Regie von Josefine Wüst und mit aktiver Unterstützung der Schauspielerin Bettina Drexler (selbst „Waldorfmutter“) zur Inszenierung erarbeiteten. Dabei sind dem Team eine ganze Reihe guter Einfälle und Aktualisierungen gelungen, die dem jugendlichen Naturell der Akteure sehr entsprechen. So gibt es … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

18. April 2008 09:50:59

… Kampagnen-Startplatz: Biosprit macht Hunger

Biosprit macht Hunger
Kampagnenstart vor der Haustür

Überall sind die 68er das große Thema: Die Akademie der Künste macht eine ausgedehnte Reihe zu der Zeit, in der so viele ihrer Mitglieder sozialisiert wurden, das arte-TV-Programm quillt über mit Berichten von jedem, der damals eine Kamera halten konnte und die überigen Sender treten die sogenannte damalige „sexuelle Revolution“ platt. Sex sells. Eine zentrale Frage von allen Strömungen und Bewegungen damals: Lässt sich das Politische mit dem Privaten verbinden? Eine Frage, an der seit den Sechzigern immernoch herumlaboriert wird. Wenn jetzt so oft die Frage nach den Folgen und der Relevanz der 68er gefragt wird, dann sehe ich ihre Einflüsse besonders in der Selbstverständlichkeit der Forderung nach Selbstbestimmung und der Haltung des zivilen Ungehorsams gegenüber gesellschaftlichen Zuständen, die der Einzelne nicht hinnehmen möchte. Beides spielt sich in unserer inzwischen sehr individualisierten Gesellschaft vor allem im Privaten ab, doch gerade die vielen, zum Teil sehr spezialisierten, Bürger- und Menschenrechtsbewegungen verbinden das Politische und Private ganz bewusst öffentlich. Eine Bewegung, die sich sogar aus einem hedonistischen Impuls heraus unterstützen lässt, ist die Fair Trade Bewegung. Hier fließt Shopping-Lust und reines Gewissen … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

Kategorie:

Alltägliches

 

8. April 2008 23:06:21

… im Zentrum: Kateřina Šedá auf dem Außengelände der Biennale 5

Im Skulpturenpark_Zentrum

Soziale Plastik: Kateřina Šedá umbautes Areal für die „Opening Celebration“

Die Benennung des Ortes zeigt angesichts der örtlichen Realität eine höchst euphemistische Tendenz der Verantwortlichen der Berlin Biennale 5. „Skulpturenpark Berlin_Zentrum“ – das ist zwar faktisch richtig, doch gefühlsmäßig eher das genaue Gegenteil. Auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen den Bezirken Kreuzberg und Mitte, befindet man sich auf der berliner Landkarte zwar im Prinzip nahe des Zentrums, doch die von der Geschichte der Stadt umgewühlten und seit der Wende reorganisierten Grundstücksparzellen liegen heute so sehr hinter und neben allem, wie kaum ein anderer Ort. Man ist allerdings im Zentrum der Deutschen Geschichte, denn diese liegt noch keine Hand breit unter der Erde. Sie lugt aus jeder Furche und bricht aus jeder Ecke. Jeder Absperrzaun bekommt auf dem ehemaligen Todesstreifen zwischen den beiden deutschen Staaten besondere Bedeutung. Tatsächlich springen die überall zur Grundstücksmarkierung aufgestellten Absperrgitter als die auffälligsten skulpturalen Elemente ins Auge, weswegen auch der Ausdruck „Skulpturenpark“ überaus geschönt ist. Relevanz bekommen die meisten von Künstlerhand geschaffenen Skulpturen dann auch fast ausschließlich durch die Historie des Ortes.

Hier vollkommen richtig positioniert findet sich die Arbeit von Kateřina Šedá, die sich auf das Thema Grenzüberwindung fokussiert. Beim Anblick ihres Heimatdorfs … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

5. April 2008 16:04:52

… zeitweise: Olav Christopher Jenssen im Haus am Waldsee

Olaf Christopher Jenssen im Haus am Waldsee

Olav Christopher Jenssen gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Norwegens, weswegen er auch offiziell von der norwegischen Botschaft gelabelt wird. Er lebt schon ungefähr 20 Jahre in Berlin und hatte trotzdem noch nie in dieser Stadt eine große Einzelausstellung. Genau das ist die Lücke, in der die Leiterin und Kuratorin des Hauses, Frau Dr. Blomberg, das Haus am Waldsee im Berliner Kunst- und Museums-Business positionieren möchte. Ihr gelingt das Kunststück wichtige Kunstschaffende auszustellen, die in Berlin selten gezeigt wurden und deren Werk oder Leben trotzdem einen klaren Bezug zur Stadt bieten. Zusätzlich neigt sie überhaupt nicht dazu, diese Künstler (sofern es noch lebende sind) künstlich zu hypen – was sehr sympathisch ist – und trotzdem werden zu den Ausstellungen immer beträchtliche Mittel und Sponsoren akquiriert, die das Ganze überhaupt ermöglichen.

Olav Christopher Jenssen ist so einer, der sich nicht gut hypen lässt. Dazu ist sein Werk zu spröde, vielgestaltig und unklar. Es gibt vielleicht ein paar wenige formale Konstanten, die sich über die verschiedenen Disziplinen (Malerei, Zeichnung, Plastik, Skulptur) erkennen lassen (z.B. von oben herabhängende hängende bzw. schwebende Formen, gleichartige Formatreihen und die ganz allgemeine Abstraktion der Motive) aber im Prinzip … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

30. März 2008 23:20:04

… spontane electro Entladung: im Görlitzer Park

(Entweder JavaScript ist nicht aktiviert, oder Sie benutzen eine alte Version von Adobe Flash Player. Installieren Sie bitte den aktuellsten Flash Player. )

Was braucht man? Eine Autobatterie, ein paar Laptops, ein Keyboard, eine alte Anlage und ein paar Leute, die keine Lust haben, am ersten einigermaßen warmen Tag des Jahres drinnen zu hocken. Von all dem gibt es genug in Kreuzberg. Es ist also der richtige Ort für spontane Parkkonzere. Die Kuhle im Görli ist darum immer wieder für eine Überraschung gut.

Nachdenklich stimmte mich allerdings das Kind, dass ich kurz beim Tanzen aufgenommen habe. Zunächst zuckte der Kleine ziemlich eindeutig nach dem Vorbild von irgendwelchen durchsexualisierten R‘n'B-Mackern (was mich dazu verleitete das Ganze überhaupt zu filmen) und als er merkte, dass er aufgenommen wird, spulte er eine total dressierte Show ab. Ich spekuliere mal: Die positiv besetzte Erlebniswelt dieses Kindes besteht vermutlich mehrheitlich aus persönlichkeitsfeindlichen Talent-Shows und den Videobildern auf den einschlägigen Kanälen. Da ist der Sound, der Look und die Attitüde von ein paar schräge Electro-Schnullis (Skinnerbox) im Park doch ein durch und durch positiver Kulturschock.

(Keine Ahnung, warum die Qualität des Videos so schlecht ist. Rechnet YouTube die Uploads inzwischen noch miserabler um?)

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

30. März 2008 16:37:52

… gebrochen: Katastrophenalarm in der NGBK

Alarm bedeutet urspünglich (à l‘armes) „an die Waffen“. Es ist das Signal, um nach einem verheerenden Treffer zum Gegenschlag auszuholen: Mobilisiert alle Kräfte – bekämpft den Feind! Beim Katastrophenalarm ist der Feind natürlich nicht zu fassen und genauso wenig bekämpfbar. Das Feindliche ist die übermächtige Bewegung der Natur und neuerdings die vom Menschen aufgewirbelte Natur. Das Zerstörungspotenzial der Katastrophe wird für uns Menschen allerdings gerade dann sehr schmerzhaft und bedrohlich, wenn sich die Naturkräfte mit ihrem Veränderungsdrang (alles fließt!) gegen das Menschgemachte richten. Dabei ist zu erkennen, dass selbst vom Wind umgedrückte Bäume im Wald, ein Flurschaden (= Kapitalschaden) also, als Zerstörung von bewirtschaftetem Land verstanden werden muss. Es ist die Beschädigung einer Ressource, die gleichsam eine Kulturlandschaft darstellt, die vielleicht sogar gegen Totalverlust versichert ist und irgendjemand muss diesen Schaden begleichen. So eine Gedankenkette (quasi eine Alamierungskette) kann einem in den Sinn kommen, wenn man die Großfotos „Nach dem Sturm/Kyrill“ von Claudia Mucha sieht. Deutsche Landschaft – per Definition romantikverdächtig – im Moment der Zerstörung fotografisch ästhetisiert. … … Weiterlesen

 
 

Autor:

Magnus Hengge

 

30. März 2008 14:26:11

… kriminell satirisch: Rob Alef – Das magische Jahr

Rob Alef Das magische JahrDie Revolution hat gesiegt, es ist Sozialismus, im größten Kindertheater Berlins am Winterfeldtplatz geben sie „Kasperle und der Mehrwert“, an jeder Straßenecke der Stadt stehen lebende Wegweiser, die Informationen hinausposaunen, sobald sich Passanten nähern. So rückt man der Arbeitslosigkeit zu Leibe, und alles wäre gut, würde da nicht einer kurz vor der Feier zum Jubiläum der Revolte reihenweise Leute umbringen, die einstens, im magischen Jahr 1968 zum engen Kreis des Revolutionsführers Richard Dubinski gehörten. Hauptkommissar Pachulke macht sich an die Arbeit, seine Kollegin Zabriskie quält sich mit einer Wasserleiche aus dem Landwehrkanal herum. Es ist Juni, es schneit, der Müggelsee ist zugefroren.
Der Roman „Das magische Jahr“ von Rob Alef ist – man wird sich’s denken können – eine … … Weiterlesen

 
 
 
 
 
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