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5. April 2009 15:03:52

… Remix: Lawrence Lessig zu den gesellschaftlichen Gefahren des Copyrights

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Neue Medien, neue Technologien, neue Grenzen der Kreativität. Das bestehende Urheberrecht, insbesondere das US-amerikanische Copyright, kriminalisiert eine ganze Generation, die Musik und Bilder samplet, remixt und – nicht-kommerzielle – via YouTube und ähnliche Plattformen publiziert oder austauscht. „Produktpiraten“ sagen die Majors. Das ist kurzsichtig argumentiert und schlecht für die Gesellschaft – und für den Profit, argumentiert der Harvard-Rechtsprofessor und Creative Commons-Gründer Lawrence Lessig in seinem neusten Buch „Remix. Making Art and Commerce Thrive in the Hybrid Economy. Mit zahlreichen ebenso absurden wie komischen Beispielen und prägnanten Analysen belegt er, warum das aktuelle Urheberrecht längst nicht mehr zeitgemäß ist, und die Behauptung, jeder, der die modernen Medien kreativ, kritisch und frech nutzt, kriminell sei, ein Schuss ist, der nach hinten losgeht. In fünffacher Hinsicht tut eine Reform des Copyrights Not, erläutert der militante Kämpfer für einen klugen und pragmatischen Umgang mit dem Recht, das künstlerische Arbeit schützen soll. Die Anwälte von Sony, Universal und Warner werden es nicht gerne lesen. Sie versuchten schon – vergeblich – in den 1970er Jahren, den Vormarsch der Videokassette zu stoppen. An den Austausch- und Distributionsformen des 21. Jahrhunderts könnten sie sich eine goldene Nase verdienen, und letztlich doch die Zähne ausbeißen. Weder technologischer Fortschritt noch Kreativität lassen sich durch Gesetze aufhalten. Die hybride Ökonomie profitiert vom Sampling und Remix. Sie ist die Ökonomie der Zukunft.
Spannende Lektüre, wenn auch vorerst nur im englischen Original bei Bloomsbury, London.

Die Fallbeispiele sind dokumentiert bei http://remix.lessig.org.
Mehr zu Creative Commons unter http://de.creativecommons.org/

 
 

22. März 2009 21:56:06

… sexuell demoralisiert: Der Papst in Afrika

Die Haltung der katholischen Kirche, die den Einsatz von Kondomen zum Schutz vor AIDS nur aus der Perspektive der ungöttlichen Empfängnisverhütung sehen kann, ist mit einem humanistischen Blick auf die Welt kaum nachzuvollziehen. Auch wenn es für Humanisten nichts Neues ist, dass sie das Handeln der Kirche als irreales Herumgeistern erleben, stellen sich doch allen denkenden Menschen folgende Fragen:

Warum ist es kein Anliegen der Kirche, das mutmaßlich göttliche Werk in Form von lebenden Menschen, mit dem nachweislich wirksamsten Mittel, vor grassierenden und unter afrikanischen Bedingungen recht schnell zum tödlichen Ziel führenden Krankheiten zu schützen? Warum ist ihr die ungehinderte biologische Reproduktion menschlichen Lebens, egal unter welchen Vorzeichen, planmäßige Vergewaltigung als Form der Kriegsführung eingeschlossen, wichtiger?

Meine These leitet sich von der harmonischen Integration des Leids in das Prinzip Göttlichkeit ab. Die erste Enzyklika Benedikts XVI spannt die Richtschnur. Kirchliche Organisationen sind dementsprechend auch gerade dort sehr präsent, wo das Leid vermehrt auftritt. Die Karitas, die pflegende und hingebende Liebe, wird hier zur Maxime, um die Menschen ihrer wesentlichen Bestimmung zu überführen: Dem Leben nach dem Tod. Der Christ strebt liebend in den Tod, vielleicht sogar liebt er den Tod, da sich hier die Erlösung vom Weltlichen vollzieht.

Mir kommt die Haltung des Papstes vor, wie … Weiterlesen

 

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22. März 2009 19:40:50

… beschreiblich: über das eigene Äußern

Schon seit Längerem kommen zwei Umstände zusammen, die mich vom Bloggen abhalten:

Zum Einen ganz schnöde, die Tatsache, dass bei studio adhoc einfach sehr viel Arbeit anliegt, die mich nicht nur zeitlich ziemlich fordert, sondern auch inhaltlich stark beschäftigt. Nach und nach wird das Schreiben auch vermehrt ein signifikanter Bestandteil meiner gestalterischen Tätigkeit und mir scheint, dass damit das Bedürfnis, mich hier im Blog zu äußern, etwas abgenommen hat. Über das gleiche Phänomen las ich gerade in dem Buch „The Tokio Diaries“ von David Schuman, der ein rockiges Diary seines Japan-Aufenthalts geschrieben hat und bei dem ich gestern im Ramones-Museum bei einer Lesung war. Auch er sagt, dass er an Tagen, an denen er viel schriftliche Kommunikation mit Freunden in Deutschland hatte (E-Mails-Schreiben), keinen Drang mehr hatte, sich auch noch dem Verfassen seines Tagebuchs zu widmen. Auch er beklagt gleichsam, dass aber durch diese Art der Bedürfniserfüllung (oder ist es Faulheit?) alles verloren ginge, was er gerne aufheben wollte.

Zum zweiten hinterlies die intensive Beschäftigung mit der sogenannten „Gewaltfreien Kommunikation“ (mir wäre lieber, sie hieße „empathische Kommunikation“) in den letzten Monaten einen starken Eindruck in meinem Denken und Handeln. Ein zentraler Punkt beim gedanklichen Umstellen der eigenen Kommunikation (sow0hl beim Rezipieren wie beim Senden) auf die gewaltfreien Prinzipien ist, das strikte Auseinanderhalten von … … Weiterlesen

 

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12. März 2009 19:17:18

… Daniela Comani bei Laura Mars: Gender-Interventionen ganz ohne Geschlechterkampf

Das muss man gelesen haben: „Die Frau ohne Eigenschaften“ von Robert Musil.

Daniela Comani stellt in der Galerie Laura Mars „Neuerscheinungen“ aus. Zu sehen sind eine Menge Buchtitel, die alle einen winzigen Unterschied gegenüber den Originalen haben: Alle Angaben in den Buchtiteln, die sich auf das Geschlecht beziehen wurden umgedreht. Die technisch perfekten Manipulationen sind meist kaum zu bemerken, doch man hat immer das Gefühl, etwas stimmt nicht mit den abgebildeten Büchern, die zusammen so etwas wie den Kanon der Weltliteratur abgeben. Für mich erstaunlich ist, dass die zunächst banal erscheinende Umkehrung, doch eine sehr große Wirkung entfacht. Man fragt sich natürlich sofort, was Musil über „die Frau ohne Eigenschaften“ geschrieben hätte, was „Monsieur Bovary“ erlebt hätte, ob Hemingways Geschichte über die „Old Woman and the Sea“ auch eine Geschichte einer Anglerin geworden wäre, im Kampf um den Marlin und gegen die Kraft der Natur. Es ist nur der berühmte kleine Unterschied und schon steht die Weltliteratur kopf. Kleine Manipulation – große Wirkung.

Leider schon fast wieder vorbei: Noch bis 14. März 2009 bei LAURA MARS GRP.
Sorauer Str. 3, 10997 Berlin

 

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15. Februar 2009 01:41:39

… Sternschnuppen ausgesetzt: 21.25 Uhr – Zeit zum Wünschen

Eben war ich noch von den berührenden Dankesreden der Berlinale-Gewinnerinnen hingerissen, da zischte eine unglaublich helle Sternschnuppe durch den Berliner Nachthimmel. So viel Ergreifendes – was sollte ich mir wünschen? Wird natürlich nicht verraten, sonst erfüllt es sich ja nicht …

Bringt mich zu der Frage, wo der Zusammenhang zwischen Sternschnuppensehen und Wünschen herkommt. Schnell assoziiert, mutmaße ich, man wünscht sich was, weil das kosmische Geschoss in weiter Ferne und nicht in gefährlicher Nähe herunter gekommen ist. Es wäre also die Freude über das Überleben, man ist quasi nochmal davon gekommen und begreift den weiteren Verlauf des Lebens als Glücksfall. Woanders musste wohl jemand dran glauben.

So viel zu assoziiertem Aberglauben.

 

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Alltägliches