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Archiv der Kategorie ‘Alltägliches‘

18. Juli 2011 09:39:38

… beobachtet: Männer vom Bürgerpark

Alle zehn Minuten donnerten gestern Nachmittag die Flugzeuge über den Bürgerpark. Meistens waren es die rot-weißen Maschinen der Air Berlin, deren Schriftzug von unten deutlich zu lesen war. Die auf der Wiese lagernden Menschen schienen sich an das dauernde Geräusch hier längst gewöhnt zu haben. Kaum einer hob noch den Kopf, wenn wieder so ein Vogel den Park überflog.

Unweit der dort durchfließenden Panke, die in Berlin an einigen Stellen wieder renaturiert werden soll - wann hat es je so ein schönes, urberlinerisches Projekt gegeben – saß ein alter Mann auf einer Parkbank, die er in sein kleines Wohnzimmer verwandelt hatte. Die mitgebrachten Siebensachen, wie Zeitungen und etwas zu essen, waren fein säuberlich auf der ganzen Bank verteilt. Neben ihm stand ein Kofferradio uralter Bauart und spielte Musik. Wenn man vorbeiging, blickte der Mann nicht auf, so sehr war er mit seinem kleinen Reich beschäftigt. - Auf der großen Wiese, unweit des mit Klinkern ummauerten, kleinen Springbrunnens, lagerten vor allem Familien mit Kleinkindern, die sich dort, wo auch keine Hunde zu sehen waren, frei bewegen konnten. Plötzlich erschienen zwei schlaksige Basecapträger auf der, von den reichlichen Niederschlägen der letzten Tage sattgrünen, Rasenfläche und brachten zwei große Modellautos mit. Sie hatten auch etwas zu trinken dabei – für sich in der Bierflasche und für die Autos im Kraftstoffbehälter. Als sie mit ihren knatternden Startversuchen begannen, reckten sich die Köpfe des halben Parks in ihre Richtung. Nachdem sie ihr Fahrtraining dennoch aufnahmen, redete ein 35-jähriger Mann energisch auf sie ein. Ergebnis: Boxenstopp. Mit hängenden Ohren verließen die Rennfahrer wenig später den Park. - Wie ein kleiner Cowboy sah der Junge mit dem gelben T-Shirt (Mommys Rock Legend) und dem Halstuch aus. Den anderen, älteren Jungen sah er mit seinen hellblauen, aufmerksamen Augen nach. Vor allem ihren Bällen, die größer waren als seiner, lief er auf wackligen Beinen hinterher. Gerade mal ein Jahr ist der kleine Kerl geworden. Wenn die Flugzeuge heranbrummten ging sein Kopf nach oben, obwohl er dieses Geräusch schon kannte. In zwei Jahren, zu seinem dritten Geburtstag, wird es den Lärm über dem Bürgerpark endlich nicht mehr geben.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

13. Juli 2011 20:49:03

… Live-Reportage: Ein Bürgeramt

Zeit: Mittwoch, 13.7.11 / Ort: Bezirksamt Spandau – Rathaus / Grund des Besuches: Beantragung eines Reisepasses / Voranmeldung bzw. Reservierung für den Termin: Nein.

Bürgerämter stehen, so war zumindest in einigen Tageszeitungen zu lesen, zur Zeit in der Kritik vieler Berliner. Hier nun ein Live-Eindruck vom Stadtrand: Spandau – ein paar Zahlen vorab – hatte am 31.12.09 – 215444 Einwohner (also ca. 6,4% der Gesamtbevölkerung Berlins), davon 49129 im Alter über 65 Jahre. Zum angegebenen Zeitpunkt lebten 21231 Ausländer in diesem Stadtgebiet.

Im offiziell noch nicht geöffneten Rathaus mit dem mächtigen Turm warten um 6:20 zehn Personen, positioniert als lockerer Haufen aber mit Klarheit über die Reihenfolge des Eintretens, vor dem Bürgeramt. Nach zehn Minuten kommen weitere Besucher hinzu, einige von ihnen mit dem -Ichfragnichtwerderletzteistundstellmichvornean-Syndrom. Um 6:45 beginnt die Vergabe der Wartenummern durch einen höflichen, aufmerksamen, das Anliegen und notwendige Unterlagen abfragenden, Mitarbeiter. Gegen 6:50 sitzen 20 Personen im Warteraum, wenige lesen Zeitung, einige checken ihre Mails, dritte versenden SMS und wieder andere dösen vor sich hin. Exakt 6:58 schaltet sich der Monitor ein, auf dem Informationen des Bezirksamtes, aber auch Werbung und aktuelle Nachrichten abgespielt werden. Sieben Minuten später sind die ersten beiden Nummern dran. Inzwischen befinden sich 30 Personen im Warteraum. Wir werden um 7:20 aufgerufen und von einem freundlichen Herrn erwartet. Vorzeigen des alten Passes und des Personalausweises, Übergabe von zwei biometrischen Passfotos, Abscannen des Fingerabdrucks beider Zeigefinger (je fünf Sekunden) auf einem Gerät mit der Aufschrift: Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik. Die Bearbeitungszeit für den Pass soll 3-4 Wochen betragen. Die Kosten für die Ausstellung des Dokumentes, das zehn Jahre Gültigkeit besitzen wird, betragen 59 Euro pro Person. Unterschreiben des Antrages. Der Mitarbeiter rät in zwei Wochen anzurufen, da der Pass evtl. auch früher kommen könnte. Um 7:42 verlassen wir das Bürgerbüro – im Wartebereich sitzen jetzt ca. 40 Personen. Nun noch ein Blick auf die Figurengruppe „Eselreiter“ - die im Vestibül des Rathauses zu bewundern ist - des einst berühmten Tierbildhauers August Gaul, Freund von Heinrich Zille. Die 1912 geschaffene Skulptur, die ursprünglich im Park von Neu-Kladow stand und auf verschlungenen Wegen ins Rathaus kam, zeigt einen nackten Jungen auf einem Esel reitend, beide in natürlicher Haltung und mit müdem, stoischem Gesichtsausdruck, alles zusammen von schlichter, zeitloser Schönheit. Und: Der Esel steht für Anspruchslosigkeit, dienende Ausdauer und friedfertige (wenn er nicht gerade mal bockt) Dienstausübung - kein schlechtes Gleichnis für ein Rathaus und die in ihm arbeitenden Menschen.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

Kategorie:

Alltägliches

 

11. Juli 2011 22:15:11

… Sommerzeit: Auf dem Weg zu ihr

Der Weg zu ihr erfüllt mich mit Vorfreude. Zunächst fährt man mit der Regionalbahn nach Rheinsberg (Preußen-Prinzen! Fontane! Tucholsky! Musik-Sommer!). Der Spaziergang durch das Städtchen am Wasser, der Besuch des malerisch gelegenen, kleinen, aber feinen, Schlosses verführt zur Ruhe. Dann geht es, auf autofreien Wegen, noch einige Kilometer mit dem Fahrrad über Land. Der Blick fällt dabei auf verschlafene Dörfer, Wiesen und Feldränder, die jetzt vom Weiß der Schafgarben, dem Blau der Kornblumen und dem Rot der Mohnblumen gesäumt werden. Weiter führt der Kurs über schattige, schmale Asphaltstraßen bis zu dem Ort, wo die Natur übernimmt. Dort geht es zu Fuss hinein in den Wald, der sich selbst überlassen blieb. Hier stehen schmale Eichen neben starken Kiefern, d e m Baum der Mark Brandenburg, deren schieferförmige, braune Rinde von weitem manchmal wie der Panzer eines Schuppentieres aussieht. Buchen und Birken wachsen, auf zum Schilfgürtel hin abfallendem Gelände, eng durcheinander. Schließlich liegt sie vor uns: Eine Perle von See, an dessen bewaldeten Ufern, wenn die Zeit heran ist, Stein- und Birkenpilze aus der Erde hervorkommen. Still ist es hier: Kein menschengemachter Laut dringt an das Ohr. Selbst Handynetze schließen sich der Ruhe an und versagen ihren Dienst. Das Plätschern der Wellen, der gelegentliche Ruf eines Reihers, das aufgeregte Schnattern der Wildenten, das Krächzen einer Krähe und das Rauschen des windbewegten Schilfes gehören an diesem Tag zum akustischen Repertoire dieser Landschaft. Sonst nichts.

Warm liegt die Nachmittagssonne über dem großen Waldsee mit dem unglaublich klaren Wasser. Einige der, am Ufer befindlichen und in die Jahre gekommenen oder vom Blitz niedergestreckten, Bäume haben sich bereits der Wasseroberfläche zugeneigt. Hier entsteht und vergeht Natur; der Mensch ist vor allem Beobachter. Wenn man den Ort dieses Sees hier verraten würde, so wäre das, als plauderte jemand in aller Öffentlichkeit den Namen seiner heimlichen Geliebten aus.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

Kategorie:

Alltägliches | Freizeit

 

7. Juli 2011 22:05:28

… alltäglich: Fabelhafte Begegnungen

In jener Nebenstraße parken die Autos beidseitig, einerseits quer, auf der anderen Seite längs zur Fahrbahn. Daher füllt das Müllauto mehr als die Hälfte der noch verbliebenen Straßenbreite aus. Hinzu kommt, dass einige Meter weiter ein PKW in zweiter Reihe hält. Orangegewandete, kräftige Männer bewegen die fahrbaren Kunststoffbehälter mit einigem Lärm – man hat bei ihnen immer das Gefühl, dass sie bemerkt werden wollen – über die Straße zu den Hauseingängen bzw. zurück. Vor und hinter der Müllkutsche staut sich der Verkehr. Keiner kann vorbeifahren, solange das BSR-Fahrzeug seine Position nicht verändert und der Fahrer des haltenden PKW nicht wieder erscheint. Eine Minute verharrt alles auf seinem Platz, dann kommt Bewegung in die Blechschlange. Ein Audi fährt unter Hupen zurück und ermöglicht damit seinem Gegenüber das Passieren des Müllfahrzeugs. Der BMW auf der anderen Seite rückt jetzt nach. Da setzt sich der Mülltransporter überraschend in Bewegung, obwohl gerade einer der Männer zwei Tonnen aus dem Hauseingang schiebt. Der etwas verdutzt dreinblickende Kollege brüllt seinem eigenen Fahrer hinterher, der wieder retour muss. Die PKW-Lenkradmatadore bewahren alle ihre Ruhe; kein lautes Wort ist von ihnen zu hören. Irgendwann ergibt sich wieder eine Lücke und ein weiteres Auto kann vorbei. Deren Fahrer verhalten sich wahrlich nicht so unnachgiebig wie „Die beiden Ziegen“ aus der Fabel des Jean de la Fontaine. Dennoch müssen sie alle gemeinsam akzeptieren, dass die Orangenen hier die Kings auf der Straße sind.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

6. Juli 2011 17:57:07

… wieder mal in Charlottenburg: Georg Schramm

georgschramm

Wie vermisse ich ihn!

Vor einem Jahr entfernte er sich aus dem Medium Fernsehen und ließ uns zurück: Georg Schramm – für mich Deutschlands bester politischer Kabarettist. Er hatte den „Scheibenwischer“ (ARD) verlassen und dann später auch „Neues aus der Anstalt“ (ZDF) für sich beendet. In letztgenannter Sendung gab Schramm – sein kabarettistisches Tun ist von einmaliger Schärfe und seltener Qualität – den bösen Rentner Dombrowski und den Oberstleutnant Sanftleben. Dombrowski, die Figur mit dem Gesicht und Image eines ewig unzufriedenen, weil erfolglosen, Versicherungsvertreters und Sanftleben, mal ehrlich, nachdenklicher, dann ganz forscher Militär, der – im Gegensatz zu seinem zwischenzeitlichen, abgedankten, großen Chef – zu seinem Wort stand. Dieser Oberstleutnant, der in „bester“ preußischer Tradition, aber modern gewandelt, das Wort Kollateralschaden mit bellendem Lachen bedenkenlos an jedem Sonntagnachmittagskaffeetisch fallenlassen würde, der das (auch deutsche) Drama in Afghanistan lange vorher sah und mit schnoddriger Verachtung sezierte, ging uns verloren. Beide Figuren und ergo Schramm selbst haben dem deutschen Zuschauer, also uns, insbesondere aber einer besonders fehlentwickelten Spezies, dem Politiker, respektive seiner, ihn tragenden, Parteien, ihre Wahrheiten um die Ohren gehauen. Das Gift, dass seine Figuren versprühen - in Wahrheit ist es ein Antibiotikum - soll in seiner Zielgruppe nur die Blutbahn und den Kopf von all den Keimen der Dummheit, Verlogenheit und Gier reinigen, gegen die das EHEC-Bakterium vergleichsweise nur ein vorübergehender, zumeist friedlicher, Besucher ist.

Georg Schramm, 1949 geborener Arbeitersohn, Offiziersschüler, zwölf Jahre Psychologe in einer Reha-Klinik, ist – berufsmäßig – ein Sucher nach Leuten und Ansichten, die seine Wut, seinen Abscheu, aber nicht Ignoranz verdienen. Ab heute tritt der Kabarettist wieder für einige Tage in den „Wühlmäusen“ auf. Sein Programm heißt „Meister Yodas Ende“. Natürlich ist alles ausverkauft. Wer noch eine einzelne Karte ergattert, kann sich glücklich schätzen.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

29. Juni 2011 16:49:50

… Filmkritik: „Beginners“

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Bei diesem sonnigen Wetter sitzen viele lieber im Park, als ins Kino zu gehen. Einige haben sich aber gestern im Filmtheater am Friedrichshain dennoch den Streifen „Beginners“ – Regie Mike Mills – angesehen. Um es vorweg zu nehmen: Dieser Streifen ist unpathetisch, unspektakulär, ohne vordergründige Botschaft - durchaus untypisch für amerikanische Filme - und dennoch sehenswert.

Erst nach dem Tod der Mutter erfährt Oliver (Ewan McGregor) von seinem Vater Hal (Christopher Plummer), dass dieser schwul ist. Für den Sohn, der als Kind unter der ständigen Abwesenheit seines Vaters gelitten hat, was auch die liebende, unkonventionelle Mutter nicht ausgleichen konnte, ist das ein später Mosaikstein, der zu seinen bisherigen, unverarbeiteten Erlebnissen hinzukommt. Der Vater will in seinem weiteren Leben - nun als geouteter - neu durchstarten und lässt sich dabei auch von der Nachricht der Ärzte, dass er Krebs habe, nicht aus der Bahn werfen. Der Sohn lernt in dieser Zeit die junge Französin Anne kennen (Melanie Laurent), die bezaubernd aussieht, aber auch etwas aus einer ungeklärten Vater-Tochter-Beziehung mit sich herumschleppt. Das leise Tasten der beiden Menschen, die Annäherung auf einander zu, aber immer wieder auch die Hilflosigkeit, mit der Leere und Last umzugehen, wird in diesem Film von beiden Schauspielern glaubhaft dargestellt. Die berührenste Szene erlebt der Zuschauer jedoch, als der Vater, kurz vor seinem Tod, dem Sohn das Kennenlernen und die Heirat mit der Mutter schildert.

„Beginners“, den die Kamera in ruhigen Bildern vorführt, hat etwas sperriges, manchmal trostloses und selten hoffnungsvolles – darüber kann auch der Filmtitel nicht hinwegtäuschen. Er hinterlässt dem Zuschauer nicht nur Sichten auf die Homosexualität, ihre Eigenheiten, Beklemmungen im Zusammenleben , alles bezogen auf die letzten 40 Jahre des 20. Jahrhunderts, sondern vor allem Fragen zum Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern. Es gibt auch heute noch tausende, die, selbst wenn sie darüber kaum sprechen und inzwischen schon erwachsen, davon – im doppelten Sinne des Wortes – betroffen sind.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

26. Juni 2011 21:55:55

… auf See: Abenteuerreisende

Das schwimmende Blockhaus mit dem Restaurant lockt immer wieder Leute an. Unweit des Spreetunnels in Friedrichshagen liegt es vor Anker und wartet das ganze Jahr über auf Gäste. Auf dem Anlegesteg befindet sich eine Klingel, die vom Ankömmling betätigt werden kann. Wenige Minuten später erscheint dann der Bootsmann und holt über.

Solche Häuser kennen die meisten eigentlich nur aus Western oder den Indianerfilmen der DEFA. Dort sind sie der Wohnort friedliebender Menschen, die dann irgendwann von Bösewichten überfallen werden. Hier läuft alles friedlich ab. Gestern hatten es sich, trotz des bedeckten, kühlen Wetters, einige auf dem schwimmenden Lokal gemütlich gemacht. Je weiter der Tag fortschritt, umso mehr Verkehr war auf der Müggelspree zu beobachten. Zum frühen Nachmittag legte ein rustikal aussehender Dampfer am Holzhaus an, 15-20 Mittfünfziger enterten unter großem Stimmengewirr, Lachen und offensichtlich guter Laune die Lokalität und besetzten einen vorbestellten Tisch.

Die Frauen und Männer hatten sich Jahrzehnte nicht gesehen und trafen sich nun zu einem Klassentreffen. Dennoch war keine Fremdheit zwischen ihnen zu spüren. Als sie wieder abfuhren, griff einer von ihnen zur Gitarre und begann ein Lied, in das die anderen mit einstimmten. Wie viele von ihnen hatten in der Kindheit vielleicht von Piraten und der Eroberung einer Insel gelesen oder geträumt und haben in der Jugend an das Gute geglaubt? Jetzt, wo sie wissen, dass Märchen nur selten wahr werden, dass Wünschen allein nicht hilft und sie das Unverfälschte und Vertraute mehr denn je schätzen, sind sie gemeinsam nochmal in die Vergangenheit zurückgekehrt.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

24. Juni 2011 07:50:07

… alarmierend: Chinesen im Monbi!

Jetzt ist es soweit. Die Chinesen sind im Monbijoupark eingefahren. Ihre Autos, glänzende Imitate deutscher Edel-Karossen, haben einen Platz hoch oben auf dem extra aufgebauten Gerüst neben dem Atelierhaus, welches den zentralen Ausstellungsort für „based in Berlin“ bildet. Das Thema ist die Berliner Gegenwartskunst, die an folgenden, weiteren Adressen und noch bis zum 24. Juli 2011 betrachtet werden kann: KW Institute for Contemporary Art (Auguststraße), Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Neuer Berliner Kunstverein (Chaussestraße 128/129) und Berlinische Galerie. Weitere Details siehe hier: http://www.basedinberlin.com/

Was mir – unvollständig - im Atelierhaus auffiel: Ralf Pflugfelders „Untitled“, eine interessante Holzkonstruktion, die an die ersten Flugapparate (Lilienthal) erinnert und eine vertrackte Situation darstellt: Das Gerüst passt gerade so in den Raum hinein. Bewegung ist nicht möglich und ein Scheitern jeder Absicht zwangsläufig. Warum auch nicht. - Befremdet war ich, in einer Fotoportraitreihe ein paar abgehalfterte Politiker zu sehen. Was sollen die in dieser Ausstellung? - Die gesammelten Intenet-Video-Mitschnitte der Tanzenden von Matthias Fritsch „We, Technoviking“, 2010, sind wenig berührend und nichts neues. – Was mich bei der Gegenwartskunst wundert: Warum setzt sich z.B. niemand mal mit der hohlen Penetranz dieser „sozialen Netzwerke“ des Internets auseinander, zum Beispiel in der Form eines öffentlichen „Freunde“-Löschens?

Auf der oberen Plattform des Gerüstes sind dann die drei chinesischen Autos aufgestellt, die wohl BMW-Marken nachgebaut wurden. Zunächst mal ganz nüchtern: In der Realwirtschaft wird China zum wichtigsten Markt für die deutschen Autobauer. Da wird der deutsche Autokäufer ja wohl irgendwann auch kein Extra-Design, vielleicht auch keine Extra-Technik, mehr erwarten können! Aber hier: Ist das Kopieren, der glänzende Nachbau des Originals, neue Kunst oder werden hier nur die alten, weiterentwickelten Warhol’schen Suppendosen vorgezeigt?

Das Podest befindet sich übrigens in nahezu ebenbürtiger Höhe mit dem Dach des kunstschweren Bode-Museums. Was für eine Ironie! Oder soll es gar keine sein?

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

22. Juni 2011 19:01:02

… nicht zu überhören: „Ich brech die Herzen …“

Sein Gesang war weithin zu hören. Manch einer, der zufällig in der Nähe war, ging neugierig dem Geräusch nach: Ein Senioren- und Pflegeheim veranstaltete einen Tag der offenen Tür; die alten Menschen, überwiegend im Rollstuhl sitzend, hatten sich auf dem rasenbewachsenen Gelände des Heimes um gedeckte Tische herum postiert, wurden von den Mitarbeitern des Hauses versorgt und zwischen den Tischreihen bewegte sich besagter Sänger im Bemühen, sein Publikum zu unterhalten. Die meisten der älteren Herren, vor allem aber der Damen, waren feiertäglich gekleidet und hatten das Haar sorgfältig frisiert. Dem Publikum widmete sich der, mit einer Lederhose und Hosenträgern bekleidete, ca. 40-jährige, Mann mit Ausdauer und hartnäckig vorgeführter guter Laune. Die Resonanz des Publikums auf die „Herzen der stolzesten Frauen“, die es zu brechen gelte, die „Rote Lippen“, die zu küssen der Schlagertext vorgab und das Lied über eine gewisse „Donna Clara“, dessen Melodie der Künstler beim Vortrag mit einem speziellen Vibrato bedachte, war von sehr großer Zurückhaltung geprägt, wozu sicher beitrug, dass der Mann des öfteren nicht den richtigen Ton traf, was dann insgesamt eine eigenwillige Melodie ergab. In einer der Pausen seiner Darbietung lief er zwischen den Tischen umher und befragte einen im Rollstuhl sitzenden, vielleicht 65-jährigen Mann, der aber noch beinahe sein volles, kaum ergrauten Haar hatte - und den er duzte - ob er denn in seiner Jugend auch so ein Herzensbrecher gewesen sei, worauf dieser auf die Frage nicht einging, sondern sich positiv über das Fest und das schöne Wetter äußerte. – Anschließend trat eine Kita-Gruppe auf und sang drei Lieder, die aber ohne Mikrofon kaum zu verstehen waren, für die alten Menschen offenkundig überhaupt nicht. Dann nahm wieder der Lederhosen-Träger das Wort an sich und sprach von einer, die Herzen rührenden, Darbietung.

Beim Weitergehen sah ich noch, wie sich am Eingang des Geländes bereits die Nächsten für ihren Auftritt anlässlich dieses Tages bereit machten: Zwei Clowns.

 
 

Autor:

Jürgen Pahl

 

22. Juni 2011 17:03:33

… nicht vorbereitet.

Die Potenziale der Green Economy standen im Zentrum einer Veranstaltung des Unternehmensservices Friedrichshain-Kreuzberg im Atrium des Energieforums, Stralauer Platz 34, 10243 Berlin.

Sabine Porn moderierte die anschliessende Podiumsdiskussion.

Neben den Vortragenden stand Dr. Peter Beckers, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin, Stellvertretender Bezirksbürgermeister für Fragen zur Verfügung.

Prof. Dr. Stefan Krauter, Vorstandsmitglied, Photovoltaik-Institut Berlin
Tim Schultze, Vorstandsmitglied, SolarWaterWorld AG
Ralf Steeg, Geschäftsführer, LURI.watersystems.GmbH
Christian Herzog, Teamleiter Industrie, Mobilität und Clean Technologies, Berlin Partner GmbH
stellten ihre Projekte vor.

Am Ende ging man etwas ratlos hinaus.
Fertige Zukunftskonzepte warten auf ihre Umsetzung und der »Stellvertretende Kreuzberger Bürgermeister« sagt, »… darauf ist die Verwaltung nicht vorbereitet …«?! Zuvor wurde referiert, über bahnbrechende lebensqualitätsverbessernde Projekte, über Zertifizierungen, Quantifizierungen, Tests – Maßnahmen, um wertvollen Projekten eine Chance einzuräumen. Um diese Projekte nicht nur mit dem gesunden Menschenverstand, sondern auch nach allen Regeln der Unternehmensberater, Politiker, Wirtschaftsführenden transparent, kommunizierbar und einschätzbar zu machen.
Mit allen Kräften sorgen aktive und hochmotivierte Menschen, wie Ralf Steeg dafür, dass Ideen der »Grünen Ökonomie« (warum eigentlich: Green Economy?) es durch alle drei Phasen von Pionierprojektierung schaffen. Dazu das zitierte Zitat von Ralf Steeg: Phase 1: »…der ist ja irre!«, Phase 2: »ein schönes Projekt, aber das brauchen wir nicht!«, Phase 3: »wenn ich nicht gewesen wäre, wäre das Projekt nie realisiert worden.«

Alle Projekte sysiphossieren seit mehr als 10 Jahren und kämpfen um Genehmigungen, Kontakte und manchmal auch um langfristige und unabhängige Finanzierungen. Diese Projekte werden auf dem Silbertablett serviert und ich frage mich: »Warum hat in der Berliner Wirtschaft und Politik keiner HUNGER?! Deutschland, Land der Ideen – was nützt eine Kampagne, wenn Deutschland großartige, ökologisch interessante, zukunftsorientierte Ideen nicht zeitnah umsetzt.
Es geht dabei um nicht weniger, als eine sinnvolle Nutzung von Energie, sauberes Wasser im Fluss, leise und saubere Fortbewegungsmittel.
Projekt-Link: http://www.luritec.com/en/technik

Von jedem Start up wird erwartet schnell, gründlich und serviceorientiert zu agieren,  kann sich eine Verwaltung ein anderes Verhalten leisten?
Hoffen wir, das solche Highlight-Projekte aus Berlin nicht ins Ausland abwandern. Der Begriff der Verwaltung kann durchaus unterschiedlich aufgefasst werden. Schielen wir mal zu unseren Nachbarn nach Holland, wird schnell klar, dass dort die Verwaltung für die Bürger da ist und nicht andersherum. Serviceorientiert, offen, bemüht, aktiv und zugewandt.

Wenn man Gesprächen in Berlin folgt, kommt manchmal der Verdacht auf, dass die Zukunftsmärkte der Grünen Ökonomie längst aufgeteilt sind und dass weder Einzelkämpfer, noch Netzwerke und schon gar nicht die Bürgerinnen und Bürger von diesem Kuchen naschen werden, es sei denn letztere fangen an, sich einzumischen, ihren Wünschen Ausdruck zu verleihen, nachzufragen, ihre Abgeordneten zu fordern. Anlaufstellen, wie sie bei der Veranstaltung im Energieforum angeregt wurden sind gut, aber häufig haben sie lediglich eine beruhigende Wirkung und sind
nicht sehr effektiv, wenn es um Realisierungen geht. Hier ist persönlicher, verantwortungsvoller und intensiver Einsatz gefragt; Vermittlungen, Transparenz und Gespräche mit Entscheidern in relevanten Positionen.

ICH möchte in wenigen Jahren in der Spree baden und Sonnendecks und Gärten und Wohnungen auf Anlagen, die das Wasser günstig reinigen…!!!

 
 

Autor:

Stefanidad

Kategorie:

Alltägliches

 
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