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18. November 2008 01:30:00

… mitgenommen: Waltz with Bashir erzählt in knallharten Traumbildern

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Der Film „Waltz with Bashir“ macht zwei neue Türen auf. Ästhetisch wie thematisch. Die ästhetische Neuigkeit ist die Idee, dokumentarische Inhalte, insbesondere Interviews, durch die Transformation in einen Animationsfilm gleichsam zu verfremden, wie auf das Wesentliche zu konzentrieren. Im Prinzip ist alles wie bei einem gewohnlichen Augenzeugenberich, wie man ihn bei jeder „History“-Sendung im doppelten Dutzend sieht (oder sehen muss). Ein Mensch bekommt knappe Fragen gestellt und erzählt von den Geschehnissen nach seiner Erinnerung. Über die animierte Künstlichkeit des expressionistischen Bildes bekommt der Originalton aber eine Wucht, die einen, im Gegensatz zu normalen Interview, heftig aus den sich wiederholenden Kreisbahnen des täglichen Lebens schleudert. Plötzlich fliegt einem die massenhaft persönliche Dimension eines Konfliktes um die Ohren, den man seit Jahrzehnten permanent beim Blick durch die Nachrichten übersieht. Seit ich lebe, kenne ich … den nahen Osten nur als Konflikregion, höre wie jede ethnische oder religiöse Gruppe gegen fast jede andere im Klintsch bis Krieg liegt und, ich gebe es zu, es langweilt mich. Mit diesem Film, und das ist die thematische Neuigkeit, wird echte Aufarbeitung betrieben, die als Grundlage für gegen- oder besser allseitiges Verständnis dienen kann, und die einen aus der letztenendes menschenverachtenden Langeweile herausreißen kann.

Man hat ja, informiert wie man glaubt zu sein, leicht die Vorstellung, die wesentlichen Fakten des Weltgeschehens mitzubekommen, doch was weiß man eigentlich davon, was die Menschen in oder nach einem wirklich bitteren Krieg bewegt. „Waltz with Bashir“ gibt einen Eindruck davon, welche tiefen Wunden die vielen gewlttätigen Auseinandersetzungen und Kriegsverbrechen in den Menschen hinterlassen.

Die Hauptperson, macht sich daran, die Leerstellen in der eigenen Erinnerung auszumalen. Es ist die autobigrafische Geschichte des Regisseurs Ari Folman, der sein eigenes Handeln in den Tagen des Libanon-Krieges Anfang der achtziger Jahre rekonstruiert. Besonders aufschlussreich zur gefundenen Form der Aufarbeitung der Geschehnisse, wie der Animationsfilms, sind die Interviewszenen mit einer Psychologin, die erklärt, wie man sich die Erinnerung vorzustellen hat. Es ist eine interpretatorische Konstruktion, die einem aus der gegenwärtigen Sicht auf die Vergangenheit logisch und vernünftig vorkommt. Doch wenn der Blick zu viele blinde Flecken aufweist, zu sehr erfunden ist, bleibt ein Gefühl der Dissonanz und diese beunruhigende Unstimmigkeit kann auch anscheinend harmonische Lebenszusammenhänge psychisch zerreissen. Die Form der Animation erweist sich in diesem Film als ausgezeichnete Hilfskonstruktion, um den eigenen Lebensentwurfin wahren Farben auszulegen.

Unbedingt ansehen!

 

Autor:

Magnus Hengge

 

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