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13. Juli 2009 11:29:03

… Brüno

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Sasha Baron Cohen startet mit „Brüno“ den zweiten kinematografischen Frontalangriff auf gesellschaftlichen Verhältnisse und Vorurteile, die nach seinem Empfinden zu Himmel stinken und durch Hau-drauf-Komik bearbeitet werden müssen. Mit seiner Kunstfigur „Borat“ und dem gleichnamigen Film benutzt Cohen eine eigentümliche Mischung aus Inszenierung und Dokumentation als aggressiven Satirestil, wobei er sich selbst ganz und gar in die jeweils gnadenlos überzogene Charakter-Rolle begibt und den kontrollierenden Komiker dabei zur Seite schiebt. Mit dieser Art Method Acting-Comedy gelang es ihm mit dem Borat-Film eine Schockwelle zu erzeugen, die sämtliche Comedy-Dramaturgie-Klischees wegblies. Cohen scheint in seinen Rollen, bei „Borat“ wie bei „Brüno“, völlig angstfrei, sowohl was seine persönliche Gefährdung angeht, wie auch was die Themen betrifft. Denn er provoziert das normative Denken der Spießergesellschaften, das diese als Zivilisationserungenschaft empfinden und doch meist auf dummer Ignoranz und allerlei Phobien gegenüber fremden Lebensstilen fußt.

„Brüno“ ist eine herausfordernde österreichische Mode-Schwuchtel, die unbedingt „very famous“ werden will und dazu nichts unversucht lässt. Brüno macht einfach alles, was die größten Celebrities auch machen, nur ohne den Deckmatel eines gewissen Anstandes zu wahren. So besorgt er sich ein afrikanisches Kind, im Tausch gegen einen iPod, oder versucht sich, über die Vermittlung einer Charity-Agentur, in der Schlichtung des politischen Konflikts in „Mittelerde“ zwischen Israel und Palestina. Alles nur, um mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Interessant finde ich beim Zusehen besonders das Schwindelgefühl, das entsteht, weil man emotional ständig hin und her gerissen ist. Cohen zeigt einerseits die Dummheit, Ignoranz und Saturiertheit der Gesellschaften, wodurch man auf die Seite des Komikers (bzw. in diesem Fall Kaberettisten) gezogen wird und sich als gerechten Gesellschaftskritiker fühlen darf, doch nur Sekunden später verlässt er diese gute Seite sofort wieder und benimmt sich selbst, wie der selbsstüchtigste und ignoranteste Wüstling. Man fragt sich, ob er das alles nur macht, um selbst (genau wie seine Figuren) nach maximalem Ruhm zu streben. Zum Anderen weiß man nie, wie viel Inszenierung und vie viel Dokumentation man gerade sieht. Die unbeantworbare Frage „ist das wahr und echt, was ich da gerade sehe?“ bleibt offen und das macht die Komik so brennend.

Trotz dieser Verwirrung erscheint mir Cohens Komik letztlich als Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und für eine ethisch begründete Selbstbestimmtheit. Er verfolgt dabei ein kathartisches Prinzip nach dem Motto „erst muss der ganze Dreck mal raus“, das einen manchmal sprachlos macht, aber brachial lustig ist.

Ich bin gespannt, was ihm als nächstes einfällt, denn seine etablierten Figuren „Ali G“, „Borat“ und „Brüno“ sind nach der filmischen Ausbreitung nun im Prinzip verbraucht.

 

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Kino | Soziales

 

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