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30. Januar 2011 17:17:09

… Labor: Alles was Sie über Chemie wissen müssen im Bethanien

jelleferinga

Zur transmediale 11 gibt es diesmal einige „Satelliten“ in der Stadt, also Orte an denen sich das transmediale Programm in andere Locations als das angestammte Haus der Kulturen der Welt ausbreitet. Zusätzlich gibt es, wie immer, das breitgefächerte club transmediale Programm, in dem die musikalische Seite des Festivals zusammengefasst wird. Das hört sich geordnet an, doch tatsächlich ist die Ausstellung, um die es hier gehen soll, nur über Google auf der Website der Abteilung club transmediale zu finden. Aber solcherlei Unschärfen ist man von der transmediale ja gewohnt und es sollte nicht auf die Einschätzung der Ausstellung abfärben. Denn diese „Alles was Sie über Chemie wissen müssen“, präsentiert vom niederländischen Kunstraum TAG, sehr schlüssig kuratierte Ausstellung breitet sich gekonnt in 2 Studios des Bethanien aus. Es geht zwar eher um physikalische als um chemische Phänomene, aber sei’s drum. Besonders bemerkenswert fand ich einige kinetische Objekte.

bramvreven

Bram Vreven zeigt eine zweiteilige Installation, einerseits einen Versuchsraum und andererseits dessen mediale Repräsentation. In einem Glaskasten rotieren 9 Pingpongbälle über je einer schwarzen Scheibe, irgendwie unsichtbar gehalten, so dass sie sich nicht nur um die vertikale Rotationsachse drehen, sondern auch noch einen langsamen, dazu verdrehten Spin entwickeln. Sie erscheinen wie kleine Planeten, auf denen, oder um die herum, sich durch die extreme Rotationsgeschwindigkeit, Staub oder winzige Krater zu bewegten Linien abzeichen. Dieses abstrakte, konsequent in Schwarz und Weiß gehaltene, Schauspiel wird von in der Decke des Glaskastens eingebauten Kameras aufgenommen und auf 9 Monitore in einem anderen Raum übertragen. So ins Zweidimensionale verdichtet sehen die kreisrunden Bewegtbilder aus wie historische Aufnahmen eines weit entfernten Planeten, auf dem sich gerade etwas in der Art wie die Ringe des Saturn bilden.

Ein sich bewegender Kreis schuf auch Jelle Feringa. Ein unförmiges, gegen das Licht in den Raum greifendes Objekt, zeichnet als Schattenbild während des ganzen Tages einen perfekten Kreis. Die Wanderung der Sonne ist in der Ausstellung durch einige Lichtquellen simuliert. Es ist also eine Sonnenuhr, deren Zeiger, weniger auf die Uhrzeit, sondern vielmehr auf das Prinzip des interplanetaren Zirkulierens verweist. Wozu auf die Uhr sehen? Es dreht sich doch ohnehin immer weiter.

jorindevoigt_grammar

Jorinde Voigt, die unlängst in den selben Räumen ihre inzwischen sehr bekannt gewordenen mathematischen Modulationszeichnungen zeigen konnte, hat eine Instalation eingerichtet, bei der auch das Drehmoment im Fokus steht. Ähnlich wie in ihren Zeichnungen, wird über die immanenten Gesetzmäßigkeiten einer Versuchsanordnung ein Ergebnis erzeugt, das sich zwar vorausschaubar, aber doch unendlich veränderlich abbildet. Hier sind es einige Flugzeugpropeller in verschiedenen Größen, die den 8 Personen der Deklination entsprechen, vom ich der ersten Person Singular bis zum sie der 3 Person Plural. Die Größen sind nach Ichbezogenheit geordnet – das Ich stellt sich am Größten dar. Auf jedem Propeller wird folgender Satz in doppelter Weise gebeugt (hier in 3. Person singular sächlich): „Es liebt mich – Es liebt mich nicht“. Rotationsgeschwindigkeit und Drehrichtung darf von den Betrachtern interaktiv selbst reguliert werden, so dass die Luft entweder auf den Propeller gezogen wird oder von ihm ausströmt. Eine schöne Installation über kreisendes Denken, Selbstwahrnehmung und den ewig wieder auftretenden Zweifel als Motor für künstlerisches Arbeiten, wobei offen bleibt, ob es einen voran bringt oder zurückwirft. Jorinde Voigt wird mit ihren Installationen (es ist das erste Mal, das ich eine gesehen habe) ebenso wie mit ihren Zeichnungen den Kunstmarkt erobern!

Vom 29. Jan – 6. Februar im Kunstquartier Bethanien, Studio 1 & 2; immer 14:00 – 21:00 Uhr

 

Autor:

Magnus Hengge

 

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